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Von Pinneberg auf die Philippinen

Ratzeburg Von Pinneberg auf die Philippinen

Dr. Herbert Maurin zieht es im aktiven Ruhestand als engagierten „German Doctor“ in die weite Welt.

Ratzeburg. Finde den Fehler: Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ganz genau, in aller Regel läuft es andersrum. Die Philippinen bieten einige der schönsten Tauchplätze der Welt, das ist kein Geheimtipp mehr, und so zieht es jährlich viele Deutsche dorthin. Mindestens einmal im Jahr hat Herbert Maurin in den vergangenen zehn Jahren den Flieger Richtung Philippinen genommen. Aber nix Urlaub und Tauchen. Maurin ist Arzt im Ruhestand und er behandelt dort ehrenamtlich Menschen, die sich keine ärztliche Versorgung leisten können.

 

LN-Bild

Aus Freude am Helfen und auch ein bisschen aus Abenteuerlust zieht es den Wahlratzeburger Dr. Herbert Maurin immer wieder für die German Doctors auf die Philippinen.

Quelle: Dorothea Baumm

Ang sakit: Es tut weh. Mayroon akong isang lagnat: Ich habe Fieber. Pagtatae: Durchfall. Längst beherrscht der Mediziner die wichtigsten Vokabeln auf Filipino. „Davon ab bin ich heilfroh, dass Englisch die zweite Amtssprache ist. Und wir haben natürlich immer Übersetzer dabei“, sagt er. Ausgefüllte Arbeitstage, unter Bedingungen, die Ärzte in Deutschland bestenfalls als suboptimal bezeichnen und darüber hinaus empört ablehnen würden, Essen, das wenig mit Genuss zu tun hat – warum tut ein Mann, der mit Fug und Recht seinen Ruhestand genießen dürfte, sich das an? Immer wieder?

Zum einen ist es wohl eine gewisse Abenteuerlust, ein wenig Fernweh. „Ich hatte ursprünglich den Traum, Tropenarzt zu werden“, erzählt Dr. Maurin. Nur war der Bedarf an Tropenmedizinern gering, als er als junger Arzt durchstarten wollte – und so wurde er Facharzt für Gynäkologie. Den Blick über den Tellerrand aber, den, der in die Ferne schweift: Den hat der Arzt, der nun in Pinneberg eine eigene Praxis betrieb, nie verloren. Schon als niedergelassener Arzt packte er mehrfach seine Koffer und zog für Hilfsorganisationen in die Welt, in die Karibik und nach Kuba, „aber das war zeitlich einfach zu schwierig mit einer eigenen Praxis.“

Mit Cap Anamur ging

es in den Sudan

Der Ruhestand musste her! Mit 61 Jahren verabschiedete Dr. Maurin sich von seinen Patientinnen und sagte bei der Gelegenheit auch gleich Pinneberg adieu. Es zog ihn nach Ratzeburg, „natürlich der schönen Landschaft wegen, vor allem aber bin ich begeisterter Ruderer.“ Und wo wir schon beim Thema Wasser sind: Für sein nächstes Auswärtsspiel heuerte der Arzt bei Cap Anamur an. Der gemeinnützige Verein „Cap Anamur – Deutsche Not-Ärzte“ schickte ihn in den Sudan. Das war abenteuerlich – und wäre dem Neu-Ratzeburger auf Dauer auch zu gefährlich gewesen. Aber die Zusammenarbeit mit Cap Anamur konnte eh nicht von Dauer sein, „die möchten gern, dass man lange vor Ort bleibt, elf Monate oder so.“

So landete der reisefreudige Mediziner bei der gemeinnützigen Organisation „Deutsche Ärzte für die Dritte Welt“, die mittlerweile den prägnanteren Namen „German Doctors“ trägt. Um das gleich mal vorwegzunehmen: Es gibt für Maurin und seine engagierten Standesgenossen kein Entgelt. „Im Gegenteil, man zahlt die Hälfte des Flugtickets selbst, und es wird auch eine Spende an den Verein erwartet.“ Die Unterkunft vor Ort wird jedoch gestellt, wie man vom Flughafen dorthin kommt, ist den Helfern wiederum selbst überlassen.

Mit der rollenden

Ambulanz in die Berge

Insgesamt war Maurin 16 Mal im Ausland, zwischen sechs Wochen und fünf Monate. Allein auf den Philippinen war er nun schon zehn Mal, die Abläufe dort sind ihm längst vertraut. Die Unterkunft teilt er sich mit den anderen German Doctors, meist sind es neue Gesichter, es sind immer drei bis vier Ärzte verschiedener Fachrichtungen zugleich dort, alte, junge – naja, mehr ältere, die bereits im Ruhestand sind. Dann geht mit der Rolling Clinic, einem Geländewagen, auf Tour. An Bord sind außer dem Arzt ein Fahrer, ein Übersetzer und ein Apotheker. Alles Einheimische, und jeder muss alles können, vor allem der Fahrer: „Der ist so ein bisschen Mädchen für alles.“

Gefahren wird auf festen Routen, die rollende Ambulanz ist dann meist zehn Tage unterwegs. Vor Ort gibt es freiwillige Helfer, die einen Ort zum Behandeln vorbereitet und die Patienten eingewiesen haben. 100 wartende Menschen sind dort keine Seltenheit – in die Bergdörfer kommt sonst kein Arzt, und die Menschen kommen nicht zu den Ärzten in den Städten – die sie im Übrigen auch gar nicht bezahlen könnten.

