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Lauenburg Von Museumshöge, Vörsitter und der Vertellerpiep
Lokales Lauenburg Von Museumshöge, Vörsitter und der Vertellerpiep
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12:47 09.01.2018

Am Sonnabend war es soweit: 66. Möllner Museumshöge. Eine besondere Museumshöge: Zum ersten Mal führte der neue „Vörsitter“ durch den Abend. Ralf Hinze hat im März 2017 Hans Reis abgelöst, der nach 24 Jahren nicht wieder für das Amt kandidierte. Doch Reis, der im April 89 Jahre alt wird, ist dem Freundeskreis Möllner Museum treu geblieben und war als „Ehrenvörsitter“ mit von der Partie.

Mit dem obligatorischen Ruf „Kumm rinn“ wurde jedem Gast nach dessen Klopfen an die schwere Museumstür geöffnet. Die Höge beginnt traditionell mit einer kurzen Rede des Vörsitters zu Ereignissen und Anschaffungen aus dem vergangenen Jahr, einem besonderen Schnaps von Apotheker Detlef Greve – und in diesem Jahr mit einer Schweigeminute zu Ehren der verstorbenen Mitglieder, darunter der langjährige Eulenspiegeldarsteller Mario Schäfer.

Dann versammelten sich die etwa 60 Gäste wie immer auf der alten Ratsdiele im Rathaus gegenüber. Noch bevor die Mitarbeiterinnen vom Hotel Weißes Ross das Essen servierten, trat Möllns scheidende Bürgervorsteherin Liselotte Nagel an das Mikrofon. „Ich bin heute zum 13. Mal dabei und wünsche allen einen wunderschönen Abend. Vielleicht haben sie ja Glück und die neue Bürgervorsteherin ist ein Mann“, sagte sie launig. Hinze versprach , Nagel auch künftig zur Höge einzuladen – zu der eigentlich nur Männer zugelassen sind.

„Sich högen“ heißt sich freuen. Das taten die Anwesenden – und nicht zu knapp. Spaß machten die vielen Geschichten, die es zu hören gab. Und es wurde gesungen. De Hamburger Veermaster, An de Eck steit ’n Jung mit ’n Tüddelband, Rolling Home, das Lied von Snuten und Poten und einiges mehr sangen die Museumsfreunde, von Angelika Eder aus Timmendorfer Strand mit dem Akkordeon begleitet.

Horst Gloyer, der letztjährige Gewinner der Vertellerpiep, musste das gute Stück nun wieder abgeben. Doch er hatte eine Überraschung für die Anwesenden parat. Mit der Hilfe einiger Freunde hatte er für die Pfeife eine Holzkiste bauen lassen, in der das wertvolle Stück nun sicher transportiert werden kann. Die Idee hatte er auf dem Heimweg im vergangenen Jahr – bei Glatteis. Da war die Pfeife nur in ein rotes Samttuch gehüllt und hätte bei einem Sturz des Gewinners zu Bruch gehen können.

Die als drittbeste Geschichte dieses Abends gekürte Story von Kay Voss aus seiner Jugend, als er noch mit der Mofa unterwegs war und die Musik aus einem Kofferradio kam, zog dann die ersten größeren Lacher mit sich. Weil er damals nur am Sonntag die Möglichkeit zum Ausschlafen hatte, dann aber meist von den Kirchenglocken von Heiliggeist geweckt wurde, nahm er kurzerhand eine Leiter und ein Abschleppseil, erklomm den Kirchturm und band das Antriebsrad für die Kirchenglocke am Turm fest. Am Ende schlug die Glocke nicht und fast wäre der Kirchturm samt Glocke in das Gotteshaus gefallen.

Holger Burmester erzählte von seinen Erlebnissen aus der Möllner Disco Cheyenne Club, als die noch an der Möllner Wallstraße war – und kam damit auf Platz zwei.

Die beste Geschichte lieferte an diesem Abend der pensionierte Kriminaldirektor Manfred Sahm ab. Seit drei Jahren ist Sahm dabei, hatte in jedem Jahr eine Geschichte vorgetragen und im vergangenen Jahr sogar den zweiten Platz belegt. „De Wohrheit lacht toletzt“, war der Titel. Sahm hielt den Zuhörern nach bester Eulenspiegelmanier den Spiegel vors Gesicht. „Wir modernen Menschen sind so in Unwahrhaftigkeit verheddert, dass wir es kaum noch merken. Liebe Zuhörer, versucht mal für ein paar Tage, in eurem Handeln und Denken wahrhaftig zu sein. Ihr werdet das Glück fühlen, dass im Triumph der Wahrheit liegt", so begann Sahm die Geschichte, die dann auf Platz eins landete, und dem 74-jährigen Pensionär die Vertellerpiep 2018 bescherte. Sie soll nun für ein Jahr einen Ehrenplatz im Hause Sahm erhalten.

Der Verein Freundeskreis Möllner Museum e.V. zählt genau 72 Mitglieder. Ursprünglich haben die sogenannten zwölf Apostel den Verein gegründet. Die Zahl zwölf ist dann verdoppelt worden und auch diese 24 Mitglieder wurden noch einmal verdoppelt, dann kamen noch einmal 24 hinzu. „Mehr als 72 Mitglieder werden wir nicht aufnehmen. Aber wir haben eine Warteliste, auf der immer etwa 20

Personen stehen. Die werden von uns eingeladen, an der Höge teilzunehmen, erklärte Ehren-Vörsitter Hans Reis. Übrigens: Der Beitrag kostet 15 Euro im Jahr und erwartet wird zudem eine Spende von mindestens 50 Euro im Jahr.

 Von Jens Burmester

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