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Viel Arbeit: Familie sanierte jahrelang Fachwerkhaus von 1853

Geesthacht Viel Arbeit: Familie sanierte jahrelang Fachwerkhaus von 1853

Familie Meerkamm kaufte eine alte Kate und ahnte noch nicht, wie aufwändig eine Totalsanierung werden kann. „Drei Jahre lebten wir auf der Baustelle“, sagt Dirk Meerkamm.

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Dirk Meerkamm im Wohnzimmer seines mit viel Engagement sanierten Fachwerkhauses. Einige der rustikalen Balken hat er aus einem Abbruchhaus gerettet und hier einer neuen Verwendung zugeführt.

Quelle: Norbert Dreessen

Geesthacht. Es wirkt wie aus der Zeit gefallen, das hübsche alte Reetdachhaus der Familie Meerkamm im Zentrum von Geesthacht. Nur ein paar Schritte von der Fußgängerzone entfernt, steht es etwas verloren zwischen mehreren Supermärkten, Banken, Bürogebäuden und Kaufhäusern. Gerade deshalb ist es an dieser Stelle ein echter Blickfang.

Vor gut 160 Jahren, als es gebaut wurde, lag dieses Haus übrigens nicht in der Stadtmitte, sondern am Rande des seitdem enorm gewachsenen Ortes. Und als die Familie Meerkamm, seit 2008 Eigentümer des Anwesens, das Reetdachhaus kaufte, sah es völlig anders aus als heute. Vom Fachwerk zum Beispiel war nichts zu sehen.

„Es war grau verputzt, unscheinbar und wirkte wie ein 60er-Jahre-Haus“, erzählt Dirk Meerkamm. Eine Totalsanierung vom Keller bis zum Schornstein hatte die Familie aber eigentlich nicht vor — man war froh, zentrumsnah ein relativ preiswertes neues Heim gefunden zu haben.

Dann aber sollten im Obergeschoss zwei Zimmer für die Kinder ausgebaut werden, und dabei stellte sich heraus, in welch schlimmen Zustand das ganze Gebäude war. Die Zahl der aufgedeckten Schäden wuchs fast von Tag zu Tag: Die Balken waren morsch und feucht, die Wände brüchig und kaum isoliert, das Reetdach undicht, alle Leitungen altersschwach.

„Wir haben das Haus nicht modernisiert, sondern zurückgebaut“, so Dörthe Meerkamm. Das heißt, dass die wirklich ansehnliche Kate heute wieder im Prinzip jenen Anblick bietet, den sie anno 1853 bot.

Fast alle Umbauten aus früheren Jahrzehnten, die im Grunde eher Verschlimmbesserungen waren, wurden rückgängig gemacht.

Die Arbeiten gestalteten sich insgesamt erheblich umfangreicher, als zunächst gedacht war. Selbst der beauftragte Architekt hatte den Aufwand doch stark unterschätzt. „Wir waren alle wahnsinnig naiv“, sagt Dirk Meerkamm. „Immer wieder haben Passanten, die hier vorbeikamen, uns gefragt, ob wir das Haus abreißen“, fügt er hinzu. Das Gegenteil war der Fall: Hier wurde ein in Teilen wirklich abbruchreifes Haus so wiederhergestellt, dass es zu einem echten Schmuckstück in diesem Teil der Stadt wurde.

Das aber dauerte. Dörthe Meerkamm erinnert sich: „Drei Jahre haben wir auf einer Baustelle gewohnt, allein elf Monate ohne Küche. Gekocht wurde auf einem Campingkocher, abgewaschen in einer Plastikschüssel.“ Jenen Winter, den sie unter einer Folie statt unter einem richtigen Dach verbracht hat, vergisst die Besitzerin der Kate ebenfalls nicht: „Seitdem weiß ich, was Kälte ist.“

Mit enorm viel Eigenleistung und mit einigen Fördermitteln aus Sanierungsprogrammen war es schließlich geschafft. „Ein bisschen was ist immer noch zu tun, aber zu 98 Prozent sind wir fertig“, erklärt die Hausherrin, die im Erdgeschoss auch noch ein kleines Geschäft für Naturfarben, Dekorationsartikel und für Holzspielzeug eingerichtet hat.

Viele Freunde hätten gefragt, warum die Familie so ein Haus nicht gleich irgendwo auf dem Lande gekauft habe, wo es doch eher hinpasse, sagt Dirk Meerkamm — und gibt gleich die Antwort: „Ja, das mag für den Moment auch ganz schön sein, aber man braucht für alles ein Auto. Und kann man das immer, auch im Alter?“

Jetzt wohne man auch in einem Bauernhaus und finde im Umkreis von nur 100 Metern sämtliche Ärzte, Supermärkte, Bäcker und Apotheken, die man bräuchte, selbst viele kulturelle Orte. Meerkamm: „Das kann uns ein Leben auf dem Lande nicht bieten, deshalb haben wir uns das Landleben hier her geholt.“

Norbert Dreessen

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