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Vom Schulrektor zum Mentalcoach

Sterley Vom Schulrektor zum Mentalcoach

Zeit für etwas Neues: Peter Hansen verabschiedet sich drei Jahre vor Rentenbeginn von der Grundschule Sterley.

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Peter Hansen ist keiner, der Dinge auf die lange Bank schiebt. Rektor will er nicht mehr sein, ihn lockt ein Neuanfang. Dafür hat er, der immer andere unterrichtete, in den letzten Jahren viel gelernt.

Quelle: Dorothea Baumm

Sterley. Kennen Sie Konfuzius? Das war ein chinesischer Philosoph, der vermutlich von 551 bis 479 vor Christi Geburt gelebt hat, ein intelligenter Mann, dem wir eine Menge schlauer Sprüche verdanken. Den zum Beispiel: „Nur die Dümmsten und die Weisesten können sich nicht ändern“. Und kennen Sie Peter Hansen? Der lebt in Mölln und ist Rektor der Grundschule in Sterley. Noch.

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Zeit für etwas Neues: Peter Hansen verabschiedet sich drei Jahre vor Rentenbeginn von der Grundschule Sterley.

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Ab 1. August ist er nämlich im Ruhestand, und das wäre keine Meldung wert, hätte er nicht selbst den Hut genommen, drei Jahre vor Erreichen des eigentlichen Rentenalters. Peter Hansen also ändert gerade sein ganzes Leben, und da man einem Schulrektor wohl ein gerüttelt Maß Intelligenz unterstellen darf, zählt er nach Konfuzius vermutlich zu den Weisen.

Das muss man erstmal sacken lassen. Zu Zeiten, in denen allerorten Angst vor Altersarmut herrscht, beschließt ein Beamter, nun sei es genug mit seinem wohl dotierten, sicheren Broterwerb. Wenn das mal nicht zu einer Minderung der Rente führt! „Natürlich gibt es Abzüge“, sagt Hansen, und fügt mit einem feinen Lächeln hinzu: „Aber es wird zum Überleben reichen“.

Heute ist Peter Hansen 62, im Laufe dieses Jahres wird er noch seinen 63. Geburtstag feiern. Ja, meine Güte, was will der Mann? In dem Alter die Brocken hinwerfen, hallo, Konfuzius hin und her – ist er vielleicht nicht doch eher einer der Dümmsten? An seinen Schülern liegt es nicht: „Die Arbeit mit Kindern gehört zu den angenehmen Seiten des Lehrerdaseins“.

Die übrigen Aufgaben, die ein Rektor zu erledigen hat, sind weniger erbaulich und werden immer mehr – weswegen übrigens im Gegenzug immer weniger Lehrer Interesse an diesem Posten haben. Aber auch das ist es nicht, weswegen Peter Hansen beschlossen hat: „Ich will mich entlasten. Ich renne nicht schreiend weg, aber es ist jetzt genug“.

Und vor allem ist es Zeit für einen Neuanfang. Peter Hansen liebäugelt keineswegs mit einem kommoden Rentnerdasein. Ungezählte Stunden auf dem Sofa vor der Glotze, sonntags ein Spaziergang mit der Gattin, das war’s: So sieht sein Lebensentwurf nicht aus. Als Lehrer weiß der Beatles-Fan: Vom Lernen wird man nicht dümmer. Vielseitig interessiert ist er sowieso, und so hat er in den letzten Jahren berufsbegleitend allerhand Qualifikationen erworben. Ab August möchte er seine Brötchen als Mentalcoach verdienen. Oder jedenfalls einen Teil seiner Brötchen, geplant sind nämlich zwei Tage in der Woche, einen in einem Praxisraum in einer Möllner Heilpraktikergemeinschaft, den anderen im Hamburger Stadtteil Groß Borstel.

Mentalcoach also. Klingt nach Promi und New York, und in der Tat erklärt Hansen, das sei etwas, das Sportler, Politiker und Manager schon lange hätten, „und nun möchte ich es für normale Menschen anbieten, für Erwachsene, aber natürlich auch für Kinder“.

Seine Aufgabe werde es sein, Menschen dabei zu helfen, ihr Leben in ihrem Sinne zu gestalten, Blockaden und Ängste zu überwinden, Ziele zu erreichen, kurz: „Ihr Gehirn umfassend zu nutzen, um ihr Leben angenehmer zu gestalten, mehr genießen zu können“.

