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Lauenburg VHS stehen vor Alphabetisierung 2.0
Lokales Lauenburg VHS stehen vor Alphabetisierung 2.0
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20:08 03.02.2018
Ratzeburg

Computer, Laptop, Handy, Smartphone, Navi, Facebook, Whatsapp oder Skypen – Begriffe, die heutzutage nicht nur den Sprachgebrauch beherrschen, sondern auch den digitalen Wandel in der Gesellschaft beschreiben. Man könnte in die Arktis auswandern, um zu versuchen, diesem Prozess zu entfliehen. Doch könnte man dort in Überlebensfragen auf die Hilfe dieser übertechnischen Geräte verzichten?

Ganz so schlimm ist es in unseren Breitengraden natürlich nicht. Aber dennoch kann sich heutzutage kaum jemand erlauben, mit der neuen digitalen Kommunikationstechnik zu fremdeln. Den ganz jungen Mitgliedern der Digital Society (digitalen Gesellschaft) fällt das leicht und geradezu in die Wiege. Schwerer tun sich damit ältere Semester. Oder?

Florin Feldmann, stellvertretende Direktorin des Landesverbandes der Volkshochschulen in Kiel, verneint das: „Es heißt ja immer, die ,digital Natives’ wären da schon angekommen. Aber eigentlich ist der große Unterschied, dass die keine Hemmungen haben, auch mal auf den falschen Knopf zu drücken und mehr auszuprobieren“. Das hieße aber nicht, dass jüngere Nutzer kompetenter seien.

Diesbezüglich sehen die Volkshochschulen auch hier eine mögliche Zielgruppe, obwohl die Priorität in der Erwachsenenbildung liegt. „Ältere sind einfacher zu erreichen, weil sie mehr Zeit haben“, so Feldmann.

Die Anmeldezahlen in den letzten Jahren sprächen eine klare Sprache. „Es kommt immer auf den Standort und das Angebot und die einzelnen Kurse an. Was sehr gut läuft, waren früher die Computer- und heute die Tabletkurse – wie schaffe ich es, die Bilder von meinen Enkelkindern auf Skype anzugucken?“

Das seien typische Anknüpfungspunkte, so Florin Feldmann. „Die haben mal was gehört und würden gerne eintauchen, merken, dass es kein Hexenwerk ist, und trauen sich dann auch ran“.

Der große Unterschied zwischen den Generationen sei, dass die heutige einfach ausprobiere und die ältere Hemmungen habe. Die ersten Rechner waren in den 1980er und 90ern einfach wertvoll, da durfte man nichts kaputt machen. Florin Feldmann (40): „Früher durfte ich kein Glas Wasser neben den Rechner stellen, weil das so was Hochwertiges war. Und heute benutze ich mein Smartphone übertrieben ausgedrückt, um meine Bierflasche aufzumachen.“

Aber was die Geräte heute könnten und wie sie in den Alltag eingebunden seien, „das wirkt sich darauf aus, wie die Leute lernen, damit umzugehen“, der Respekt vor den Geräten bei älteren Leuten hemme sie, diese auszuprobieren.

Entsprechend sollten die Volkshochschulen Kurse anbieten, die grundsätzlich den Menschen die Scheu vor den Geräten und der Handhabung der digitalen Technik nehmen. „Was wir alle können sollten, das kann man nicht in einem Kurs lernen. Eher so, wie ich beim Führerschein lerne, was Erste Hilfe ist und wie ich Unfälle vermeide. Man sollte die digitalen Geräte auch nicht unkritisch benutzen“, so Feldmann.

Vor allem was das Wissen um Data-Tracking betreffe. Dass nämlich jeder Nutzer digitale Spuren im Netz hinterlasse, die auf ihn entsprechende Rückschlüsse zuließen. Feldmann: „Die ganze Zeit werden Daten gesammelt. Selbst wenn ich die Standortangabe weglasse, übermittelt mein Handy permanent, wo ich bin. Dadurch entstehen Meta-Daten, die ausgewertet werden können.“ Ziel der VHS-Kurse sei es dann, dass sich „die Teilnehmer dessen bewusst sind und entsprechend kritisch damit umgehen und beobachten“.

Auf jeden Fall kommt den Volkshochschulen nach Meinung von Florin Feldmann eine große Rolle und ein großer Einfluss bezüglich der Digitalisierung der Gesellschaft zu. „Der Einfluss der VHS ist groß, weil es im Moment niemand anderen gibt, der das flächendeckend anbietet. Bei konkreten Fragen kann man sich an die Verbraucherzentrale wenden, aber eine ,digital literacy’, eine digitale Alphabetisierung, wird ansonsten nicht angeboten. Als VHS sind wir vor Ort, der Weg ist sehr nah. Und wir haben einen wahnsinnigen Vertrauensbonus, weil die Leute wissen, dass was wir machen, seriös ist.“

Neue Kurse in Sandesneben und Ratzeburg

Auch im diesjährigen Frühjahrssemester kann Herbert Hoffmann, Leiter der VHS Sandesneben-Nusse, mit attraktiven Kursen dienen. Im Angebot sind etwa in Nusse Pilates, Power Aerobic, Qi-Gong, mit Schwung ins neue Jahr, Weidenflechten für den Garten sowie die Tagesseminare Coaching Methode „The Work“ nach Byron Katie und das Bierbrauseminar. In Sandesneben sind es „Smovey“, Gartengestaltung, ein Imkerkurs, Pilates, Power Aerobic, Coaching-Methode, Keyboardkurs, ein Tee-Seminar sowie die Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch. Alle Termine und Infos sind im Programmheft oder im Internet unter www.vhs-sandesneben.de nachzulesen. VHS-Leiter Herbert Hoffmann bittet um frühzeitige Anmeldungen telefonisch unter 04536/808262.

Auch in Ratzeburg hat das neue Semester begonnen. Das breite Angebot umfasst rund 100 Kurse mit 35 Dozenten – darunter einige Muttersprachler in diversen Sprachen.

Diese bilden wieder einen festen Schwerpunkt in englisch, französisch, italienisch, spanisch und deutsch. Im Kreativbereich werden neben verschiedenen Mal- und Zeichentechniken auch Unterweisungen in Patchwork oder im Erstellen von Goldschmuck erteilt. Sehr groß ist auch das Angebot im Gesundheitsbereich (von autogenem Training über Seh- und Gedächtnistraining bis zu Hatha Yoga, Tai Chi, Pilates und Zumba. Einige Kurse sind speziell für Senioren gedacht: verschiedene Themen im Computerbereich und - in den Räumen des Seniorenwohnsitzes - Veranstaltungen zu Geschichte, Sprache, Kunst und Musik. Das gesamte Angebot ist online im Netz unter www.vhs-ratzeburg.de oder im Programmheft (in der Bücherei, Buchhandlung Weber und im Rathaus).

Phones, Pads & PC

Die Volkshochschulen im Kreis Herzogtum Lauenburg haben sich gut aufgestellt, um dem digitalen Wandel zu begegnen. So gibt es Kurse zum Thema Kommunikation und Kommunikationstraining mit Smartphone, iPhone und iPad, eine „Computersprechstunde“, Computereinführungs- und -aufbaukurse (allgemein und speziell) sowie das Erstellen eigener Webseiten.

Die Nachfragen, so Kreis-VHS-Chef Holger Martens, seien zwar an einigen Standorten noch etwas schleppend, aber man wappne sich vor allem auf Dozentenseite, um sich auf die zu erwartende Nachfrage einzustellen.

Weitere Infos: www.vhs-herzogtumlauenburg.de

 Joachim Strunk

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