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Warum macht die Arbeit im Ratzeburger Rathaus krank?

Ratzeburg Warum macht die Arbeit im Ratzeburger Rathaus krank?

Seit 2013 steigt der Krankenstand stetig – mittlerweile über 30 Fehltage pro Mitarbeiter – erste Kommunalpolitiker zweifeln, dass Bürgermeister Voß die Probleme lösen kann.

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„Schreiben Sie doch, was ihnen aus der Feder fließt“, erklärte Bürgermeister Rainer Voß auf die Bitte um eine Stellungnahme.

Quelle: Fotos: Strunk/ln-Archiv

Ratzeburg. Der Krankenstand in der Ratzeburger Stadtverwaltung bleibt ein heiß diskutiertes Thema, zumal er sich von Jahr zu Jahr verschlechtert hat und mittlerweile doppelt so hoch ist wie in anderen Stadtverwaltungen im Lauenburgischen. „Exorbitant“ weiche er vom Durchschnittswert ab, erklärte jetzt Uwe Martens (SPD) in der Sitzung des Finanzausschusses.

Ausschussvorsitzender Erich Rick (CDU) hatte die Zahlen öffentlich genannt: 2013 waren es im Durchschnitt 21 Krankentage je städtischem Mitarbeiter, im Jahr darauf war die Zahl auf 27,2 und 2015 sogar auf 30,28 Krankentage hochgeschnellt. Und auch für dieses Jahr sieht es nicht besser aus: Durchschnittlich 17,26 Fehltage pro Mitarbeiter seien in den ersten sieben Monaten registriert worden, gab Bürgermeister Rainer Voß auf Anfrage den LN bekannt. Hochgerechnet aufs Jahr macht das dann auch rund 30 Krankentage. Ausschussvorsitzender Rick: „Die Tendenz ist sehr, sehr bedenklich“. Damit müsse man sich beschäftigen, vor allem in Hinblick auf den November, wenn es um den städtischen Stellenplan gehe. Krankenkassen würden laut Rick in ihren Reporten bei hohem Krankenstand immer auch das Arbeitsklima und die Rolle der Leitung ansprechen.

Dass das Arbeitsklima in der Ratzeburger Stadtverwaltung zu wünschen übrig lässt, ist ein offenes Geheimnis. Das Problem: Es spricht kaum jemand öffentlich darüber. Die Mitarbeiter sind eingeschüchtert, die Politik hält sich meist zurück. Allein die Freien Wähler Ratzeburg (FRW) hatten in der Vergangenheit eine Ausnahme gemacht.

Fraktionschef Jürgen Hentschel erklärte dazu auf LN-Nachfrage: „Auffallend ist, dass die Krankenstände von Jahr zu Jahr zunehmen. Natürlich können Langzeiterkrankte die Statistik verzerrt darstellen, aber über Jahre hinweg scheint sich ein stetig wachsendes Problem ergeben zu haben, das es gilt, in den Griff zu bekommen.“

Eine mögliche Ursache könne die Nichtbesetzung von freien Stellen durch ein zu hohes Anforderungsprofil sein, die zu Mehrbelastungen und zu Unzufriedenheit der Mitarbeiter führe, so Hentschel weiter.

Auch das Beschneiden von Aufgabengebieten, das Nicht-Einbinden in Entscheidungen des Bürgermeisters und die Umsetzungen von Personal innerhalb der Verwaltung trage zum Gesamtbild bei. Hentschel:

„Bürgermeister Voß täte gut daran, die Verwaltung wieder fit, effizient und schlagkräftig zu bekommen.“

Klaus-Stefan Clasen (Grüne) sieht Bemühungen des Bürgermeisters: So sei angedacht, einen Gesundheitsmanager einzustellen.

Stefan Koch, Fraktionsvorsitzender der CDU, erklärte: „An den Krankheitsständen wird gearbeitet“. Bezüglich der Personalangelegenheiten (Ausschreibung, Auswahl der neuen Amtsleiter) sei die CDU-Fraktion „im ständigen Dialog mit der Verwaltung“.

Sami El Basiouni von der BfR (Bürger für Ratzeburg), die gemeinsam mit der FDP eine Fraktion in der Stadtvertretung bilden, sagt, dass „das Arbeitsklima überdacht werden“ müsse.

Thomas Kuehn, Fraktionschef der FDP/BfR vertritt die Auffassung: „Personalführung ist Angelegenheit des Verwaltungsleiters. Da muss man ihn machen lassen.“

Ganz anders sieht es die Ratzeburger SPD. Der Fraktionsvorsitzende Oliver Hildebrandt erklärt: „Unseres Erachtens spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Diese gehören verwaltungsintern ermittelt und bekämpft sowie vom dafür zuständigen Hauptausschuss begleitet.“ Offenbar sei die Besetzung von Planstellen „auf Basis entsprechender Ausschreibungen, wenn sie denn überhaupt erfolgen“, ein außerordentlich großes Problem. „Wir erwarten, dass hier mit wesentlich größerem Einsatz und mehr Kreativität nach Personal gesucht wird.“ Sicherlich gebe es laut Hildebrandt „noch diverse andere Ursachen für die in Rede stehende Problematik. Einschlägigen Studien zufolge gehören hierzu zum Beispiel regelmäßig schlecht funktionierende Führungsstrukturen innerhalb eines Betriebes oder einer Verwaltung. Hier gilt es in der Führungsebene des Rathauses selbstkritisch zu reflektieren und, möglicherweise unter Hinzuziehung von Fachleuten auf diesem Gebiet, Mängel aufzudecken und abzustellen. Aus Sicht der Ratzeburger SPD-Fraktion muss an der Verbesserung des Zustandes definitiv intensiver gearbeitet werden als bisher.“

Bürgermeister Rainer Voß wollte trotz mehrfacher Nachfrage der LN keine Stellung nehmen.

So sieht es in den anderen Stadtverwaltungen im Kreis aus

In Möllns Stadtverwaltung (294 Mitarbeiter) kam es im ersten Halbjahr 2016 zu 3404 krankheitsbedingten Fehltagen, durchschnittlich 11,6 pro Mitarbeiter. Davon gab es neun Fälle mit mehr als 40 Fehltagen am Stück, die 957 Tage ausmachten. Rechnet man diese Fälle heraus, liegt die Quote bei 4,03 Prozent.

2015 hatte es 4391 Fehltage gegeben. Alle Abteilungsleiterposten sind besetzt.

In der Schwarzenbeker Verwaltung mit 138 Mitarbeitern gab es 1246 Fehltage (9,02 pro Mitarbeiter). Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig leitet auch den Fachbereich 5, Finanzmanagement. Weitere Fachbereichsleiterstellen sind nicht unbesetzt.

In der Lauenburger Verwaltung (52 Mitarbeiter) gab es bis zum 31. 7. 2016 genau 388 Fehltage (darunter ein Langzeitkranker mit 117 Tagen), also durchschnittlich 7,4 Fehltage pro Mitarbeiter. Die Krankheitsquote betrug 5,21 Prozent. Alle leitenden Stellen sind besetzt.

In Geesthacht liegt bisher nur die 2015er Statistik vor. Hier wurden in der Verwaltung (550 Mitarbeiter) durchschnittlich 21,49 Fehltage pro Mitarbeiter registriert (Quote: 7,12 Prozent). ge

Joachim Strunk

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