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Lauenburg Vorkaufsrecht des Kreises für Flächen gefährdet Landwirte
Lokales Lauenburg Vorkaufsrecht des Kreises für Flächen gefährdet Landwirte
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18:19 19.12.2015
Martin und Britta Pfeiffer, Peter Koll, Peter Buhk, Frederik Schmoldt und Marcus Meyer (von links) kritisieren, dass dem Land etwa für die Moorflächen entlang der Autobahn 25 künftig im Landesnaturschutzgesetz ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden soll. Quelle: Timo Jann

Landwirtschaftlich nutzbare Flächen werden immer knapper. Wohn- und Gewerbegebiete werden ausgewiesen, Straßen gebaut, dafür muss auch ein Ökoausgleich geschaffen werden. Und jetzt will sich das Umweltministerium in Kiel bei einer Novellierung des Landesnaturschutzgesetzes auch noch ein Vorkaufsrecht für bestimmte Flächen sichern.

„Schon heute sind der Kreis und die Stiftung Naturschutz mächtige Konkurrenten der Landwirte beim Buhlen um Flächen. Wenn das Land nun auch noch ein Vorkaufsrecht bekommt, wird das alles noch viel schlimmer. Das gefährdet Betriebe“, erklärt Peter Koll, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes.

Besonders betroffen sind die Landwirte, die entlang der Autobahn 25 die Moorflächen bewirtschaften. „Der Kreis hat dort schon im großen Stil Flächen aufgekauft und verpachtet diese. Da werden uns dann aber Vorgaben für die weitere Bewirtschaftung gemacht, die kaum noch zu leisten sind“, erklärt Peter Buhk, der in Besenhorst seinen Hof betreibt. Koll: „Der Ertrag der Flächen reicht einfach nicht mehr aus, um sie bewirtschaften zu können. Da droht dann eine Versteppung der Natur, wenn die Nutzung ausbleibt.“ Normalerweise können bei einer Bewirtschaftung etwa 30 Rundballen Heu pro Hektar geerntet werden, auf extensiven Flächen sind es nur fünf Ballen — bei gleichem Aufwand. Außerdem sind Beiträge der Landwirte für Berufsgenossenschaft und Krankenkasse in Abhängigkeit der Flächengröße zu zahlen.

Martin Pfeiffer aus Escheburg konnte sich nur noch mit Glück 18 Hektar Weideland auf den Moorwiesen sichern, bevor das Vorkaufsrecht wohl 2016 in Kraft treten wird. „Der Besitzer hatte sich bei mir gemeldet und berichtet, dass der Kreis die Flächen kaufen will. Da ich die Flächen gepachtet habe, hat er sie mir angeboten und ich habe zugegriffen“, so Pfeiffer. Wegen des großen Interesses an den landwirtschaftlichen Flächen haben sich die Preise in 15 Jahren bereits verdreifacht, bis zu zwei Euro je Quadratmeter werden heute gezahlt. „Der Kreis hockt auf Geld“, weiß Koll. Das stammt aus Ausgleichszahlungen, wie vom Bau von Windkraftanlagen. Da werden etwa 80000 Euro pro Anlage fällig. „Der Kreis kann damit natürlich im großen Stil Flächen kaufen“, sagt Koll.

In der Folge werden den Pächtern strenge Auflagen gemacht. So wird in den Moorflächen die gewohnte Entwässerung zurückgefahren, außerdem darf erst spät gemäht werden. „Ich darf meine Rinder nur noch von Juni bis Oktober auf die Weide stellen, soll aber für das ganze Jahr die Pacht zahlen“, erklärt Fredrik Schmoldt aus Altengamme. „Auf diesen Flächen lohnt sich nicht einmal mehr eine extensive Bewirtschaftung“, sagt er.

Was nicht mehr bewirtschaftet wird, versteppt. Das hat man in Geesthacht zuletzt auf der Elbinsel erfahren. Heute zahlt die Stadt Landwirt Marcus Meyer aus Besenhorst Geld für seine dort weidenden Rinder, damit die den Bewuchs kurz halten. Meyer: „Unsere Art der Bewirtschaftung der Flächen, und das gilt nicht nur für die Elbinsel, ist für die Flächen in dem als schützenswert erkannten Zustand überlebenswichtig. Unsere Arbeit hat doch erst dafür gesorgt, dass die Flächen so wurden, dass man sie jetzt unter Schutz stellen will.“ Doch auf einigen Flächen darf nicht einmal mehr das giftige Jacobskreuzkraut bekämpft werden. Für Pferde und Kühe ist das Heu damit tabu.

„Das Land wird einen großen finanziellen Aufwand betreiben müssen, wenn es die Landwirte von den Flächen vergrault hat und die Natur erst versteppt“, warnt Koll. „Man fragt sich, wem das noch nützt.

Außerdem verhindert man die Entwicklung der Betriebe“, sagt er.

In Kiel hat das geplante neue Landesnaturschutzgesetz bereits die erste Lesung im Landtag passiert. „Es geht jetzt in den weiteren parlamentarischen Ablauf“, berichtet Nicola Kabel, die Sprecherin von Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Der hat es sich mit der Novellierung mit den Landwirten erneut verscherzt, wohl 2016 sollen die Änderungen in Kraft treten. Dazu gehört dann auch eine neue Definition „der guten fachlichen Praxis“. Koll: „In Kiel meint man, es besser als in Berlin und Brüssel zu wissen, wo es ja schon Naturschutzvorgaben gibt.“

„Fakt ist, dass bisher keine unserer Flächen aus der Bewirtschaftung genommen wurde“, sieht Karsten Steffen, der Sprecher des Kreises, die Situation nicht kritisch. Im Jahr 2015 wurden Flächen von fast 30 Hektar angekauft. Steffen: „Für diesen Ankauf, berechnet ist ausschließlich der Kaufpreis, wurden Mittel in Höhe von 477621,30 Euro verwendet.“ Die angekauften Flächen mussten im naturschutzfachlichen Sinne aufwertbar sein, sonst wäre kein Ankauf erfolgt, so Steffen.

Verlust wertvoller Ackerflächen
Betroffen vom „Kaufwahn“ des Kreises ist nicht nur das Moorgebiet an der A 25. Auch in Alt Mölln und bei Woltersdorf hat der Kreis bereits dank der Mittel aus den Ausgleichszahlungen zugeschlagen. „Da sind richtig wertvolle Ackerflächen verloren gegangen“, sagt Peter Koll.
In Kiel meint man, es besser als in Berlin und Brüssel zu wissen.“ Peter Koll, Geschäfts- führer des Kreisbauernverbandes

Timo Jann

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