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Vöpels Skulpturen droht Zwangsabriss

Büchen Vöpels Skulpturen droht Zwangsabriss

Streit um Büchener Freiluftmuseum an der Bahnstrecke eskaliert. „Unter Protest“ und laut schimpfend hat der Büchener Künstler Ludwig Vöpel am Dienstagabend die Beratungen zu seinem Skulpturenpark in der Sitzung des Ausschusses für Jugend-, Kultur-, Sport- und Soziales der Gemeinde Büchen verlassen.

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Büchen. Zuvor hatte es von Seiten der SPD-Vertreter statt konstruktiver Lösungsvorschläge wiederholt Belehrungen und Vorwürfe gegen den 71-Jährigen gegeben. In der sehr emotional geführten Debatte platzte Vöpel schließlich der Kragen.

LN-Bild

Streit um Büchener Freiluftmuseum an der Bahnstrecke eskaliert – SPD blockiert Einigung – Künstler verlässt Sitzung unter Protest.

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Holger Marohn zum Eklat in der Ausschuss-

sitzung in Büchen zu

Vöpels Skulpturenpark.

Nachdem Vandalen vor einigen Monaten fünf Werke Vöpels in dem Skulpturenpark an der Bahnstrecke Hamburg-Berlin zerstört hatten, ersetzte dieser nach kurzer Rücksprache mit dem stellvertretenden Bürgermeister Markus Räth (CDU) die Kunstwerke durch neue. Laut Pachtvertrag ist ein Austausch von Kunstwerken allerdings nicht zulässig. Dieser Anschluss-Pachtvertrag mit den Formulierungen sei ihm vor zwei Jahren aufgedrängt worden, weil es sonst gar keine Anschluss-Lösung für das seit fast zehn Jahren bestehende Freilicht-Museum gegeben hätte, so Vöpel.

Vor allem den Verweis auf das Gespräch mit Räth zweifelte SPD-Ausschussmitglied Lars Schwieger an und hielt Vöpel mehrfach die Illegalität seiner Austauschaktion vor. „Ich brauche hier keine Kritik und keine Belehrungen von Ihnen“, platzte Vöpel schließlich der Kragen und der 71-Jährige verlies schimpfend den Saal. „Wenn man mir daraus einen Strick dreht, muss ich mich wehren.“ Und wenn es die Freiheit für die Kunst in Büchen nicht gebe, müsse er dafür kämpfen, so Vöpel. Schon während der Verhandlungen zu dem Pachtvertrag vor zwei Jahren war Schwieger laut Protokoll einer der Hauptbedenkenträger.

CDU-Mitglied Stefan van Eijden – die CDU hatte zuvor bereits einen Kompromissantrag gestellt, der eine Öffnung des Geländes zum Kanal und eine Einbindung der Schule in das Projekt vorsah – versuchte die Situation zu retten: „Bei Vertragsabschluss ist doch nie im Leben jemand auf die Idee gekommen, dass da mal Skulpturen durch Vandalismus kaputtgemacht werden. Aber dafür sollten wir ihn nicht verdammen“, so van Eijden. Vorsitzender Bert Möller (CDU) ergänzte: „Wir haben diesen Vertrag gemacht, also können wir ihn auch präzisieren.“

Die SPD bleib jedoch hart: „Ich sehe da keinen Kompromiss möglich. Herrn Vöpel zu gestatten, die Figuren zu ersetzen wird die SPD nicht zustimmen“, sagte Schwieger. „Wenn wir dem jetzt zustimmen, was folgt dann als nächstes“, ergänzte eine Fraktionskollegin. Und SPD-Vertreter Thomas Gladbach ging sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn Herr Vöpel sagt, er sei zu dem Vertrag gedrängt worden, ist dieser juristisch gesehen möglicherweise nichtig.“

Wie die Sache weitergeht, ist völlig offen. Weil der Ausschluss nichts beschlossen habe müsse das Ordnungsamt aufgrund der verstrichenen Frist nun eigentlich tätig werden müsse, kündigte Verwaltungsmitarbeiter Michael Krause an. Und das würde eine Zwangsräumung des Museums bedeuten.

Ludwig Vöpels Schaffen

In Amsterdam absolvierte Ludwig Vöpel neben seiner Agrar-Ausbildung ein Fernstudium für Malerei und Design. Bereits parallel zu seiner Arbeit auf dem eigenen Hof zeichnete er mehr als zwölf Jahre lang politische Karikaturen. Seit den 80er Jahren ziert eine große Wandmalerei den Hamburger Tunnel unter der Bahnstrecke. Seit der Aufgabe der Landwirtschaft 1999 widmet sich Vöpel im Ruhestand „hauptberuflich“ der Kunst – zunächst vor allem der Ölmalerei, später auch Großskulpturen.

Jetzt ist Vernunft angesagt

Ja, Ludwig Vöpel hat sich im Ton vergriffen. Er hat einen Fehler gemacht. Aber er ist ein Künstler, dem Vandalen aus purer Zerstörungswut eine Handvoll Werke demoliert haben. Deren Ersatz hat er „auf dem kurzen Dienstweg“ geregelt. Das war nicht vertragskonform und nun ist der Karren im Dreck. Es wäre ein Leichtes, den Pachtvertrag zu ändern. Das geht aber nur mit der SPD. Doch von den Sozis kommt außer dem erhobenen Zeigefinger, Vorwürfen und Belehrungen nichts. Für eine Mehrheitspartei, die in der Gemeinde die politische Gestaltungskraft hat, ist das zu wenig. Und auch die Argumente sind vorgeschoben. Welcher Büchener Künstler sollte sich mit Vöpels Werken auf Augenhöhe dort präsentieren? Und natürlich ist ihm der Anschluss-Pachtvertrag aufgezwungen worden. Die Alternative zu einer Unterzeichnung wäre gewesen, das Areal zu räumen. Friss oder stirb nennt man das. So nimmt die SPD ein schleichendes Sterben des Büchener Freiluftmuseums durch Unterlassen in Kauf. Wenn es das ist, was sie will, dann soll sie das auch klar artikulieren.

Besser aber wäre, wenn alle Beteiligten zur Vernunft kämen. Es geht um nichts Geringeres als den Erhalt eines in seiner Art nicht nur für Büchen einmaligen Freiluftmuseums – und um Vöpels Lebenswerk.

Da sollte jeder Verständnis haben, dass ein Künstler da mal dünnhäutig reagiert.

 Holger Marohn

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