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Vattenfall informiert über den Rückbau seines Atomkraftwerks

Geesthacht Vattenfall informiert über den Rückbau seines Atomkraftwerks

Zuhörer zeigen sich der „Perspektive Krümmel“ misstrauisch gegenüber — Für Demontage sind 18 Jahre veranschlagt.

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Für den Atommüll, hier in Castorbehältern, muss ein weiteres Lager geschaffen werden.

Quelle: Fotos: Tja

Geesthacht. Massives Misstrauen des Auditoriums hat die erste Gesprächsrunde „Perspektive Krümmel“ geprägt: Anlass ist die Formulierung des Energiekonzerns Vattenfall im Antrag auf Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel, sich die Inanspruchnahme einer etwaigen Genehmigung vorzubehalten.

„Das frustriert mich hier zutiefst“, sagte Anja Koops, die für die Elterninitiative Geesthacht auch in der nicht öffentlich tagenden Dialoggruppe mitmacht. In der Dialoggruppe habe man ganz andere Dinge gehört als in der öffentlichen Gesprächsrunde im Treffpunkt Oberstadt, meinte sie.

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Für den Atommüll, hier in Castorbehältern, muss ein weiteres Lager geschaffen werden.

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Mit „Perspektive Krümmel“ will Vattenfall die Öffentlichkeit in Sachen Rückbau mit ins Boot holen. Torsten Fricke, Kraftwerksleiter, Ingo Neuhaus, technischer Geschäftsführer von Vattenfall, und Jan Backmann, Leiter der Atomaufsicht des Landes, informierten die etwa 150 Interessierten über den Stand des Verfahrens. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte Backmann. Am 24. August 2015 hatte Vattenfall — durchaus überraschend — den Rückbau beantragt.

2011 hatte die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Fukushima Krümmel und sieben anderen deutschen Kernkraftwerken die Betriebserlaubnis entzogen. Wegen diverser Pannen stand Krümmel aber schon seit 2007 still.

Vattenfall klagt vor einem Washingtoner Schiedsgericht auf Ausgleich der durch die Stilllegung erfolgten finanziellen Verluste durch den Bund. Kritiker mutmaßen deshalb, Vattenfall wolle sich mit der Formulierung im Rückbauantrag ein Wiederanfahren des Atommeilers offen halten, sollte die Klage erfolglos bleiben. Vattenfall dementiert das. Ohne umfangreiche Arbeiten wäre eine Inbetriebnahme von Krümmel allerdings auch gar nicht mehr möglich. Fricke schätzte, dass die Arbeiten mindestens ein Jahr dauern würden. Mangels Genehmigung darf zurzeit aber sowieso gar nichts zurückgebaut werden — selbst wenn man wollte.

Neuhaus erklärte, dass man in zwei Phasen zurückbauen möchte. „Zuerst soll möglichst viel strahlendes Material aus der Anlage geholt werden“, sagte er. Er machte keinen Hehl aus der Formulierung im Rückbauantrag, weil man eben mit offenen Karten spiele, so Neuhaus. Dennoch gab es dafür Kritik. Der Geschäftsführer kündigte an, dass man in Krümmel auch noch zusätzlichen Lagerplatz für Atommüll schaffen müsse, weil es keine Endlagerstätte gibt. Er geht davon aus, spätestens in vier Jahren die Genehmigung der Atomaufsicht zu bekommen. Dann würde es zehn bis 15 Jahre dauern, innen alles zu demontieren, ehe für etwa drei Jahre der konventionelle Abriss den Schlusspunkt setzen wird.

Backmann erklärte, dass es neben einer Umweltverträglichkeitsuntersuchung auch einen Sicherheitsbericht geben wird. „In einer Umweltverträglichkeitsprüfung werden alle Einflüsse auf die Natur berücksichtigt, im Sicherheitsbericht wird man alle möglichen Auswirkungen des Rückbaus einsehen können“, kündigte Backmann an.

Seine Behörde kümmert sich auch um die schon früher eingereichten Rückbauanträge des Kernkraftwerkes Brunsbüttel und des Geesthachter Forschungsreaktors. „Die Stilllegung von Kernkraftwerken ist nicht neu, viele Verfahren sind erprobt und geübte Praxis“, erklärte Backmann. Er berichtete außerdem, dass das Land dabei unterstützen werde, geeignete Deponien für den normalen Abfall zu finden, dem oft der Makel Kernkraftwerk anhafte. „Ein stockender Abfallfluss könnte den gesamten Atomausstieg zum Erliegen bringen“, warnte er. Schon der Strahlenmüll hat nach wie vor kein Endlager, da müsse wenigstens normaler Bauschutt auf Deponien entsorgt werden können.

Kritik an Vattenfall gab es während des Treffens auch, weil in der Dialoggruppe bisher keine Anwohner aus dem Ortsteil Krümmel eingebunden sind. Das soll jetzt geändert werden, sagten Vertreter des Energiekonzerns zu. Vorerst wird diese nicht öffentliche Runde weitere Themen bearbeiten, ehe dann wieder im großen Stil öffentlich berichtet werden soll.

Wo kommt was hin?
550 000 Tonnen Abfall werden beim Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel voraussichtlich anfallen. Schwach- und mittelradioaktiver Müll soll im niedersächsischen Schacht Konrad gelagert werden, für die Brennelemente gibt es noch kein Endlager. Normaler Bauschutt soll auf entsprechende Deponien gebracht werden.

Timo Jann

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