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Lauenburg Waffen, Munition und Chemikalien bei Hausdurchsuchung entdeckt
Lokales Lauenburg Waffen, Munition und Chemikalien bei Hausdurchsuchung entdeckt
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23:09 23.06.2017
Großeinsatz in Sahms: Die Polizei stellte jede Menge Waffen, Munition, Waffenteile und Chemikalien sicher. Der Besitzer wurde verhört. Quelle: Timo Jann
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Sahms/Schwarzenbek

Ausnahmezustand in Sahms vor den Toren Schwarzenbeks: Bei der Durchsuchung eines Einfamilienhauses an der Dorfstraße entdeckten Polizisten am Donnerstag zufällig Unmengen an Waffen, Munition und möglicherweise brisanten Chemikalien. Eigentlich wollten die Beamten bei dem 40-Jährigen nur gestohlene Bienenkästen und Wildkameras aufspüren. So entwickelte sich der Einsatz aber zur großen Lage einschließlich Kampfmittelräumdienst und Löschzug Gefahrgut der Feuerwehr. Die Ortsdurchfahrt war sechs Stunden lang voll gesperrt.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke von der Hausdurchsuchung bei einem Mann in Sahms zu sehen, bei der Polizisten am Donnerstagabend zahlreiche Waffen, unzählige Schuss Munition und geschätzt 100 verschiedene Chemikalien unklarer Art sichergestellt haben.

Bei Grabau hatte ein Mann am 11. Juni erst sechs Bienenkästen und eine Woche später zwei Wildkameras gestohlen. Der Täter übersah allerdings eine Kamera, die ihn aufnahm. Über diese Bilder kamen die Ermittler des Schwarzenbeker Polizeireviers dem 40-Jährigen auf die Schliche. Sie beantragten einen Durchsuchungsbeschluss und bekamen grünes Licht für die Aktion, die schließlich am Donnerstag um 15.30 Uhr begann.

Neben dem vermuteten Stehlgut stießen die Polizisten dann auch auf die brisanten Sachen. „Im Wesentlichen handelte es sich um 31 Lang- und Kurzwaffen beziehungsweise Waffenteile“, erklärte gestern Polizeisprecher Holger Meier. Unter anderem wurde ein russisches Sturmgewehr mit Zieleinrichtung vom Modell AK 47 gefunden, außerdem Maschinengewehr-Munition und eine Personenabwehrmine. Außerdem mehrere PTB-Waffen, die ab 18 Jahren zum Erwerb frei sind, aber einen kleinen Waffenschein erfordern.

Außerdem entdeckten die Beamten etwa 100 Kilogramm verschiedene Chemikalien, wohl 100 Sorten, darunter Salpetersäure, Salzsäure, Schwefelsäure, Phosphorsäure und Strontiumcarbonat. Meier: „Nach einer ersten Einschätzung sind die aufgefundenen Chemikalien einzeln für sich frei erhältlich. Ob die Stoffe in Verbindung möglicherweise für zünd- oder explosionsfähige Mischungen geeignet sind, steht noch nicht fest.“ Chemiker sollen jetzt bei der Untersuchung helfen. Zudem gilt es zu ermitteln, welche strafrechtlichen Tatbestände durch den Besitz der Waffen und Chemikalien möglicherweise erfüllt wurden. Unklar ist, was der 40-Jährige mit den Sachen im Schilde führte.

Hans-Joachim Püst, der Bürgermeister von Sahms, zeigt sich von dem offensichtlichen Sammelwahn des Mannes schockiert. „Das ist ein total unauffälliger Mann, vielleicht ein bisschen ein Eigenbrödler, seit seine Eltern früh starben“, sagt Püst. Der gelernte Tischler arbeitet bei einem großen Schwarzenbeker Unternehmen, seine Leidenschaft für Waffen ahnte dort niemand. Püst sagt: „Was da hätte passieren können. Etwa wenn bei einem Brand unsere Feuerwehr da rein gemusst hätte.“

So ging alles gerade noch einmal gut. Nachdem die Fundstücke auf zwei Transportern verladen waren, brachte eine Polizei-Eskorte mit den Gefahrgut-Spezialisten die Chemikalien zum Schwarzenbeker Bauhof an der Industriestraße, die Waffen wurden ins Revier der Polizei an der Compestraße gebracht.

Der Einsatz zog sich bis 22 Uhr hin, dann kehrte im Dorf wieder Ruhe ein. Für die wegen der Schwarzenbeker Brandstiftungs-Serie ohnehin stark belastete Polizei beginnt derweil die eigentliche Arbeit in diesem Fall erst. Woher hatte der Mann die Waffen? Hatte er damit etwas vor?

 Von Timo Jann

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