Natürlich schöpft der gestandene Pädagoge aus dem Erfahrungsschatz vieler Jahre des Unterrichtens und der Begegnungen mit den unterschiedlichsten Typen und Charakteren. Aber er hat auch sehr viel Zeit und Geld in seine Aus- und Weiterbildung gesteckt. So darf er sich Heilpraktiker Psychotherapie nennen, „ich will aber nicht kranke Menschen therapieren, sondern gesunde coachen“. Er ist NLP-Practitioner, was er so erklärt: „Neuro-linguistisches Programmieren bedeutet, Vorgänge im Gehirn mit Hilfe der Sprache systematisch zu ändern“. Er hat eine Hypnoseausbildung, und dann ist er auch noch Wing-Wave-Coach, eine Kombination aus bewährten psychologischen Coaching-Elementen. „In den letzten anderthalb Jahren habe ich im erweiterten Bekanntenkreis gratis gecoacht und so eine Menge Erfahrungen gesammelt“, erzählt Hansen.

Vom Lehrer, mehr noch: Rektor, hin zum Mentalcoach also. Das ist mal ein Schritt, da dürfte so mancher mindestens irritiert sein. Ob seine Frau, die übrigens auch Lehrerin war, ihn nun peinlich findet, verneint Peter Hansen ganz klar. „Wieso auch – sie profitiert doch von dem, was ich jetzt mache.“ Nur seine Schwiegermutter, die findet ihn ein bisschen schräg. „Ich wollte ihr schon so oft helfen, ihre Angst vor Gewitter zu überwinden“, erzählt er mit einem breiten Schmunzeln, „aber sie will nicht, sagt immer nur: Lot mi tofreden mit Din Hokuspokus.“

Wenn auch die Schwiegermutter nicht will, so ist Hansen doch sicher, dass er seine Klientel finden wird. „Ich habe keine Existenzängste.“Am Anfang stand seine Lust, etwas ganz Spezielles zu lernen, etwas über sich selbst zu erfahren. Und jetzt ist es an der Zeit, das neue Wissen in einem neuen Wirkungsfeld an Menschen weiterzugeben. Mut habe ihn dieser Schritt nicht gekostet, sagt er.

Kennen Sie Henry Ford? Genau, das ist der mit den Autos. Der 1863 geborene Amerikaner hat uns auch eine Menge schlauer Sprüche hinterlassen. Zum Beispiel: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

Wasser auf Peter Hansens Mühlen. Ebenso wie Fords Erkenntnis: „Du kannst sagen, ich schaffe es, oder Du sagst, ich schaffe es nicht. Du hast auf jeden Fall Recht.“ Keine Frage, was Hansen selbst sagt.

Reden, Buffet und Kinder, die ihrem Rektor zum Abschied ein plattdeutsches Programm servieren

Ungewohnt war die Mensa gestern eingedeckt, mit zauberhaften Rosengestecken, am einen Raumende wartete abgedeckt ein Buffet, am anderen Ende lockten Bühne und Pult zu Darbietungen und Reden, in der Mitte waren die Tische rappelvoll. Nur Erwachsene! Lehrer, Elternvertreter, Rektoren der umliegenden Grundschulen, Bürgermeister, Schulrätin: alle waren gekommen, um Rektor Peter Hansen offiziell in den Ruhestand zu verabschieden.

Susanne Lenk, die Hansen „eine wertvolle Partnerin in der Schulleitung war“, wie er selbst sagte, begrüßte die Gäste. Für Schulrätin Katrin Thomas war der Termin eine Pflichtübung. Eigentlich, denn sie teilt Erinnerungen mit Hansen an Zeiten gemeinsamen Unterrichtens, und so fiel ihre Rede erfrischend persönlich aus.

Das plattdeutsche Programm, das Friederun Brunk mit den Kindern erarbeitet hatte, und der Song „Stay“, den die Viertklässlerinnen Nele und Hanne interpretierten, waren das Sahnehäubchen dieser fröhlichen Veranstaltung. Es mag der souveränen, lockeren Art des künftigen Ruheständlers geschuldet sein, der es sich nicht verkniff, zu sagen: „Ich steige mit einem breiten Grinsen aus diesem Hamsterrad aus und beginne froh ein neues Leben.“ teo

Dorothea Baumm

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