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Lauenburg Unterrichtsausfall: Eltern fordern feste Vertretung
Lokales Lauenburg Unterrichtsausfall: Eltern fordern feste Vertretung
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22:31 04.11.2013

Eltern der Klasse 2a der Weingartenschule in Lauenburg blicken der kommenden Erkältungswelle mit Sorgen entgegen. Dann drohe wie im Vorjahr erneut massiver Unterrichtsausfall. Sie fordern für ihre Grundschule zwei feste Vertretungslehrer, die kurzfristig einspringen können. Das Problem ist landweit bekannt. Gerade hat Bildungsministerin Wara Wende angekündigt, Pensionäre gewinnen und junge Lehrer mit Verbeamtung locken zu wollen.

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Dörthe Janezki, Mandy Bindig, Helmut Kiehn (v.l.), Elternvertreter der Weingartenschule in Lauenburg, sitzen auf den „Vertretungshockern“, die in jeder Klasse zusätzlich aufgestellt wurden, um im Vertretungsfall Kinder anderer Klassen aufnehmen zu können.

Wer die Klasse 2a betritt, dem fallen erstmal sechs zusätzlich aufgestellte Hocker auf, so genannte „Vertretungshocker“. „Wenn ein Lehrer krank wird, werden seine Schüler auf zwei, drei andere Klassen verteilt. Dazu die Hocker“, sagt Elternvertreter Helmut Kiehn. In jeder Klassen stehen diese Hocker. „Statt 24 bis 26 sind dann schnell mal 30 Kinder in einer Klasse. Der jeweilige Lehrer muss unterschiedliche Leistungsstärken bedienen. Dazu kommen die Förderschüler, die auch oft ohne zugesagte zusätzliche Lehrkraft unterrichtet werden müssen und letztlich noch einige verhaltensauffällige Schüler. Für Lehrer und Kinder ist das eine Herausforderung, konstruktiver Unterricht ist kaum möglich. Die Schüler werden nur noch betreut“, sagt Kiehn. Mandy Binding und Dörthe Janezki, die ebenfalls ein Kind in dieser Klasse haben, nicken zustimmend. „Die SPD hat uns zur Wahl etwas anderes versprochen. Das Lernen muss auch gewährleistet sein“, sagt Janezki.

„Unsere Schulleiterin ist bemüht, das Problem zu entzerren, aber wo soll sie die Vertretungslehrer so schnell hernehmen?“, fragt Mandy Binding. Seit März 2012 sei die Weingartenschule Kompetenzzentrum für Begabtenförderung. „Angebote für clevere Köpfe finden seit dem Wegfall der festen Vertretungskräfte nicht mehr statt“, sagt Kiehn. Auch das Angebot der offenen Ganztagsschule werde nicht mehr durch Lehrer ergänzt.

Kiehn erinnert an den Koalitionsvertrag der Landesregierung: „Wir werden den Schulen Planungssicherheit geben und für eine bessere Unterrichtsversorgung sorgen“, sei da zu lesen. Die Elternvertreter haben an die Bildungsministerin geschrieben. In ihrer Antwort schreibt Wara Wende, dass sich die Bedingungen für den Vertretungsfonds geändert hätten. Das Stundenvolumen sei reduziert worden. Die gesparten Mittel sollen für unbefristete Festeinstellungen verwendet werden. Diese Änderungen hätten zur Folge, dass in den Grundschulen im Jahr 2013 erkrankte Lehrer ab der zweiten Krankschreibungswoche zunächst zu 50 Prozent ersetzt würden. So sei gewährleistet, dass die Kontingentstundentafel in der Regel erfüllt werden könne. Inzwischen gibt es weitere Ankündigungen aus Kiel. Neun Millionen Euro will die Regierung ausgeben, um Pensionäre zu aktivieren und junge Lehrer zu verbeamten.

Flexible Lehrer und PC-Programm
Bildungsministerin Wara Wende hat angekündigt, dass sie im kommenden Jahr eine „mobile Vertretungsfeuerwehr“ mit flexiblen Lehrern auf die Reise in die schleswig-holsteinischen Schulen schicken will.


Das PC-Programm „PUSH“ (Portal zur Unterrichtserfassung) soll im Februar 2014 in die Schulen kommen. Darin soll akribisch erfasst werden, welche Schule wie viel Unterrichtsausfall wegen Krankheit oder anderer Vorkommnisse hat.

Frust für alle Beteiligten
Land auf, Land ab dasselbe Problem: Das Lehrerpersonal ist so knapp, dass es kaum noch Vertretungen gibt. Klassen werden im Krankheitsfall ihres Lehrers aufgeteilt. Bei dann 30 Kindern, von denen immer mehr verhaltensauffällig sind, ist ein vernünftiger Unterricht aber gar nicht möglich. Der Lehrer ist genervt, die Schüler sind gelangweilt, werden nur beschäftigt. Für alle Beteiligten unerfreulich. Die Landesregierung eiert herum. Die CDU hatte gerade den Vertretungspool erhöht, der wurde von der SPD nun wieder gekappt. Die Mittel sollen anderweitig verwendet werden, junge Lehrer mit Festanstellungen gelockt, Pensionäre aktiviert werden. Ob diese Rechnung aufgeht? Im Februar soll ein neues PC-Programm den Ist-Zustand erfassen. Und dann muss das ja alles noch ausgewertet werden. Und dann gibt es die Erkenntnis, dass dringend weitere Lehrer gebraucht werden.

Das ist aber nichts Neues. Warum dauert es immer so lange, bis sinnvoll gehandelt wird? Derweil plagen sich die Schulen weiterhin mit frustrierten Lehrern, aufmüpfigen, weil unterforderten Kindern.

Das deutsche Schulsystem galt einst als vorbildlich in Europa. Heute gibt es beim Pisa-Test schlechte Noten. Schade.


Silke Geercken zu

Unterrichtsausfall und Vertretungsregelung in den Schulen.

Silke Geercken

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