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Lauenburg Vier Millionen für ein neues Kurmittelhaus
Lokales Lauenburg Vier Millionen für ein neues Kurmittelhaus
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23:04 06.11.2013
Das jetzige Bad und das dazugehörige Möllner Kurmittelhaus werden abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Mölln

Fast ein Jahr hing die Zukunft des veralteten und stark defizitären Möllner Kurmittelhauses in der Schwebe. Jetzt hat die Gesellschafterversammlung der zuständigen Stadtwerke beschlossen, die sanierungsbedürftigen Gebäude an der Hindenburgstraße abzureißen und dort durch den Neubau eines Bades und einer Sauna zu ersetzen. Ob damit der eingeleitete Bürgerentscheid zum Erhalt der Einrichtung hinfällig ist, muss jetzt die Bürgerinitiative der Kurmittelfreunde entscheiden.

Die Gesellschafterversammlung, die mit dem städtischen Hauptausschuss identisch ist, diskutierte am Dienstagabend eine Stunde lang hinter verschlossenen Türen über Fortbestand oder Schließung des Kurmittelhauses. In der anschließenden öffentlichen Hauptausschusssitzung berichtete Stadtwerke-Geschäftsführer Marius Lembicz über das Ergebnis der Beratungen: Am bisherigen Standort soll für etwa vier Millionen Euro ein Neubau nach neuesten energetischen Standards errichtet werden. Für das Bad sind eine vergrößerte Wasserfläche von 25 mal zehn Metern sowie ein variabler Beckenboden vorgesehen: „Damit ergeben sich viel größere Nutzungsmöglichkeiten“, erklärte Lembicz. Nach den Berechnungen der Stadtwerke könnte das neue Kurmittelhaus mit einem jährlichen Defizit von etwa 350 000 Euro betrieben werden. Zuletzt belief sich das Minus auf rund 600 000 Euro.

Der Geschäftsführer kündigte an, das neue Konzept so schnell wie möglich umzusetzen. Als erstes ist ein Architektenwettbewerb vorgesehen. Mit den neuen Plänen „sehen wir die Forderungen der Bürgerinitiative als erfüllt an“, sagte Lembicz mit Blick auf den anstehenden Bürgerentscheid, den die Kurmittelfreunde noch zu Beginn dieser Woche mit Nachdruck eingefordert hatten. Dieter Kroeg von der Bürgerinitiative wusste gestern Morgen noch nichts vom Beschluss der Gesellschafterversammlung. Ein Gesprächstermin der Kurmittelfreunde bei Bürgermeister Jan Wiegels an diesem Freitag steht schon seit einiger Zeit fest.

Bei einigen Wortmeldungen in der Sitzung des Hauptausschusses wurde klar, dass die Entscheidung für den Neubau in der Gesellschafterversammlung nicht einstimmig gewesen sein kann. Dieter Ruhland (FDP) sagte: „Wir werden den Beschluss nicht mittragen.“ Er glaube, dass die Defizite „genauso hoch wie jetzt“ würden. Regina Hälsig (Grüne) bezeichnete es als „nett und schön, was hier vorgestellt wurde“. Es stelle sich aber die Frage, ob Mölln sich das leisten könne. Kirsten Patzke (SPD) räumte ein, dass die Sozialdemokraten nur ein Defizit von jährlich 200 000 Euro mittragen wollten.

Aber: „Wir sehen die kleine Lösung umgesetzt“. Das Breitenangebot im künftigen Kurmittelhaus überzeuge.

Zu Wort kam auch die Vorsitzend der Möllner Sportvereinigung (MSV), Anja Reimann. Sie wertete den Beschluss der Gesellschafterversammlung als „klares Nein“ zum Kurmittelhaus-Konzept, das die MSV in dreimonatiger Arbeit erstellt hatte. Der Vereinschefin waren Ärger und Enttäuschung anzumerken, weil vom MSV-Konzept am Dienstagabend überhaupt keine Rede mehr war.

Bürgerentscheid keine Option mehr
Die Kurmittelfreunde haben sich vehement für ihre Interessen mit Blick auf den Kurmittelhausbetrieb eingesetzt — und auf ganzer Linie gesiegt. Anders lässt sich der Beschluss der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke zur Errichtung eines Neubaus kaum interpretieren. Hätte sich die Bürgerinitiative nicht eingemischt, wäre mit der Abwicklung des Kurmittelhauses vermutlich schon begonnen worden.
Wie segensreich die Entscheidung für die Stadt Mölln insgesamt ist, bleibt abzuwarten. Gerade die jüngsten Äußerungen von Bürgermeister Jan Wiegels über die alarmierende Haushaltslage drängen eine auch im Hauptausschuss gestellte Frage geradezu auf: Darf sich Mölln eine solche Millionen-Investition und ein auch künftig noch kräftiges und andauerndes Defizit tatsächlich leisten?
Mit der Entscheidung von Dienstagabend können sich alle Beteiligten eines nicht mehr leisten, nämlich den aufwändigen Bürgerentscheid. Würde er stattfinden, bekämen die Wahlberechtigten diese beiden Optionen präsentiert: Fortführung des jetzigen Betriebes in einem maroden Gebäudekomplex mit hohen Sanierungskosten oder ein Neustart in einem modernen Gebäude mit größerem Bad. Das Ergebnis wäre vorhersehbar.

Martin Stein zum Beschluss, in Mölln ein neues Kurmittelhaus
zu bauen.

Martin Stein

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