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Lauenburg Urteil: Altenpfleger misshandelte 94-Jährige
Lokales Lauenburg Urteil: Altenpfleger misshandelte 94-Jährige
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23:47 24.01.2017
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Schwarzenbek/Lauenburg

Grausames Beispiel für Gewalt in der Pflege: Ein Altenpfleger aus Hamburg wurde jetzt verurteilt, weil er eine 94-Jährige in einem Pflegeheim in Lauenburg erheblich misshandelt hat. Die an Demenz erkrankte Frau soll ihrer Tochter wenige Stunden nach der Tat weinend berichtet haben, wie ein Mann mit rotem Pullover ihr mit einer Haarbürste auf den Kopf geschlagen habe, ihr die Nase und den Finger verdreht und sie an den Haaren gezogen habe. Die mobil stark eingeschränkte Frau erlitt laut ärztlichem Gutachten Gesichtsprellungen und ein Hämatom am Finger. Sie soll den Pfleger in der Auseinandersetzung an der Nase gekratzt haben. Die Beweggründe bleiben jedoch unklar. Der heute 32-Jährige verweigerte weitgehend die Aussage. Das Gericht hat ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt.

„Es steht fest, dass der Angeklagte die Tat begangen hat“, sagte Richterin Insa Oppelland in der Urteilverkündung. Die Schilderungen einer Arbeitskollegin und der Tochter der Geschädigten im Zeugenstand lassen für die Richterin keinen Zweifel an seiner Schuld. Eine Kollegin hatte gegen 6.30 Uhr Schreie der 94-Jährigen aus dem Zimmer gehört, in dem der 32-Jährige gerade mit der Grundpflege der alten Dame begonnen hatte. Seine Kollegin hatte sich darauf in besagtes Zimmer begeben und sowohl den Altenpfleger mit Kratzern an der Nase als auch die Patientin mit Rötungen im Gesicht vorgefunden.

Ob sich eine Auseinandersetzung ergeben habe, weil die 94-Jährige noch müde gewesen sei, als der Pfleger in ihr Zimmer kam, bleibt ungeklärt. Die 69-jährige Tochter vermutet das und will den Pfleger nach der Tat gefragt haben, warum er sie so früh aus dem Bett geholt habe. Er schaffe seine Arbeit sonst nicht, soll er laut Tochter gesagt haben. Die Zeugin erklärte jedoch auch, dass ihre Mutter wegen der Demenz manchmal schwierig sei. Die alte Dame benehme sich oft wie ein „kleines Kind“. In den Armen habe sie aber noch immer Kraft, so die Tochter. Die 69-Jährige konnte den Altenpfleger im Gerichtssaal nicht zweifelsfrei identifizieren. Der junge Mann sehe ganz anders als damals aus.

Der 32-Jährige hatte in einer Zeugenvernehmung bei der Polizei erklärt, dass er zum Tatzeitpunkt in der Schicht einen roten Pullover getragen habe, erklärte die Richterin. Außerdem habe er gegenüber Polizisten sinngemäß gesagt: „Sie hat mich doch auch gekratzt.“ Das wertete die Richterin als Geständnis dafür, dass er tatsächlich in die Auseinandersetzung verwickelt gewesen sei. „Die Angaben der Tochter sind glaubwürdig“, so Oppelland. Der Verurteilte ist wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrens ohne Führerschein vorbestraft. Straferschwerend wirkte sich auch aus, dass es nicht nur einen Schlag, sondern mehrerer Attacken auf die Seniorin gegeben habe und dass er mit Schutzbefohlenen arbeite.

Oppelland folgte im Urteil mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 30 Euro der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, weil sich die Tochter in Widersprüche verstrickt habe, die Aussagen einer demenzkranken, sprachlich eingeschränkten Frau zweifelhaft seien und niemand ihren Mandanten bei einer Tat beobachtet habe.

Das Strafmaß

Körperverletzung wird in Paragraph 123 des Strafgesetzbuches geregelt. Wer eine andere Person danach körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

In diesem Prozess entprach die Geldstrafe von 2400 Euro 80 Tagen Freiheitsstrafe. Der von der Richterin ermittelte Satz von 30 Euro pro Tag ergibt sich aus dem monatlichen Verdienst des Angeklagten.

Straferschwerend kam in diesem Fall hinzu, dass ein Mensch verletzt wurde, der sich in der pflegerischen Obhut des Angeklagten befand.

fg

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