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Lauenburg Walksfelder Initiative fürchtet Infraschall durch Windräder
Lokales Lauenburg Walksfelder Initiative fürchtet Infraschall durch Windräder
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20:16 09.01.2016
Volles Haus bei der jüngsten Einwohnerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus Walksfelde. Es ging um das Thema Windkraftanlagen. Einige Bürger befürchten gesundheitliche Schäden. Quelle: Fotos: Jens Burmester

Klare Forderungen gegen eine Bebauung mit Windkraftanlagen in ihrer Gemeinde haben Mitglieder einer neuen Bürgerinitiative jetzt in Walksfelde vorgestellt.

Dabei stellen sich die Menschen in der 222 Einwohner zählenden Gemeinde nicht gegen die Windkraftanlagen im Allgemeinen. Vielmehr richtet sich der Protest gegen die Nähe zur Gemeinde, in der solche bis zu 200 Meter hohen Bauwerke stehen sollen. Die Gemeinde will erreichen, dass die Anlagen erst in mehr als 800 Metern Entfernung gebaut werden dürfen.

Mehr als 50 Einwohner waren am Dienstagabend im Dorfgemeinschaftshaus zusammen gekommen, um dem Vortrag von Dr. Kai Hoefken zu folgen. Der 46-jährige Facharzt für Orthopädie wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern seit 2002 in Walksfelde. „Ich bin damals hierher gezogen, weil meine Familie hier ein besseres Umfeld als in der verpesteten Luft der Großstadt haben sollten“, sagt der Mediziner, der inzwischen sogar Bienen und Hühner züchtet.

Hoefken gehört der neuen Bürgerinitiative an, die zwischen Weihnachten und Neujahr gegründet worden ist. Auch Professor Dr. Edgar Volmer (52), Gesundheitswissenschaftler an der Uni Friedensau bei Magdeburg, gehört zu ihr und hatte mit seinem Kollegen einen interessanten Vortrag erarbeitet. Am Ende gab es viel Beifall und niemand der Anwesenden verlies den Raum, ohne die Resolution unterschrieben zu haben.

Hoefgen machte in seinem Vortrag besonders deutlich, wie gefährlich der so genannte Infraschall sei. „Gesundheitliche Auswirkungen von Infraschall werden kontrovers diskutiert. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist eine abschließende Beurteilung noch nicht möglich“, so Hoefgen. Es existierten viele Studien und Fallbeschreibungen, die negative Auswirkung von Infraschall beschrieben. Weitere Studien aber seien erforderlich und würden von Ärztekammern empfohlen. Von Windkraftanlagen werde zweifelsfrei Infraschall und tieffrequenter Schall emittiert, der sich von dem sonstigen Infraschall und tieffrequentem Schall (zum Beispiel Wind) erheblich unterscheide. Dies gelte insbesondere für die neuen Anlagen der zwei bis drei Megawatt Klasse mit einer Höhe von 150 bis 200 Metern.

„Die Windräder sorgen nicht nur für Lärm und Vibration (Infraschall)“, so Hoefgen. Vielmehr minderten auch Schattenschlag und Eiswurf die Attraktivität des Grundstückes erheblich. Der Verband Schleswig-Holsteinischer Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer beziffere die Verluste auf etwa 30 Prozent und spreche zum Teil sogar von der Unverkäuflichkeit der betroffenen Objekte.

Der Walksfelder Gemeinderat hatte in seiner letzten Sitzung des vergangenen Jahres folgenden Beschluss gefasst: „Die Gemeindevertretung der Gemeinde Walksfelde lehnt den Bau 180 Meter hoher Windkraftanlagen in einer Entfernung von nur 800 Metern von der Walksfelder Wohnbebauung ab und beauftragt den Bürgermeister, an den Beratungen zur Teilfortschreibung der Windkraftanlagen in diesem Sinne teilzunehmen.“

„Von meiner Seite als Bürgermeister war dies eine wichtige Informationsveranstaltung unserer neu gegründeten Bürgerinitiative für Menschen und Umwelt, an der immerhin über 50 Bürger teilgenommen haben und eine Resolution gegen die die geplanten bis 200 Meter hohen Windkraftanlagen in nur 800 Meter Entfernung unterschrieben haben.“ Schon am Morgen hätten besorgte Bürger angerufen, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen könnten, und hätten gesagt, dass sie ebenfalls mit ihrer Unterschrift bekunden wollen, dass sie die Abstandsregelung der Landesplanung ablehnen, sagte Bürgermeister Horst Soecknick.

Er fühle sich als Bürgermeister dadurch gestärkt und beauftragt, sich in diesem Sinne für seine Bürger einzusetzen. Er wolle schützend für seine Bürger eintreten und werde alles versuchen, auf der politischen Ebene so zu wirken, um eventuell die 800-Meter-Grenze noch verändern zu können.

Das werde er zunächst bei einer Informationsveranstaltung des Landes am 12. Januar in Kiel versuchen, an der er als Bürgermeister teilnehme. „Ich will versuchen, mich in die Diskussion einzubringen.

Es ist einen Versuch wert.“

Keiner soll später sagen können, die kleine Gemeinde habe nichts versucht. Soecknick: „Aber ich bin mir auch bewusst, dass die Wind-Lobby in Schleswig-Holstein sehr groß ist — Leider.“

Jens Burmester

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