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Lauenburg Vater und Sohn wollen mit 1000-PS-Monster auf’s Treppchen
Lokales Lauenburg Vater und Sohn wollen mit 1000-PS-Monster auf’s Treppchen
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21:17 27.05.2016

Viel erinnert nicht mehr an eine Landmaschine: Hinten große Reifen mit grobem Profil, vorne kleinere. Oben sitzt der Fahrer, vor ihm der Motor.

An der Form ist noch zu erkennen, dass es sich um einen Traktor handelt. Thilo und Jan Zange aus Lüchow bauen einen Trecker mit mehr als 1000 PS. Ihr Ziel: die Deutsche Meisterschaft in der Supersport-Klasse im Tractor-Pulling.

In der Garage riecht es nach Öl, an den Wänden hängt Werkzeug, Bauteile stehen herum. Und in der Mitte steht ein zerlegter Trecker. Schaut man genau hin, sieht man, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen handelt. Überrollkäfig, Schalensitz, ein Lenkrad wie im Rennwagen. Genau das soll er mal werden – ein Trecker, der Wettkämpfe gewinnt. Mit ihm wollen Thilo Zange (49) und sein Sohn Jan (23) in der 3,6 Tonnen-Supersportklasse im Tractor-Pulling an den Start gehen. Bis dahin ist noch viel zu tun, denn das Allermeiste an dem Kraftprotz ist Eigenbau und Handarbeit. Ihr Vorbild ist „Simply Green“, ein John Deere aus den Niederlanden. „Der läuft wie ein Uhrwerk“, sagt Thilo Zange.

Thilo Zange ist Tischlermeister, hat einen eigenen Betrieb im Nachbardorf. Jan ist Metallbauer im Fahrzeugbau. Er besucht zurzeit die Meisterschule. Fast ihre gesamte Freizeit opfern sie für ihren Trecker, der einst einen martialischen Namen tragen wird. Den aber verraten die Zanges nicht. Noch nicht.

So ein Geschoss zu bauen, ist das eine; es zu beherrschen, das andere. „Gelenkt wird, wenn die Vorderräder etwa zehn Zentimeter in der Luft sind“, erklärt Thilo Zange. Gelenkt wird dann mit den Bremsen – je eine pro Hinterrad. Der Fahrer braucht viel Gefühl für die Kupplung: Lässt er sie zu schnell kommen, heben die Vorderräder zu schnell ab. „ZA/TRA Pulling Team“ heißt ihr Rennstall, mit dem sie an 13 Rennen pro Jahr teilnehmen. Dazu haben sie noch „Wotan“, einen Kirowez K-700A, oder auch „Kasimir“ genannt. Zuvor hatten sie noch einen John Deere, aber den haben sie verkauft – zu wenig Leistung.

„Der Motorsport hatte für mich schon immer einen Reiz“, sagt Jan Zange. Gerade hat er den Turbolader vom Dachboden geholt. Er sagt aber auch, dass ihn das Schrauben mehr reize. „Ich könnte auch zugucken und mich daran erfreuen.“ Er wird sich mit seinem Vater auf dem neuen Trecker abwechseln. „Das ist ein Kick. Da flackert ganz schön die Mütze“, sagt Thilo Zange. „Erwachsene werden zu Kleinkindern“, sagt sein Sohn lachend.

Mit ein paar Schrauben befestigt das Vater-Sohn-Gespann den Turbolader auf dem Motorblock. Es ist ein Dummy, am Original wird noch gearbeitet. Zum Anpassen der Bauteile reicht er. Rohre, durch die Luft strömen wird, müssen angepasst werden. Anhalten, anzeichnen, abflexen, festschweißen. Ihr Wissen haben sie sich angeeignet, handwerkliches Geschick bringen beide berufsbedingt mit. „Ich bin Jans Lehrling“, sagt Vater Thilo. Denn Jan ist vom Fach. „Wir arbeiten auf Augenhöhe“, so Jan. Das Wichtigste: „Wir können uns 100-prozentig auf einander verlassen.“

Außer dem Motorgehäuse und dem Antriebsstrang wird an dem Trecker alles umgebaut. Dafür schrauben Vater und Sohn manchmal bis tief in die Nacht. 170 PS hatte der Motor mal, mehr als 1000 soll er kriegen. Der Ladeluftkühler ist schon zu sehen. „Der bringt ordentlich Leistung“, sagt Thilo. Das Innenleben des Motors wird komplett verändert. Kolben, Zylinder, Nockenwelle: Alles muss optimiert werden, damit sie die 17 Tonnen Gewicht über den Acker ziehen können – mit mehr als 50 km/h. Im Herbst soll der Motor das erste Mal drehen. Macht einen so ein Werk stolz? „Und wie!“, sagt Zange senior. Einen „guten fünfstelligen Betrag“ werden die zwei Schrauber am Ende ausgegeben haben und hunderte Stunden in ihrer Werkstatt verbracht haben. „Das ist eben ein extremes Hobby“, sagt Thilo. Ihm ist neben der Technik auch wichtig, dass der Trecker am Ende gut aussieht. „Für die Zuschauer – und für uns natürlich.“

2017 wollen sie an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen. Und sie rechnen sich Chancen aus, sie zu gewinnen. Auf den Rennen treffen sie Freunde, tauschen Tipps aus. „Manchmal diskutieren wir ganze Trecker durch“, erzählt Thilo Zange. Auf der Strecke seien sie Konkurrenten, „aber hinter dem Zaun Freunde“. Thilo und Jan Zange wollen den Sport in Deutschland populärer machen. In Holland sei er viel bekannter.

Bis zum nächsten Jahr wird aus dem Chassis mehr und mehr ein Traktor. Teil um Teil wird er zu einem 1000-PS-Monster werden. Schwarz wird er werden, aber wie er heißen wird, sagen die Beiden auch weiterhin nicht – erst, wenn er offiziell vorgestellt wird.

Philip Schülermann

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