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Lauenburg Was macht eigentlich Gudows ehemaliger Pastor Helms?
Lokales Lauenburg Was macht eigentlich Gudows ehemaliger Pastor Helms?
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10:13 22.08.2016
Vom Pastorat aus blicken die Helms’ auf die schmucke Kirche von Lassahn.

Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet: Wer kennt sie nicht, diese Worte aus dem Ehegelöbnis. Schnell gesprochen, manchmal schwer einzuhalten, allzu oft gebrochen. „Früher hat man eine Pfarrstelle gewählt, und das war wie eine Ehe. Heute wird oft schon nach zehn Jahren gewechselt“, sagt Peter Helms. Er ist einer von den Standhaften. 32 Jahre hat er als Pastor der Kirchgemeinde Gudow die Treue gehalten. „Für uns war die Gemeinde wichtig, die Verbindung mit den Menschen. Auch nach 32 Jahren gab es noch immer Neue(s) zu entdecken.“

 

Pastor i. R. Peter Helms und seine Frau Christa. Helms hält seit 15 Jahren Gottesdienste in Lassahn ab, obwohl er vor 15 Jahren in Gudow in den Ruhestand getreten ist, seine Frau spielt die Orgel. Quelle: Fotos: D. Baumm

Mit „uns“ meint Peter Helms sich und seine Christa. Dass er als noch junger Geistlicher in Gudow gelandet ist, hat Helms nämlich seiner Frau zu verdanken. 1969 war das. Helms war damals nach dem Theologie-Studium in Erlangen, Heidelberg und Basel und Vikariat in Siebeneichen und Preetz eine Stelle in Hamburg-Bramfeld angetreten. Als er sich der Liebe wegen ins Lauenburgische versetzen lassen wollte, wurde Gudow draus. Der Beginn einer berufslebenslangen Liebe war also der Liebe geschuldet.

Wie viele Gudower er getauft, konfirmiert, getraut und beerdigt hat, weiß er aus dem Kopf nicht zu sagen. Viele, sehr viele. Und er hat sein Leben, seinen Beruf, die Berufung in Gudow geliebt: „Ich habe nahezu jeden Tag genossen.“ Zeit, die er auch in der Marienkirche zu Gudow verbracht hat. Schon damals übrigens immer mit Blick über die Grenze: „Wir hatten die DDR ja so dicht vor der Nase, da konnte man die Augen gar nicht vor verschließen.“

Die Zonengrenze war Teil des Alltags. Oft genug kaum noch wahrgenommen. Helms aber hat sie sich immer wieder ins Bewusstsein geholt, hat manchmal den Drahtesel rausgeholt und ist an der Grenze entlanggefahren. Bis die Dorfkirche von Greven im Mecklenburgischen in Sichtweite kam, war es nicht weit. Wenn er die Glocken läuten hörte, habe er die Hände zum Gebet gefaltet, erzählt Helms.

Und dann hat er noch eine wilde Geschichte in petto. „Einmal bin ich mit meinem Sohn mit dem Schlauchboot losgefahren. Ich wollte unbedingt die Kirche von Lassahn aus der Nähe sehen.“ Ein guter Plan.

Nur kam Wind auf, „und bei Wind verhält sich so ein Schlauchboot ähnlich wie ein Segel.“ Also ging es unangenehm flott quer über den Schaalsee – durch den die Grenze zur DDR verlief. Und die DDR-Grenzer waren, wie man weiß, mit Humor und Nachsicht kaum gesegnet. „Wir haben also nicht um unser Leben, aber doch um unsere Freiheit gerudert“, erinnert sich der Geistliche. „Wir wollten schon in den See springen, das Schlauchboot seinem Schicksal überlassen und zurück schwimmen. Aber dann bekamen wir das Boot mit großer Anstrengung doch ans sichere westliche Ufer zurück.“

Fast wäre also schon damals die Lassahner Kirche sein Schicksal geworden. Dass sie viele Jahre später eine so wichtige und zentrale Rolle in seinem Leben spielen würde: Peter Helms hätte es sich damals nicht träumen lassen.

 Dorothea Baumm

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