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Verbogene Gabeln aus dem historischen Speicher

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – Haus Elbstraße 103 in Lauenburg Verbogene Gabeln aus dem historischen Speicher

Wo früher das Lager einer Brauerei war, stellen heute zwei Künstler höchst Originelles her.

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Künstlerin Dodo Mayer-Gevert erhitzt in ihrem Haus an der Elbstraße Gabeln und Löffel. Daraus werden dann skurrile Kunstwerke.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Lauenburg. Eine Frage vorweg: Ist dies überhaupt ein eigenes Haus? Die Antwort lautet: Ja, größtenteils jedenfalls. Nur der Dachstuhl war lange mit dem Nachbarhaus an der Elbstraße in Lauenburg verbunden. Das musste so sein, weil das Haus Nummer 103 einst als Lager für das Haus Nummer 105 erbaut wurde, und in dem wiederum befand sich eine Brauerei.

LN-Bild

Wo früher das Lager einer Brauerei war, stellen heute zwei Künstler höchst Originelles her.

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Sie gehörte einem Mann namens Frantz Bartelß und sein Bier, direkt am Fluss gebraut, war sehr beliebt. Also brauchte Bartelß einen Speicher, den er anno 1693 neben dem Haus Nummer 105 errichten ließ

– mit einer starken Winde im Giebel, um die Braugerste und den Hopfen auf die einzelnen Stockwerke heraufzuziehen.

In den mehr als 300 Jahren, die seitdem vergangen sind, wurde das charakteristische Gebäude immer mal wieder umgebaut und verändert, innen wie außen. 1806 kam es in den Besitz des Kaufmanns und Bürgermeisters Jacob Heinrich Graack, der hier eine Gewürzhandlung einrichtete. Graack war „der Nachbar von der anderen Seite“, er wohnte an der Elbstraße 101.

Später zog hier ein Uhrmacher ein, 1954 dann eine Papierwarenhandlung samt Kiosk. Schön war der Speicher damals nicht, wie alte Fotos ausweisen. „In den 80er Jahren war dieses Haus fast eine Ruine“, erzählt Dodo Mayer-Gevert, die heute mit ihrem Mann Olli in dem Gebäude lebt und arbeitet, „doch der damalige Besitzer, von dem wir es 1996 erworben haben, hat es völlig entkernt und saniert“. Das kann man nachträglich nur als Glücksfall bezeichnen, denn jetzt zählt die Nummer 103 zu den echten Schmuckstücken in der Lauenburg Altstadt.

Das Haus mit seinen drei Stockwerken ist nicht nur ein Schmuckstück, es ist auch voller Schmuckstücke. Die Mayer-Geverts betreiben hier nämlich eine Werkstattgalerie, nennen sich „Die Kunststücker“

und zeigen und verkaufen im Erdgeschoss allerlei Skurriles und Originelles – ausnahmslos handgemachte Einzelstücke. „Handelsware gibt es bei uns nicht“, sagt Dodo Mayer-Gevert, freischaffende Künstlerin. Ihr Mann ist gelernter Goldschmied und Tischler. Da liegt es nahe, dass bei den „Kunststückern“ Kunst aus Metall und Holz im Mittelpunkt steht. Und da wiederum fallen besonders zu Kerzenleuchtern umgebogene Silberlöffel und lange, dünne Skulpturen auf, die einmal Gabeln waren und unter großer Hitze verformt wurden.

„Bei uns entstehen Plastiken, Schmuck, Garten- und Lichtobjekte aus Bestecksilber“, erläutert Dodo Mayer-Gevert. Man biete „ein Wechselspiel aus Kunst und Handwerk, oft in Begleitung von Stahl, Stein und Holz“.

In dem Haus an der Elbstraße 103 hat schon so mancher Kunde vergessene Schätze aus der Besteckschublade abgegeben und in völlig neuer Form wiedergesehen. Im Winterhalbjahr ist die Werkstattgalerie allerdings nur freitags, sonnabends und sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr für jedermann geöffnet.

Wer in Lauenburgs wohl schönster Straße wohnt, der hat nah am Wasser gebaut, was immer wieder Probleme mit sich bringt: Führt die Elbe Hochwasser, laufen viele Häuser voll. Die Hausnummer 103 jedoch liegt etwas erhöht, das alte Gemäuer bleibt auch trocken, wenn der Fluss über die Ufer tritt. So können sich die Bewohner selbst dann beruhigt ihrer Gabel-Kunst widmen.

Kunst in allen Ecken

Die Kunststücker beteiligen sich auch in diesem Jahr in Lauenburg an der mittlerweile weit über die Stadt hinaus bekannten Veranstaltung „Altstadt Art“. Sie findet am 15. Juli von 14 bis 19 Uhr und am 16. Juli von 11 bis 18 Uhr in der Elbstraße statt. Hier kann jeder Kunst in den historischen Häusern und Gärten entdecken. Alle Geschäfte, Werkstätten, Cafés und Gaststätten der Straße haben an diesem Wochenende geöffnet. Die Ausstellungshäuser sind durch die bunten Aufsteller mit dem Text „Kunst & Genuss am Fluss“ zu erkennen.

Norbert Dreessen

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