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Von Arbeit in Würde leben können

Ratzeburg Von Arbeit in Würde leben können

Am Welttag für menschenwürdige Arbeit fordert der DGB-Kreisverband Lauenburg das Zurückdrängen prekärer Beschäftigungsverhältnisse. „Als wohlhabendes Land sollten wir in der Lage sein, hier lebenden Menschen eine menschenwürdige Arbeit zu ermöglichen“, sagt Simone Kroll-Schilke.

Ratzeburg. Jeden Monat verkündet die Agentur für Arbeit neue Rekordzahlen vom Arbeitsmarkt. Anlässlich des heutigen Welttages für menschenwürdige Arbeit mahnt der Deutsche Gewerkschaftsbund im Kreis Herzogtum Lauenburg allerdings, diesen Jobboom kritisch zu hinterfragen. „Zur Wahrheit gehört auch, dass der Beschäftigungszuwachs fast ausschließlich auf die Ausweitung atypischer und prekärer Beschäftigungsverhältnisse zurückgeht“, erklärt Simone Kroll-Schilke vom DGB- Kreisverband Lauenburg. „Dazu gehören Minijobs, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Leiharbeit und Teilzeitarbeit.“

 

LN-Bild

Simone Kroll-Schilke.

Die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs, Leiharbeit, Teilzeitarbeit) ist laut Hans- Böckler-Stiftung im Kreis in den letzten zehn Jahren von gut 19000 auf fast 25000 angestiegen. Das bedeutet eine Steigerung um knapp 30 Prozent. Der Anteil an allen Beschäftigungsverhältnissen stieg damit von rund 39 Prozent auf annähernd 45 Prozent. Frauen sind überdurchschnittlich oft von atypischer Beschäftigung und Befristungen betroffen – im Kreis Herzogtum Lauenburg sind etwa 74 Prozent der atypisch Beschäftigten weiblich. Im Lauenburgischen leben mehr als 2400 Aufstocker (Stand April 2017), das heißt Menschen, die sich und ihre Familie von ihrem Lohn nicht ernähren können und zusätzlich auf Sozialleistungen angewiesen sind.

„Menschenwürdig bedeutet, von der eigenen Arbeit leben zu können ohne zusätzliche Sozialleistungen beziehen zu müssen.“ Dabei dürfen auch nicht die mehr als 7400 Erwerbslosen und Arbeitssuchenden im Kreis vergessen werden: „Erwerbslose müssen sie dringend vom Stigma befreit werden, das ihnen mit den Hartz-Reformen angehaftet wurde.“ Existenzängste und eine zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft seien der Nährboden, auf dem rassistisches und völkisches Gedankengut gedeihe. „Nur mit Solidarität und Zusammenhalt können wir Hass und Ausgrenzung entgegentreten“, davon ist Simone Kroll-Schilke überzeugt.

LN

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