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Lauenburg Vom Dorf fürs Dorf ist das Motto der neuen „Brötchen-Geber“
Lokales Lauenburg Vom Dorf fürs Dorf ist das Motto der neuen „Brötchen-Geber“
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21:20 14.03.2016
Thomas Bobzien (42, li.) und Rene Kant (27) haben „Dorf Brötchen“ gegründet. Ihre Frauen Jasmin Bobzien (34,2.v.li.) und Jennifer Kant (26) helfen dabei, an den Wochenenden rund 1000 Brötchen zu verpacken und auszuliefern. Quelle: Fotos: Philip Schülermann

Brötchen morgens an der Haustür — viele Menschen auf dem Lande würden so einen Service genießen. Doch für Bäckerketten rechnet sich so etwas längst nicht mehr.

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Die Macher von „Dorf Brötchen“ aus Brunsmark liefern an den Wochenenden Backwaren im Lauenburgischen aus — Sie wollen etwas für die Menschen auf dem Land tun.

„Wir machen das aus Spaß an der Freude.“Thomas Bobzien, Brötchen-Lieferant.

Online oder per Telefon

Bis donnerstags, 20 Uhr, sind Bestellungen unter www.dorfbrötchen. de, per Mail unter info@dorfbrötchen.de, per Whatsapp unter 0151/15703345 oder unter Telefon 04542/9909976 für sonnabends und sonntags möglich. Bis um 8 Uhr sind die Brötchen beim Kunden. Jede Bestellung kostet einen Euro Liefergebühr.

In diese Lücke stoßen jetzt vier Brunsmarker mit ihrer Idee „Dorf Brötchen“.

Die einstige Schnapsidee wurde zum Überraschungserfolg für vier Brunsmarker. Wirtschaftlicher Erfolg sei aber Nebensache, sagen sie. Wichtiger sei ihnen, etwas für die Dörfer zu tun. Thomas Bobzien (42), seine Frau Jasmin (34), Rene (27) und Jennifer (26) Kant saßen eines Abends zusammen. Schon öfter hätten die guten Freunde überlegt, irgendetwas gemeinsam auf die Beine zu stellen. Dann hatte Rene Kant von einem Brötchenlieferdienst im Internet gelesen. Schnell stand fest: So etwas brauchen die Dörfer rund um Brunsmark. „Dorf Brötchen“ war geboren. „Wir sind am Wochenende auch nie losgegangen, um Brötchen zu holen“, sagt Jennifer Bobzien. Die nächsten Bäckereifilialen sind in Mölln und Sterley — jeweils rund zehn Minuten Fahrt mit dem Auto entfernt. Gerade für ältere Menschen ist das ein Problem — das gleiche gilt für den täglichen Einkauf. Markttreffs kämpfen um ihr Überleben, obwohl die Städte teils weit entfernt sind. In Seedorf gebe es aber keine Probleme, sagt Bürgermeister Detlef Rodust. Der Lieferdienst am Wochenende sei „als Service aber sehr nett.“ Während der Woche setze er auf Nachbarschaftshilfe.

Sonnabends und sonntags beginnt ihr Arbeitstag mitten in der Nacht. Um 2 Uhr geht es los, die Brötchen werden angeliefert. Bis zu 1000 Brötchen müssen am Wochenende verpackt werden. Bestellung für Bestellung gehen sie durch, bevor sie mit zwei Autos aufbrechen. In 35 Dörfer von Pogeez bis Groß Zecher und von Kittlitz bis Groß Disnack fahren sie.

Ganz neu ist die Idee auch im Lauenburgischen nicht. Im Herbst letzten Jahres stellte die Bäckerei von Allwörden den Betrieb ihrer „Frische Mobile“ ein. Der Grund: nicht mehr rentabel, zu wenig Kunden. Neben den Brunsmarkern beliefert heute auch der „Brötchenbursche“ Kunden im Kreis mit Backwaren. Eine Konkurrenzsituation entstehe aber nicht, sagen die Brunsmarker. Als Nachbarschaftshilfe habe es das auch mal in ihrem Dorf gegeben, sagt Rene Kant. Warum wurde der Lieferdienst von Ehepaar Kant und Bobzien denn so schnell mit ähnlichem Prinzip erfolgreich? „Weil es einfach ist“, sagt Thomas Bobzien. Jeder habe doch ein Smartphone, ergänzt Geschäftspartner Kant. Auf der Homepage können sich Kunden ihre Brötchen aussuchen und direkt online bestellen. Das geht aber auch telefonisch, per Whatsapp oder Mail. Bezahlt wird per Rechnung am Ende des Monats oder per Lastschriftverfahren. Als IT-Spezialist kennt sich Rene Kant mit Websites aus, Logo und Flyer hat sein Bruder Mirco entworfen.

„Angefangen hat alles mit sechs Dörfern“, sagt Jennifer Kant. 300 Brötchen waren es beim Start Anfang Januar. „Wir hätten nicht gedacht, dass das so durch die Decke geht“, sagt Thomas Bobzien. Und ja, ein bisschen müssten sie auch darüber lachen, geben die „Dorf-Brötchen“-Macher zu. Damit hätten sie nicht gerechnet. „Es ist spannend zu sehen, wo das noch hinführt“, sagt Bobzien. Vor Kurzem haben sie sich sogar einen kleinen Lieferwagen angeschafft. Anfangs sei das Angebot vor allem für Ältere gedacht gewesen, sagt Rene Kant. Viele von ihnen belieferten sie heute, aber auch „Querbeet“

durch jede Altersgruppen.

Pro Bestellung berechnen die Unternehmer einen Euro Liefergebühr — egal ob ein oder hundert Brötchen. Dass sich das doch gar nicht lohne, hörten sie öfter. Aber die Kosten seien gedeckt und ein bisschen was bleibe auch hängen, sagen sie. Aber darum gehe es ihnen nicht. „Wir machen das aus Spaß an der Freude“, sagt Thomas Bobzien. „Vom Dorf fürs Dorf“, sagt Partner Kant. „Wir zahlen uns kein Gehalt“, sagt er. „Das Ganze rentiert sich über die Stückzahlen.“ Seit Mitte Januar haben sie nach eigenen Angaben mehr als 7000 Brötchen ausgeliefert. Zum monatlichen Umsatz wolle sich Kant aber nicht äußern. Das Wochenende trotz Vollzeitjobs zu opfern sei es wert, weil es einfach Spaß mache, sagen die befreundeten Paare wie im Chor.

Bis donnerstags, 20 Uhr, nimmt „Dorf Brötchen“ Bestellungen an. Die Backwaren liefern sie bis an die Haustür, hängen sie dort an oder legen sie an einen Ort, den der Kunde bestimmt. Bis um 8 Uhr morgens sollen alle Tüten bei den Kunden sein. Danach frühstücken die Vier gemeinsam.

„Wir wollen noch weiter“, sagt Thomas Bobzien. „Aber bei 3000 Brötchen pro Wochenende wäre wohl Schluss.“ Sonst bräuchten sie Helfer. Sie planen ein Osterspecial, neue Zahlungsmethoden und noch mehr Dörfer zu beliefern — aber nur am Wochenende. Ihre Jobs würden sie nicht aufgeben, sagen sie. Noch fehle ihnen ihre Freizeit nicht.

Von Philip Schülermann

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