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Lauenburg Urgroßvaters Werk begeistert Boys aus England
Lokales Lauenburg Urgroßvaters Werk begeistert Boys aus England
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17:33 25.10.2018
Die Ausstellung von Werner Luft im A. Paul Weber-Museum besuchten Lufts Urenkel Philian (8, li.) und Béla (10), Großeltern Martin (re.) und Elisabeth Spiller aus Bristol, Luft-Tochter Petra Laux-Kruschinski (2. v. re.) mit Ehemann Michael Kruschinski (li.). Quelle: Matthias Wiemer
Ratzeburg

 Kunst als familienzusammenführendes Element. Zwei Urenkel lernen ihren Großvater kennen. Erstmals und rein über seine Kunstwerke, die Federzeichnungen von Werner Luft, die zur Zeit im A. Paul Weber-Museum in Ratzeburg ausgestellt sind. Szenen einer Begegnung.

Gleich beim ersten Kontakt mit Philian (8) und Béla (10), den beiden Boys aus Großbritannien, ist spürbar: Über ihren Urgroßvater aus Deutschland ist schon ausgiebig gesprochen worden. Aber lange ist es noch nicht her, denn in der deutsch-britischen Familie wusste man natürlich, dass für ein Thema wie „der deutsche Urgroßvater war ein zeitkritischer Künstler“ ein Mindestalter notwendig ist. Und das war jetzt gekommen. Zeit für eine Entdeckungsreise aus dem südwest-englischen Sharpness (nahe Bristol, Gloucestershire) nach Ratzeburg, arrangiert von der Tochter des Künstlers, Petra Laux-Kruschinski aus Albsfelde.

Zeichnungen von Werner Luft, hier aus dem Zyklus Totentanz. Quelle: Wiemer

Wie früh kann man Kunst Kindern nahe bringen und begreiflich machen? Das war einer der Grundgedanken von Petra Laux-Kruschinski, als sie vor einiger Zeit mit ihrer in England lebenden Nichte das Thema besprach. Groß genug waren ihre Großneffen jetzt, und ziemlich gut Deutsch konnten sie auch schon.

Die Großeltern nahmen sich dieses besonderen Unterfangens freudig an und reisten für zwei Tage mit den Enkeln nach Ratzeburg. Ziel: neben einem Bummel über die schöne Insel natürlich das A. Paul Weber-Museum mit der Sonderausstellung von Werner Luft. Wie berichtet, läuft noch bis zum 28. November diese Sonderschau mit einem Themenverwandten des Namensgebers des Hauses, dem Kunsterzieher und Zeichner Werner Luft (gestorben 1978 in Hamburg).

Natürlich sind die zeitkritischen Werke, die Luft einst unter Hitler ein Berufsverbot einbrachten, mit ihren teils feinsinnigen Anspielungen für Jungen in Alter der beiden noch nicht voll erfassbar. Aber sichtlich interessiert nahmen sie Details wahr und zeigten sich fasziniert von der Zeichenkunst des Urgroßvaters. Philian, der einmal „something with sience (etwas mit Wissenschaft)“ machen möchte, war beispielsweise beeindruckt von der Bilderserie Totentanz-Alphabet und dort von dem Bild Don Quichotes Kamp mit den Mühlen. Und bei der Zeichnung „Tanzmeister“ aus dem Jahr 1940 begeisterte ihn „dieser tolle Schattenwurf“.

Bruder Béla, der am liebsten Naturforscher werden möchte, geht immer wieder aufs Neue die Bilderwände durch und kann sich anscheinend nicht sattsehen. „Es ist ein irgendwie komisches Gefühl, plötzlich so einen Urgroßvater zu haben“, sagt der Junge, „aber auch ein ziemlich gutes.“

Verständnisvolles Lächeln bei den Großeltern, Martin und Elisabeth Spiller aus Bristol. Er war Lehrer, sie Programmiererin, und beide sind durchaus kunstinteressiert. Durch diese Ausstellung, bekunden beide, sei diese besondere Art der Familienzusammenführung erst möglich geworden. Und man habe das schöne Ratzeburg kennengelernt, das man gerne bald ausgiebiger besuchen möchte. Vielleicht im nächsten Sommer – „Brexit hin oder her“, ruft Martin Spiller und schlägt sich die flache Hand an die Stirn.

Werner Lufts Federzeichnungen sind noch bis zum 28. November zu sehen. Quelle: Matthias Wiemer

Nach ein paar Stunden sind Werner Lufts Urenkel und ihre Großeltern wieder auf der Rückreise und lassen ihre Gedanken noch einmal durch das Erlebte streifen, die vielen deutschen Begriffe, die vielen Zeichnungen, und dass sie vielleicht später noch besser die Bedeutungen verstehen werden.

Petra Laux-Kruschinski und ihr Mann Michael sind zufrieden. Sie ist sich sicher, ihr Vater hätte sich gefreut über diese späte, posthume Begegnung. Was nach der jetzigen Ausstellung mit den Werken von Werner Luft geschieht, ist noch unklar. Der Nachlass wird von ihr verwaltet und behütet, aber sie ist auf der Suche nach weiteren Ausstellungsmöglichkeiten, „was nicht einfach ist bei verstorbenen Künstlern geringen Bekanntheitsgrades“.

Matthias Wiemer

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