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Vernünftige Endlagerlösung gefordert

Geesthacht Vernünftige Endlagerlösung gefordert

Der Energiekonzern Vattenfall hat den Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager in Geesthacht beantragt. Für strahlende Bauteile, die beim Rückbau des Atommeilers anfallen. Das Lager den Namen LasmAaZ bekommen.

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50 Kubikmeter Atommüll aus ganz Norddeutschland lagern in Krümmel. Nun will der Energiekonzern Vattenfall das Lager noch erweitern. FOTOS (3): TIMO JANN

Geesthacht. Der Reaktor des ersten Atomschiffes „Otto Hahn“, die Überreste des Forschungsreaktors des Helmholtz-Zentrums, die Brennelemente aus dem Betrieb des Kernkraftwerkes Krümmel, strahlender Abfall aus Arztpraxen und Laboren – Geesthacht ist wie kein anderer Ort in Norddeutschland mit Atommüll belastet. Und jetzt hat Vattenfall auch noch diesen Bau beantragt. „Ich fürchte, wir werden noch Jahrzehnte auf diesem Müll sitzen, weil die Endlagerung in keiner Weise geklärt ist“, sagt CDU- Fraktionschef Sven Minge besorgt.

LN-Bild

Der Energiekonzern Vattenfall hat den Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager in Geesthacht beantragt. Für strahlende Bauteile, die beim Rückbau des Atommeilers anfallen. Das Lager den Namen LasmAaZ bekommen.

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Die Brennelemente aus dem Kernkraftwerk sollten ursprünglich in Gorleben in Castor-Behältern in einem Salzstock eingelagert werden. Doch diese Pläne sind vom Tisch, die Suche nach einem Endlager hat neu begonnen. Auch Flächen in Schleswig-Holstein werden jetzt auf ihre Eignung hin untersucht. Einer der Salzstöcke befindet sich ganz nahe bei Krümmel, wo das Zwischenlager bis 2046 genehmigt ist:

bei Lütau. Andere geeignete Lagerstätten werden bei Siek im Kreis Stormarn oder bei Lägerdorf im Kreis Steinburg vermutet. Minge: „In Schweden ist man an die Sache ganz anders herangegangen. Dort konnten sich Gemeinden um das Endlager bewerben und das Interesse war groß.“

So haben Sie Krümmel noch nie gesehen: Die Bildergalerie zeigt, wie das Atomkraftwerk gebaut wurde. Da es heute nicht mehr aktiv ist, sind nun auch ganz neue Perspektiven zu entdecken.

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„Kein Bundesland darf sich wegducken“: Das sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) bereits zur Endlagersuche. „Es ist die Aufgabe unserer politischen Generation, ein Endlager zu finden.“ Bis 2031 soll der Standort gefunden sein. Ausbau und Inbetriebnahme würden sich dann anschließen. Anfang September hat die neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) offiziell den Prozess zur Standortauswahl gestartet. 500 Jahre lang sollen die eingelagerten Behälter „rückholbar“ sein, falls in der Zeit Probleme auftreten sollten.

In Krümmel lagern aktuell 39 Castoren, drei sollen noch untergestellt werden. Eigentlich bietet das Lager Platz für 80 Behälter, doch durch den vorzeitigen Atomausstieg werden die nicht benötigt.

„Die Dauer der Aufbewahrung für Transport- und Lagerbehälter ist nach den erteilten Genehmigungen auf 40 Jahre begrenzt. Nach heutigen Erkenntnissen kann in diesem Zeitraum eine vollständige Räumung der Lager nicht gewährleistet werden. Daher werden derzeit die technischen Voraussetzungen für eine verlängerte Aufbewahrung an den Standorten der Zwischenlager sowie in den Transportbehälterlagern untersucht“, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesumweltministeriums. Minge fürchtet, dass die Zwischenlager in Geesthacht, die alle nur befristet genehmigt sind, mit immer neuen Verlängerungen der Betriebsgenehmigungen quasi zu Endlagern werden könnten. „Das darf nicht passieren, wir brauchen schnell eine abschließende Lösung. Von diesen oberirdischen Lagerstätten halte ich gar nichts“, betont der CDU-Fraktionschef.

So soll zumindest der schwach- und mittelradioaktive Abfall in den Schacht Konrad bei Salzgitter gebracht werden – doch wann der seinen Betrieb aufnimmt, ist ungewiss. 2021 bis 2025 ist der aktuelle Zeithorizont. Eigentlich sollte es schon im kommenden Jahr soweit sein, doch das wird nichts. Und so will Vattenfall am Standort Krümmel 30 Millionen Euro in das „LasmAaZ“ investieren, um den beantragten Rückbau des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt überhaupt starten zu können. In dessen Kellern sind aber auch mehr als 1000 Fässer mit Atommüll gelagert, die ebenfalls in ein Endlager müssen.

Weitere etwa 170 Fässer stehen ganz in der Nähe, in der Landessammelstelle der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums. Dass es dort mit dem Betrieb nicht immer einwandfrei lief, zeigte sich im Jahr 2000, als bei zwischen 1965 und 1980 angelieferten Fässern festgestellt wurde, dass die Inhalte nicht korrekt deklariert waren. Nur einen Steinwurf entfernt liegt der Reaktor der „Otto Hahn“ vergraben in einem Betonsarg. Das Helmholtz-Zentrum will ihn bergen, zerlegen und entsorgen. Doch auch dafür wird ein Endlager benötigt. Ebenso wie für den Rückbau des Forschungsreaktors des Zentrums. 1600 Kubikmeter verstrahlter Beton, Schutzverkleidungen und Rohre dürften dabei anfallen. Die ehemalige Versuchshalle soll zur „Bereitstellungshalle“ für diesen Atommüll umfunktioniert werden.

„Ich hoffe, dass die neuen Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus unserem Kreis in den Parlamenten darauf drängen werden, dass wir bald zu einer vernünftigen Endlagerlösung kommen“, sagt Minge.

Wende im EEG

Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müsse von der Politik angefasst werden, fordert CDU-Fraktionschef Sven Minge: „Wir haben ja auch noch die Altlast im Stausee des Pumpspeicherwerks.“

Dort liegen giftige Schadstoffe, die sich über Jahrzehnte durch den Betrieb mit belastetem Elbwasser abgelagert hatten. Minge hofft auf eine Wende im EEG, die den zum Erliegen gekommenen Betrieb des Pumpspeicherwerkes als Energiespeicher wieder wirtschaftlich attraktiver machen würde.

 Timo Jann

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