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Lauenburg Urlaub in Palästina: Steine schleppen für den Frieden
Lokales Lauenburg Urlaub in Palästina: Steine schleppen für den Frieden
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20:10 06.08.2015
Blättern in Erinnerungen: Götz Salisch (74) und Ulla Redecker (70) aus Labenz haben in Palästina an einem Gartenprojekt teilgenommen. Zehn Tage Arbeit liegen hinter ihnen. Quelle: Schülermann
Labenz

Dass Götz Salisch (74) und Ulla Redecker (70) aus Labenz paradiesisch wohnen, wissen sie. Versteckt liegt ihr Reetdachhaus, rundum ist es grün. Dass das nicht selbstverständlich ist, haben sie vor kurzem erlebt, als sie in Palästina an einem sozialen Projekt teilnahmen — und dort zehn Tage lang auf viel verzichteten und viel erlebten.

„Dahers Weinberg“ liegt in Palästina und erhebt sich über das Land, 10 Kilometer von Bethlehem entfernt, 950 Meter über dem Meeresspiegel. Rundherum sind israelische Siedlungen und rücken immer näher. Sie sind in Sichtweite, sechs Stück, nur eine palästinensische Siedlung. Die Fronten zwischen Palästina und Israel sind seit langem verhärtet. Auf dem Weinberg ist ein Projekt beheimatet. Es heißt „Tent of Nations“ (Zelt der Völker) und hat ein Ziel: Jugendliche auf eine bessere Zukunft vorzubereiten und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Ihr Motto: Wir weigern uns, Feinde zu sein.

„Wir wollten mehr als einfach nur mitreden“, sagt Götz Salisch bei einer Tasse Kaffee, vor der Sonne geschützt im Garten hinter ihrem Haus. Und so entschloss er sich mit Ehefrau Ulla Redecker dazu, nach Palästina zu reisen — von Berlin nach Tel Aviv, von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bethlehem, die letzten Kilometer mit dem Auto. Sybille und Lutz Lenschow aus Wentorf A.S.

begleiteten sie. Der Weg auf den Berg war beschwerlich: Mit all ihrem Gepäck mussten sie Felsen überwinden, die das israelische Militär auf die Wege zum Camp von „Tent of Nations“ geschüttet hatte.

Es versuche, Daoud Nassar, dessen Familie der Berg gehört, zu enteignen. Mit dem Projekt wehre er sich dagegen. „Der Weinberg ist ein Ort des Friedens“, sagt Götz Salisch. Dass die israelischen Siedlungen immer näher heranwachsen, habe er aber als Bedrohung empfunden. Angst hätten sie aber nie haben müssen. Sie hätten sich gut aufgehoben gefühlt. Dennoch: Das Militär sei allgegenwärtig gewesen. Oft hätten sie gesehen, wie sich Soldaten hinter Büschen versteckten und sie beobachteten.

Mit im Gepäck hatten die ehemaligen Sozialarbeiter die Idee für ein eigenes Projekt auf dem Weinberg. Einen Erlebnisgarten wollten sie anlegen. „Kräuter und Pflanzen, die die Kinder dort kennen und eine Wippe, mit der man Wasser aus dem Boden pumpen kann“, erzählt Ulla Redecker. „Wir sind nicht unter einem politischen Aspekt dahin gefahren“, sagt ihr Mann. Und eigentlich, geben sie zu, hätten sie darüber auch nicht viel gewusst. „Wir wollten mit für ein friedliches Zusammenleben werben“, sagt Ulla Redecker. Um den Garten sollen sich zukünftig palästinensische Kinder kümmern. Ein Drittel des Erlebnisgartens ist bereits fertig.

Am Anfang war da nur ein Feld, dicht bewachsen und voller Steine. Sie schleppten, hackten und gruben um. Nach zehn Tagen war der Hang kaum mehr wieder zu erkennen, auf ihm kleine Mauern, feste Wege und Beete. Die Steine dazu stammen aus dem einzigen palästinensischen Dorf im Umkreis, Nahalin. Viel Arbeit, schlafen im Zelt und weder Fleisch, noch ein kühles Bier am Abend, erzählt Salisch. Von ihrer Unterbringung seien sie aber dennoch positiv überrascht gewesen — Komposttoilette und ein festes Haus zum Kochen, insgesamt sehr schlicht und provisorisch, denn jederzeit könnte es abgerissen werden.

Götz Salisch hat beeindruckt, „wie die Menschen trotz dieser Bedingungen miteinander leben und fröhlich sind“. „Wir wissen so wenig über das, was dort passiert — und das bei unserem Wohlstand“, sagt er und bedauert hinterher, in seinen Erzählungen nun doch etwas politisch geworden zu sein.

Ulla Redecker blickt heute — rund zwei Monate nach ihrer Reise — anders auf Probleme des Alltags. Entspannt erzählt sie von verschiedenen Qualitäten des Reets und Spinnen darin. Im September fliegen sie nach Ungarn und helfen dort in einem Roma-Projekt. Und mit den anderen Helfern haben sie abgemacht, die letzte Etappe ihres Erlebnisgartens auf dem Weinberg in Palästina selbst fertig zu bauen.

Labenz ist weit weg von den Auseinandersetzungen in Palästina. Beim Blättern durch den Bildband als Erinnerung können sie jedes Detail erklären und holen so den Weinberg, den „Ort des Friedens“, unter den Baum in ihrem Garten. Auch dort könnte es an diesem Sommertag kaum friedlicher sein.

Das „Zelt der Völker“
Ziel des Projektes ist, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen zu stärken und Verständigung sowie Versöhnung zu fördern. Unterstützt wird das Projekt vom Verein Heimstatt Tschernobyl in Bünde (Nordrhein-Westfalen).



Auf dem Weinberg gibt es ein Workcamp, in dem Einzelne einen Beitrag auf dem Hügel leisten können. Auch Volontäre sind dort beschäftig. Zudem finden Ausbildungs- und Landwirtschaftsprogramme statt. Mit ihnen soll Jugendlichen eine Ausbildung ermöglicht und Besuchern heimische Pflanzen näher gebracht werden.

Philip Schülermann

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