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Lauenburg „Verdummung“: Schulrätin sieht Beruf verunglimpft
Lokales Lauenburg „Verdummung“: Schulrätin sieht Beruf verunglimpft
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16:04 14.02.2018
Schulrätin Katrin Thomas.
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Ratzeburg

Sein Beitrag sei „in einer demokratischen, öffentlichen Auseinandersetzung zum Thema ,Unsachliche Kritik an den Bauern‘ sicher ein wichtiger Beitrag“ für die Zunft der Landwirte, sagt Thomas. „Das gibt Ihnen jedoch nicht das Recht, eine andere Zunft, nämlich die der Lehrerinnen und Lehrer in unserem Landkreis, zu verunglimpfen.“

 

„Das grenzt an Hetze.Johannes Langhans Landwirt

„Woher auch immer Sie Ihre Kenntnis nehmen, ich bin empört darüber, wie leicht es Ihnen fällt, öffentlich einen gesamten Berufsstand als Mitwirkende einer ,Volksverdummung‘ zu beschimpfen“, sagt die Ratzeburger Schulrätin und kann ihren Zorn kaum bändigen. Zumal Langhans nicht irgendeinen Berufsstand anspreche, sondern „Lehrerinnen und Lehrer, die nicht nur einem umfassenden staatlichen Bildungsauftrag nachgehen, sondern in unseren Schulen täglich Kinder und Jugendliche dabei begleiten und unterstützen, zu verantwortlichen Bürgerinnen und Bürgern heranzuwachsen, die unsere Zukunft gestalten sollen“. Dieser Beruf werde mit viel Hingabe gelebt, und dazu brauche es „den gebührenden Rückhalt in der Gesellschaft und nicht eine kollektive Diffamierung“.

Des weiteren zitiert Katrin Thomas den Paragraphen 4 des Schulgesetzes, in dem die pädagogischen Ziele aufgezählt sind: „Die Schule soll Kenntnisse gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und historischer Zusammenhänge vermitteln, Verständnis für Natur und Umwelt schaffen und die Bereitschaft wecken, an der Erhaltung der Lebensgrundlagen von Pflanzen, Tieren und Menschen mitzuwirken.“

Thomas erkennt keinen Sinn in der gegenseitigen Verunglimpfung von Berufsständen. Gespräche mit- und untereinander würden bei der Lösung von Missverständnissen und Problemen mehr bewirken, als pauschale Verurteilungen. Zumal Langhans selbst die Problematik der heutigen innergesellschaftlichen Kommunikation angesprochen habe, indem die Digitalisierung über so genannte soziale Netzwerke ein anonymisiertes Denunziantentum fördere.

Der Behlendorfer Landwirt konkretisiert auf Nachfrage seine Vorwürfe. Vielfach gebe es in Lehrbüchern „derartige Verzerrungen“, die mit der Wirklichkeit kaum übereinstimmten. Etwa bei der Behauptung, nur „bio“ sei gut, „konventionell“ eher schlecht. Das gehe seiner Meinung nach schon in Richtung Indoktrination.

Und auch mit Lehrern seiner Kinder habe er die Erfahrung gemacht, dass diese keine Kenntnisse über einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb, ihr Wissen nur über (Fach-)Literatur oder Filme bezogen hatten. Diese Kenntnisse seien zum Teil „frei interpretiert“ oder „aufgeschnappt“ gewesen.

Das lässt Schulrätin Thomas nicht gelten: „An den Schulen gilt das Neutralitätsgebot!“

Das wiederum zweifelt Langhans an. „Eine Lehrerin stellte sich auf den Standpunkt: Nur Biolandwirtschaft ist gut“. Eine solche einseitige Sichtweise grenze schon an Hetze gegenüber konventionellen Landwirten. Wenn diese Lehrkraft einen Film über das „Schweinehochhaus“ in Magdeburg, zu DDR-Zeiten entstanden, zeige, dann sei das ein Einzelfall, „ein Zehntel Promille der gesamten Tierhalterschaft“, der keinerlei Rückschlüsse zulasse.

Er ärgere sich auch darüber, dass bislang sein Angebot einer kurzen Informationsveranstaltung für Lehrer bislang immer abgelehnt wurde. Vielleicht ändert sich das bald. Katrin Thomas steht nämlich „als Ansprechpartnerin für ihre Sichtweise gerne zur Verfügung“.

 Von Joachim Strunk

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