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Lauenburg Von der Walz zurück nach Poggensee
Lokales Lauenburg Von der Walz zurück nach Poggensee
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20:21 02.07.2013
Von Jens Burmester
Das ist der Moment, auf den Sylvia Prüßmann lange gewartet hat: Sie kann ihren Sohn endlich wieder in die Arme schließen. Sein Vater Sven (hinter dem Ortsschild) kommt ebenfalls. Zahlreiche Freunde und Nachbarn (rechts und hinten im Bild ) halten die Szene mit ihren Fotoapparaten fest. Quelle: Fotos: Jens Burmester

Drei Jahre, drei Monate und drei Tage war Zimmerer Kai Prüßmann auf der Walz. Jetzt kehrte er in seine Heimat zurück. Seine Familie und seine Freunde bereiteten ihm einen tollen Empfang.

Am 27. März 2010 war Prüßmann abgereist. Der Weg führte ihn mit seinem „Exportgesellen“ zunächst nach Hohenweststedt. Jeder Neuling unter den wandernden Handwerkern hat so einen Gesellen, der ihn losbringt. Losgehen darf nur, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, jünger als 30, unverheiratet und unverschuldet ist. Drei Jahre und einen Tag dauert die Wanderschaft mindestens. In dieser Zeit dürfen die Wandergesellen nicht näher als 50 Kilometer an ihren Heimatort herankommen. „Während des ersten Jahres müssen wir im deutschsprachigen Raum bleiben, in Deutschland, der Schweiz oder Österreich zum Beispiel. Erst danach steht uns die ganze Welt offen“, sagt Prüßmann.

Seine Walz führte ihn weiter über Heide nach Celle und Würzburg. Später bereiste er auch die Schweiz, Österreich, Schweden, war in Oslo, in Amsterdam und auch in Schottland, Irland, Belgien und Frankreich. Nach Übersee habe es ihn nicht gezogen, sagt der 23-Jährige. Seine Eltern hat er gerade viermal während seiner Reise getroffen. Natürlich immer außerhalb der 50-Kilometer-Zone um seine Heimat. Ansonsten gab es höchstens Kontakt per Brief. „Es ist zuerst ein komisches Gefühl. Man weiß nicht, wo der Junge ist, wie es ihm geht“, sagt sein Vater Sven Sloboda. Es dauere, bis man sich daran gewöhne, dass der Junge unterwegs ist. Doch eigentlich sei es keine Gewohnheit.

Wie sehr sich Mutter Sylvia, Vater Sven, die Geschwister Marion und Jan sowie Schwager Sven auf die Rückkehr freuten, war ihnen deutlich anzumerken. Die Nervosität war ihnen anzusehen, und als Kai dann mit neun weiteren ehrsamen fremden Gesellen über den kleinen Hügel kam und auf seine Heimat Poggensee zusteuerte, wurden die Anspannung immer größer. Schließlich wollten die Eltern ihren Sohn nur zu gern wieder in die Arme schließen. Doch der ließ sich Zeit. Zuerst mussten noch einige Rituale abgearbeitet werden, musste die Flasche noch ein letztes Mal kreisen. Dann rief einer der Gesellen: „Wollt ihr ihn zurück haben?“ — Und wie sie wollten. Die Familie, die Jugendfeuerwehr, deren Ausbilder Kai Prüßmann einst war, die Freunde, die Nachbarn — alle wollten ihn zurück haben. Und dann marschierte er die letzten Meter bis zum Ortsschild, wo alle warteten. Später folgten dann auch die anderen Gesellen. Matthias aus Schweinfurt, Eilrich aus Wahrenberg, Ronny aus Ditfurt, Florian aus Aalen, Matthias aus Rosental bei Stuttgart, Thomas aus Dittenheim, Daniel und Sebastian aus Braunschweig und Florian aus Weseloh. Sie alle hatten von der Heimkehr gehört, denn so etwas wird in den Herbergen angekündigt, und sie wollten dabei sein und mit Kai Prüßmann die Heimkehr feiern. Denn auch das ist ein Fest, ein Ritual, das die rechtschaffenen fremden Gesellen gerne fröhlich feiern, Über seine Zukunft hat sich Kai Prüßmann noch keine Gedanken gemacht. Die ersten Tage in der Heimat wird er viel zu berichten haben über seine Erlebnisse. Außerdem sind noch einige der neun Gesellen bei ihm zu Gast. Die aber zieht es in diesen Tagen weiter. Kai Prüßmann blickt ihnen ein wenig mit Sehnsucht hinterher. Es war eine schöne Zeit, die er nicht missen möchte und die eigentlich viel zu früh zu Ende gewesen sei.

Schwarze Ehrbarkeit
Reisende rechtschaffene Gesellen erkennt man an der Kluft mit weitem Hosenschlag und schwarzer Ehrbarkeit. Die trägt er ständig während der dreijährigen Wanderschaft, auch wenn er arbeitet. Er kann reisen und arbeiten, wo es ihm beliebt. Immer dabei hat der Geselle seinen Charlottenburger, ein Tuch für das Hab und Gut, sowie den Stenz, einen Stock. Die Reisen werden im Wanderbuch festgehalten. jeb

Jens Burmester

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