Zur Begrüßung gibt es eine Einweisung in Sachen Hygiene, um die es in den Bergdörfern der Philippinen schlecht bestellt ist. Dann geht es los. Dr. Maurin arbeitet allgemeinmedizinisch, zu 70 Prozent sind es Kinder, die er behandelt. Kleinere chirurgische Eingriffe kann er vor Ort vornehmen, für größere Operationen werden die Menschen an die Krankenhäuser verwiesen.

Zwischen den Zehn-Tages-Touren haben die Ärzte frei. Drei, manchmal sind es vier Tage. Dann unternehmen die German Doctors auch mal etwas zusammen, machen einen Ausflug, bevor es wieder losgeht mit der Rolling Clinic, durch Täler, über Berge, durch Flüsse, zur armen Bevölkerung.

Arbeiten unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen. Schnelle, souveräne Entscheidungen ganz allein treffen müssen, viele Handgriffe selbst erledigen, die in Deutschland das Pflegepersonal übernehmen würde. Nicht nur die Hälfte der Reisekosten selbst tragen, sondern auch das eigene Gerät dabei haben müssen: Ohrenspiegel, Stethoskop, was man so braucht. „Manche Kollegen bringen sogar eigene Medikamente mit.“ Fort- und Weiterbildungen in einem Alter, in dem andere vom Sessel aus den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Warum macht man das? Herbert Maurin muss nicht überlegen.

„Dort kann ich medizinisch arbeiten ohne bürokratische Hindernisse. Dort bin ich als Arzt nicht auf einen Krankschreiber reduziert. Das ist das reine Helfen- und Heilen-Wollen.“ Und selbst mit 73

Jahren liebt er die Herausforderung: „In der Medizin lernt man nie aus. Dort, in den Bergen, bin ich ganz auf meine fünf Sinne angewiesen. Viele Hilfsmittel der modernen Krankenhausmedizin fehlen dort.“ Man müsse sich vorbilden, „ich habe vorbereitend tropenmedizinische Kurse absolviert“ – endlich hat sich der Traum der frühen Jahre ein Stück weit erfüllt. Im April ist Dr. Maurin nach fünf Monaten von den Philippinen zurückgekehrt, im November will er wieder los. Dann kann er seinem Team dort sagen „Ako pabalik“ – da bin ich wieder.

Die Philippinen . . .

. . . sind ein Staat und Archipel mit 7107 Inseln im westlichen Pazifischen Ozean, gehören zu Südostasien und bilden den fünftgrößten Inselstaat der Welt. Manila, die Hauptstadt, zählte 2010 1, 652 Millionen Einwohner. 2013 lebten auf den Philippinen 98,39 Millionen Menschen. Amtssprachen sind Englisch und Filipino.

Etwa 20 Taifune suchen die Philippinen jährlich heim , es ist mit Erd- und Seebeben sowie Tsunamis zu rechnen. Vor allem in der Regenzeit – von Juni bis November – kommt es immer wieder zu heftigen Regenfällen, die mit Überschwemmungen und Erdrutschen einhergehen können.

Anschläge philippinischer terroristischer Gruppierungen können sich überall im Land ereignen. Auf Mindanao ist die Gefahr jedoch besonders hoch. Die Anschläge werden von islamistischen Extremisten, aber auch durch landesweit operierende kommunistische Rebellen der NPA begangen.

Deutsche Ärzte im Ausland

Freiwillige Arzteinsätze in Entwicklungsländern leisten. Dort helfen, wo das Elend zum Alltag gehört: Das hat sich der Verein German Doctors auf die Fahnen geschrieben.

Die Organisation wurde 1983 von einem Jesuitenpater gegründet. Seither gab es mehr als 6700 Einsätze mit mehr als 3100 Medizinern. So versorgt zum Beispiel ein German Doctor, der sechs Wochen in Nairobi arbeitet, im Durchschnitt etwa 1200 Menschen medizinisch.

Auf der Homepage der gemeinnützigen Organisation ist zu lesen: „Wir sind eine international tätige Nichtregierungs-Organisation, die unentgeltlich arbeitende Ärztinnen und Ärzte in Projekte auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch, Kenia und Sierra Leone entsendet. Wir setzen uns für ein Leben in Würde ein und kümmern uns um die Gesundheitsversorgung und die Ausbildung benachteiligter Menschen in unseren Einsatzregionen.

Durch Präventivmaßnamen wie begleitende Ernährungsprogramme oder Hygieneschulungen sind wir zudem bestrebt, die Gesundheit unserer Patienten auch langfristig zu verbessern. Unsere Hilfe gewähren wir allen Menschen ohne Ansehen von ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen.“

Übrigens arbeiten in Deutschland um die 350000 Ärzte. Mehr als 340 von ihnen leisten jährlich einen Auslandseinsatz für die German Doctors. teo

Quelle: Wiki/auswärtiges Amt Dorothea Baumm

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