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Lauenburg Chemie-Unfall: Feuerwehr siebeneinhalb Stunden im Einsatz
Lokales Lauenburg Chemie-Unfall: Feuerwehr siebeneinhalb Stunden im Einsatz
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22:39 28.08.2018
Das Chemiewerk Worlée an der Söllerstraße aus der Luft: Das Unternehmen ist größter Steuerzahler der Stadt und genießt hohes Ansehen. Dennoch häufen sich zur Zeit Alarme und Zwischenfälle. Quelle: Foto: Timo Jann
Lauenburg

„Die weiteren Dinge müssen jetzt unter der Regie des Unternehmens laufen“, sagte gestern Feuerwehrchef Lars Heuer. Vor allem eine aufwendige Reinigung der betroffenen Produktionsanlage dürfte anstehen. Unklar war zunächst, wann die Produktion wieder uneingeschränkt laufen kann.

Wie berichtet, war es am Montag gegen 15 Uhr zu einem Defekt im Rahmen von Wartungsarbeiten gekommen. Dabei trat heißes Thermalöl aus. Worlée legt großen Wert auf die Darstellung, dass eine externe Firma mit den Wartungsarbeiten beauftragt war und deren Mitarbeitern das Malheur passierte. Nichtsdestotrotz liegt die Verantwortung für solche Arbeiten bei der Firma. Bereits gegen 12.30 Uhr war die Feuerwehr bei Worlée vorgefahren, die automatische Brandmeldeanlage hatte ausgelöst. Allerdings wohl wegen defekter Sensoren im Bereich eines Blockheizkraftwerks und unabhängig von den später eingetretenen Problemen.

Weil es sich bei Worlée um einen Betrieb nach der Störfallverordnung für Unternehmen mit besonders hohem Gefährdungspotential handelt, rückten neben den Feuerwehren aus Lauenburg und Umgebung auch die Spezialisten des Löschzug Gefahrgut des Kreisfeuerwehrverbandes an, unter anderem mit Kräften aus Schwarzenbek, Büchen, Mölln und Ratzeburg. Heuer: „Die Erkundung zur Beurteilung der Lage gestaltete sich wegen der starken Rauchentwicklung als schwierig. Danach gab es dann noch einige Unstimmigkeiten wegen der Gefahren, die von dem ausgetretenen Stoff ausgehen.“ Der Löschzug Gefahrgut ließ sich durch Experten des Transport- und Informations-Systems der chemischen Industrie beraten, dabei kam es wohl zur Annahme eines falschen Stoffes.

Für Wasserorganismen gilt das Thermalöl als giftig, Menschen sollen laut Sicherheitsmerkblatt Hautkontakt vermeiden. „Wir sind deshalb beim Abpumpen des ausgetretenen Öls in Chemikalienschutzanzügen vorgegangen.“ Eine Arbeit, die sich über Stunden hinzog, laut Heuer mussten 5000 Liter aufgenommen werden. Der Löschzug Gefahrgut verfügt dafür über Spezialgerät, das jetzt von einer Lübecker Fachfirma gereinigt werden soll. Die ersten Trupps der Lauenburger Feuerwehr, die im Produktionsturm erkundeten, kontaminierten ihre Schutzbekleidung mit dem heißen klebrigen Öl, so dass die Anzüge nicht mehr brauchbar sind, weil sie ihre Schutzwirkung nach der Reinigung verlieren würden. Worlée nutzt das Thermalöl, um innerhalb der Produktion Stoffe indirekt zu erwärmen. Vorteil: bis zu 350 Grad können im Gegensatz zu heißem Dampf drucklos erreicht werden.

Für Schäden an der Ausrüstung der Wehr und die mit dem Einsatz verbundenen Kosten muss der Verursacher aufkommen. So regelt es die Gebührensatzung der Stadt. Nur die Menschenrettung und die Brandbekämpfung ist kostenlos. Hilfeleistungen wie in diesem Fall müssen vom Verursacher gezahlt werden. „Ich gehe davon aus, dass wir das hier vernünftig geregelt werden und nicht bei uns noch Kosten hängenbleiben“, sagte Bürgermeister Andreas Thiede.

Immer wieder Alarmierungen

Zu keiner Adresse musste die Lauenburger Wehr in 2018 öfter ausrücken: „Chemiewerk Worlée, Söllerstraße 12-16“ heißt es in Alarmierungen immer wieder. Neben dem Einsatz am Montag gab es zuletzt am 4. Mai einen Großeinsatz für die Gefahrgut-Spezialisten, als Gefahrstoff ausgetreten war. Drei Wochen später zerstörte ein Feuer Teile der Biogasanlage, die Worlée mit Prozesswärme versorgt. Außerdem löste die Brandmeldeanlage 2018 bereits acht Mal aus.

Auch für den Löschzug Gefahrgut ist Lauenburg 2018 ein Schwerpunkt: Zwei Mal waren die Spezialisten bei Worlée im Einsatz, einmal gegenüber bei einer Kosmetikfirma, als ein Hochregallager mit Gefahrstoffbehältern eingestürzt war, einmal in der Albinus-Gemeinschaftsschule, als im Chemieunterricht Natron ausgelaufen war.

tja

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