Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Vattenfall macht den Reaktor sauber und bereitet Rückbau vor
Lokales Lauenburg Vattenfall macht den Reaktor sauber und bereitet Rückbau vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 08.04.2016
Die Montageöffnung im oberen Ringraum des Sicherheitsbehälters ist einer der Zugänge zum Herzstück der Anlage, dem Reaktordruckbehälter. Das Material im Druckbehälter wird derzeit dekontaminiert. Quelle: Marks/dpa

So richtig zugeben will es Vattenfall noch nicht, aber am stillgelegten Kernkraftwerk Krümmel haben die Vorbereitungen für den Rückbau offenbar begonnen. Eine Spezialfirma ist dabei, Teile des Reaktordruckbehälters zu dekontaminieren. Offiziell soll so die radioaktive Belastung des arbeitenden Personals reduziert werden — und letztlich auch das radioaktive Abfallvolumen. Einen Zusammenhang mit dem geplanten Rückbau weist Vattenfall, auch mit Verweis auf eine rechtliche Bedeutung, zurück.

Zur Galerie
Spezialfirma dekontaminiert in Krümmel im Drei-Schicht-Betrieb — Gesäuberte Teile werden nicht erneut verstrahlt — Offiziell kein Zusammenhang mit Abrissantrag.

Klar ist aber: Was jetzt einmal gereinigt ist, wird im für Krümmel zutreffenden Stillstandsbetrieb des Reaktors nicht erneut verstrahlt. „Bei den Arbeiten handelt es sich um Vorgänge, die üblicherweise nur in stillgelegten Kraftwerken durchgeführt werden“, sagt Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger. Für die Geesthachter Bundestagsabgeordnete Nina Scheer (SPD) hingegen sind die Arbeiten klar im Kontext des Rückbaus zu sehen. „Diese Dekontaminierung ist eine Maßnahme, um den Rückbau überhaupt mit weniger Gefahr zu bewerkstelligen“, sagt Scheer. Je stärker man das Material von einer radioaktiven Belastung befreien könne, desto einfacher sei später der Rückbau selbst. Wichtig sei auch, dass diese Arbeiten unter Begleitung der Kieler Atomaufsicht stattfänden.

Beauftragt mit der auf vier bis sechs Wochen angesetzten sogenannten Full-System-Decontamination (FSD) ist die Erlangener Firma Areva. Mit hochwirksamen Chemikalien, die in einem geschlossenen Kreislauf innerhalb der Rohrleitungen und Behälter die Oberflächenkontamination lösen und über den Spülvorgang auf Filterharzen sammeln, würden dabei nach Angaben von Vattenfall die Teile im Innersten des Reaktors gereinigt. „Die Filterharze werden später konditioniert und der Endlagerung zugeführt“, heißt es. Die FSD sei ein Standardverfahren zur Dekontamination, das sich in zahlreichen Druck- und Siedewasserreaktoren weltweit bewährt habe und in Deutschland bereits in den Kraftwerken Isar 1, Stade und Obrigheim angewandt worden sei, so Vattenfall.

„Damit wird auch das Problem offenbar, dass wir noch kein Endlager haben“, sagt Politikerin Scheer. „Wir müssen uns ehrlich machen, dass dieses Endlager gebraucht wird.“

Konstantin von Notz (Grüne) befürwortet die Arbeiten ebenfalls. „Jeder Schritt, der in Richtung Rückbau geht, ist zu begrüßen“, sagt von Notz. Mit der nun begonnenen Dekontaminierung des Reaktordruckbehälters sei zu hoffen, „dass Vattenfall verstanden hat, dass die Atomenergie keine Zukunft hat“, so von Notz. Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze sichert die Unterstützung der Stadt zu: „Ich freue mich, wenn Vattenfall jetzt den Rückbau vorbereitet. Wir als Stadt werden das konstruktiv begleiten.“

Vattenfall drückt bei den Arbeiten aufs Tempo. Im Drei-Schicht- Betrieb seien die Areva-Mitarbeiter während der Säuberungsaktion im Einsatz. Letztlich steht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch für andere Reaktoren in Deutschland der Rückbau an.

Bauarbeiten am Kernkraftwerk Krümmel

Die Sanierungsarbeiten am Dach der „heißen Werkstatt“ und Lagers für schwach radioaktive Stoffe haben jetzt auch im Außenbereich begonnen. Nachdem am statisch nicht ausreichend dimensionierten und nachträglich durch Beton und Kies ohne Genehmigung belasteten Dach Schäden aufgetreten waren, hatte Vattenfall die Teilsanierung des stillgelegten Kraftwerkes angekündigt. Nachdem das Dach innen zunächst durch Querträger zusätzlich gestützt wurde, wird jetzt erst außen ein neues Dach aufgebaut. Anschließend soll das innenliegende Dach saniert werden.

Weitere Baumaßnahmen finden derzeit auf dem Gelände des Kraftwerkes statt. So wird die Konstruktion des Standort-Zwischenlagers durch „Härtungsmaßnahmen“ verstärkt. Außerdem werden eine Spundwand gesetzt und Gewässerschutzmaßnahmen durchgeführt.

Von Holger Marohn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Franz Scharnweber aus Sterley ist Gesamtsieger des Börsenspiels „Tradity“ - 282 Jugendliche nahmen teil.

09.04.2016

In der örtlichen Sporthalle hängt jetzt ein Wiederbelebungsgerät für Notfälle.

08.04.2016

Vier Leichtverletzte und ein Schaden von 8000 Euro sind die Bilanz eines Unfalls an der Berliner Straße in Höhe Trift. In den vergangenen Monaten hat es dort immer wieder gekracht, weil Autofahrer unaufmerksam aus der Seitenstraße auf die vierspurige Bundesstraße abbiegen wollten.

08.04.2016
Anzeige