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Lauenburg Der „letzte Schnitt“ vor Weihnachten
Lokales Lauenburg Der „letzte Schnitt“ vor Weihnachten
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14:59 22.12.2018
Für Claudia Steinkrüger (l.) und ihre Mitarbeiterinnen, hier rechts Gitta Gebauer, ist der Spaß im Beruf sowie das Teamwork absolut wichtig. Quelle: Joachim Strunk
Groß Grönau

 Die Luft ist warm und etwas feucht, der Geräuschpegel ist nicht extrem, aber hoch. Das kommt von den ständigen Haarwäschen und den vielen Püstern. Hier sitzt eine Dame unter einer Klimazone, lässt sich ihre Strähnchen trocknen, dort bläst ein Föhn das volle Haupthaar eines Herrn in die richtige Fasson.

Die Atmosphäre ist gelöst und freundlich, immer wieder erklingt ein helles Lachen. Man kennt sich und versteht sich im Salon von Claudia Steinkrüger & Friseure in Groß Grönau. „Wir sind Friseure aus Überzeugung“, sagt die Chefin. Die gebürtige Rostockerin ist seit 29 Jahren im Beruf, seit 2014 mit einem eigenen Salon selbstständig in Groß Grönau und beschäftigt zwei feste Angestellte und in der jetzigen Hochzeit auch noch eine Aushilfe.

aus dem Groß Grönauer Salon „Claudia Steinkrüger & Friseure“

Die „Überzeugung“ betont sie, weil sie gerade von schwarzen Schafen ihrer Branche mit deren „Barbershops“ gelesen hat (LN berichteten). