Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Vom Fernsehschirm auf den Heuboden
Lokales Lauenburg Vom Fernsehschirm auf den Heuboden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:21 27.10.2017
Reinhold Beckmann und Gitarrist Johannes Wennrich (links) begeisterten mit Bassist Thomas Biller das Ziethener Publikum. Quelle: Fotos: Essing/hfr, Butz/hfr
Anzeige
Ziethen

Drei Männer auf der Bühne. Der in der Mitte: Das Gesicht ist bekannt. Reinhold Beckmann, der Fernsehmoderator. In Ziethen. Mit Gitarre in der Hand. Kann der das überhaupt? Musik machen? Texte schreiben? Fragen, die nicht nur Menschen stellen, die mit dem Namen Reinhold Beckmann Sportmoderation und Talkshow verbinden. Diese Fragen hat sich auch Beckmann selbst gestellt. Klar, er hat als Jugendlicher in einer Schülerband gespielt, und auch Texte verfasst. „Aber nicht mit dem Ziel, alles öffentlich zu machen.“

 

Hier und heute, das ist öffentlich. Natürlich ist Beckmann ein viel größeres Publikum gewöhnt. Aber egal: „Hallo Ziethen!“ In großer Pose ruft er es in den Saal, die Arme weit ausgebreitet. Das kommt an, die Leute sind schon jetzt begeistert und wild entschlossen, ihren privaten Moment mit dem Gitarren-Beckmann zu genießen. Hallo, Ziethen also, und dann: „Was habe ich mich auf diesen Satz gefreut!“ Kunstpäuschen. Weiter: „Madison Square Garden ist nichts. Du bist erst ein richtiger Musiker, wenn Du in Ziethen gespielt hast.“ Die Ziethener stimmen jubelnd zu. „Im Land der freilaufenden Nandus.“ Im Saal gibt es kein Halten mehr.

Es wird noch einiges geplaudert, bevor Beckmann, Wennrich und Biller endlich in die Saiten greifen. Normalerweise seien sie zu fünft, erfährt das Publikum, und es sei „heute eine kleine Premiere, als Trio unterwegs zu sein“. Die Ziethener sind ein prima Publikum. Beckmanns launige Anmoderation des Abends wird mit herzlichen Lachern und Applaus honoriert. Die freudige Erwartung der Leute ist nahezu greifbar. Und dann: der erste Ton. Die ersten Lyrics. „Wenn die Tage nicht mehr enden, und der Himmel violet“ – Beckmann hat vom Start weg gewonnen.

Die Texte sind O-Ton Beckmann, die meisten Songs ebenfalls von ihm, einige hat er mit Johannes Wennrich zusammen komponiert. Geburtshilfe gab es für den Musiker Beckmann sozusagen von Ina Müller (geht’s noch besser? Nein!). „In der ersten Sendung von ,Inas Nacht’ habe ich zusammen mit Ina gesungen. Da haben die hinterher zu mir gesagt, ich sei ja ein echter Musiker.“ Da ist diese unbändige Lust entstanden, mehr zu machen. Und als ihn dann zwei Musiker von Ina Müllers Band fragten, ob er nicht mehr mit ihnen machen wolle, war der Startschuss gefallen und Beckmann in der Spur.

Trotzdem komisch, oder? Da ist einer so wahnsinnig erfolgreich im Fernsehen, ist einer der deutschen Sportmoderatoren schlechthin, moderiert Talkshows mit tollen Einschaltquoten – und dann hängt er sich eine Gitarre um und singt. Fernsehen: Zuschauer in der ganzen Republik. Konzert: 100 Menschen auf dem Heuboden in Ziethen. Was sagt das Ego dazu? Beckmann sieht das ganz entspannt. „Sport habe ich mehr als 30 Jahre gemacht. Ich bin jetzt über 60 – irgendwann ist mal Schluss.“ Er bleibt ja dem Fernsehen verbunden, „im letzten Jahr habe ich zehn Dokus für die ARD gemacht“, aber nun ist es Zeit für Musik: „Das ist so eine Freude, so ein Spaß, so ein Glück, einfach etwas ganz anderes, als eine Gesprächssendung.“ Sagt es mit strahlenden Augen, und wie er dann später auf der Bühne steht, ist die Freude, ist der Spaß, ist das Glück nicht zu übersehen. Ran, Beckmann!

17 Songs bekommen die Ziethener zu hören. Die meisten von Beckmanns Album „Endspiel“, das Ende Februar erscheinen soll, einige vom Vorgängeralbum. „Hypochonder“ zum Beispiel, oder der Titelsong „Bei allem sowieso vielleicht“. Vor lauter Begeisterung fordern die Ziethener eine Zugabe ein, da ist das Konzert noch gar nicht beendet – und selbst der redegewandte Beckmann kurz platt.

Zwischenapplaus gibt es auch für Thomas Biller, der ein großartiges Bass-Solo zupft, und für Johannes Wennrich, der Beckmanns Songs mit seinem Gitarrenspiel adelt. Veranstalter Jens Butz hat guten Grund, übers ganze Gesicht zu strahlen – für seine Konzerte ist kein Eintritt zu zahlen, sondern es wird in die Hutkasse gespendet, und das ist auch jetzt wieder bestens gelaufen. Zufriedene Gesichter also auf allen Seite. Beckmanns Ankündigung „wir kommen gern mal wieder nach Ziethen“ sorgt für einen Begeisterungssturm, und als er ins Mikro flüstert „Vielen Dank, Ihr Lieben, kommt gut nach Hause“ ist klar: Ziethen liebt den Musiker Beckmann.

NACHGEFRAGT

So ein Spaß, so ein Glück!

Wie kommt ein etablierter Sportmoderator auf die Idee, mit Band zu touren und Musik zu machen? Ich habe schon mit 15, 16, 17 Musik gemacht. Mit Mitschülern, das war in Twistringen.

Damals mit einer kleinen, wilden Band, ungestüm, das Dilettantische stand im Vordergrund.

Reinhold Beckmann Musiker, Poet, Rampensau

Ein erfahrener Fernsehmann weiß mit Worten umzugehen. Schreibst Du alle Texte selbst? Ja. Aber die Verkürzung habe ich erst lernen müssen, das Poetische. Und ich schreibe mir jede Zeile, die mir im Laufe des Tages einfällt, jede Idee auf. Da merke ich das Alter.

Du bist Rampenlicht gewohnt. Ist es ein anderes Gefühl, als Musiker auf der Bühne zu stehen? Das Musikmachen ist so eine Freude, so ein Spaß, so ein Glück! Ich genieße jeden Moment.

teo

 Dorothea Baumm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige