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Lauenburg Vom Netzwerken und Tränen trocknen
Lokales Lauenburg Vom Netzwerken und Tränen trocknen
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18:22 11.06.2016

Manchmal ist es eine feine Sache, einen Korb zu bekommen. Wer als Referent zu den Berkenthiner Landfrauen eingeladen wird, darf sich jedenfalls genau darauf freuen: einen großen Korb, das so genannte Referentenkörbchen, gefüllt mit Spezialitäten aus der Region und selbstgebackenem Brot. „Ich weiß, dass einige unserer Referenten gerade wegen dieser Körbchen gern zu uns kommen“, sagt Angelika von Keiser-Gerhus. Gut für die Vorsitzende des Ortsvereins, denn sie hat die Aufgabe, immer wieder unterhaltsame Redner für ein interessantes Jahresprogramm zu gewinnen.

Geboren ist sie in Rondeshagen, aber in Berkenthin lebt die 60-Jährige seit 50 Jahren, „hier bin ich Zuhause und verwurzelt.“ Noch steht sie voll und auch voller Begeisterung im Berufsleben:

Angelika von Keiser-Gerhus ist Medizinisch- Technische Assistentin an der Lübecker Uni. „Ich betreue Studierende und Praktikanten der Biochemie. Kurz: Mein Job ist es, große Menschenmengen zu organisieren – von der Terminplanung bis zum Tränentrocknen.“ Und mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Das ist auch nichts anderes, als die Landfrauen zu organisieren.“

Die Damen des Ortsvereins Berkenthin und Umgebung nennt sie liebevoll „meine Mädels“. Sie weiß, was sie an den Frauen hat und schätzt, was umgekehrt vermutlich genauso gilt. „130 Mitglieder habe ich im Mail-Verteiler“, sagt sie. Und damit geht es schon los. Als sie 2010 den Vorsitz übernahm, war es für die Unimitarbeiterin nämlich völlig selbstverständlich, zum Ende der ersten Sitzung um die E-Mail-Adressen ihrer Vorstandsdamen zu bitten. Erst hinterher hat sie erfahren, dass bis dahin kaum eine im Internet war, geschweige denn eine E-Mail-Adresse hatte. „Da mussten fix Enkelkinder helfen.“

315 Mitglieder aus Stadt und Land hat der Ortsverein insgesamt. „Alle Landfrauen sind Bauersfrauen – das ist nichts als ein Vorurteil. Meine Mädels kommen aus allen Bevölkerungsschichten und Tätigkeitsfeldern. Unser ältestes Mitglied ist 96 Jahre, unser jüngstes Mitglied ist 35 Jahre alt. Mit dabei ist zum Beispiel eine Hautärztin, die wegen der Vorträge eingetreten ist.“ Deswegen betont sie auch gern, Landfrauen seien erheblich mehr als Expertinnen fürs Kirschenentkernen.

Bei der Organisation der Vorträge und des Programmes greift die resolute Berkenthinerin gern auf ihre Uni-Kontakte zurück. Beim letzten Vortrag ging es um die Risiken von Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff. Am Rednerpult stand Gudrun Köster von der Kieler Verbraucherzentrale, der kritische Titel ihres Referates lautete „Schön verpackt – um welchen Preis?“ Ebenso spannend war für die Frauen der Besuch Anfang April im Lübecker Fraunhofer Institut. Prof. Dr. Charli Kruse, Leiter des Fraunhofer-Institutes für Marine Biotechnologie, sprach über „Produktionsreife Projekte der Fraunhofer-Einrichtung für Marine-Biotechnologie (EMB)“, wie Stammzellenentwicklung und Aquakultur. Spannend fand von Keiser-Gerhus vor allem die Aquakultur, die für die Entwicklung neuer Lebensmittel und Lebensmittelzusatzstoffe für die Industrie wichtig ist. „Professor Kruse und seine Mitarbeiter haben unter anderem eine Muschelpaste und ,Meeresrauschen’, ein alkoholfreies Bier, entwickelt. Das durften wir probieren – und es war einfach toll.“

Das Programm ist also nachweislich kein bisschen altbacken – kein Wunder, dass die Vorsitzende regelmäßig Gäste zu den Veranstaltungen begrüßen darf. In den sechs Jahren ihres Vorsitzes sind 120 neue Mitglieder dazugekommen. Die weiteste Anfahrt nimmt ab und an zu Veranstaltungen ein Mitglied aus Baden-Württemberg auf sich, mehrere kommen aus Lübeck, aber auch aus Pampow und Bad Bramstedt ist jemand dabei. „Wo mehr als drei Frauen zusammenkommen, wird genetzwerkt – und das ist auch gut so“, das ist ein weiteres Motto von Angelika von Keiser-Gerhus. Der Zusammenhalt, der bei den Landfrauen gepflegt wird, ist neben den attraktiven Veranstaltungen das, was für sie das Herz ihres Vereines ausmacht: „Natürlich ist auch bei uns auf dem Land die Alterseinsamkeit ein großes Thema.“ Da steuere der Verein mit seinen vielfältigen Angeboten gegen. „Unter anderem deswegen bin ich 1994 eingetreten: Es wurden die tollsten Europareisen angeboten.“ Ob Freizeit, Fort- und Weiterbildung oder Sport:

Das Programm der Landfrauen aus Berkenthin ist immer am Puls der Zeit. „Manchmal musste ich schon lachen – kaum hatten wir einen Vortrag organisiert, war das Thema in aller Munde.“

Wer sich selbst überzeugen möchte, wirft einen Blick auf die Website der Landfrauen und speziell das Treiben der „Mädels“ aus Berkenthin und Umgebung. Gäste sind bei den Veranstaltungen sehr willkommen – sie bekommen allerdings bei Angelika von Keiser-Gerhus keinen Korb.

Kontakt: Angelika von Keiser-Gerhus, Lübecker Straße 1, Berkenthin,

Telefon 04544/686, E-Mail:

berkenthin@landfrauen-herzogtum.de

Dorothea Baumm

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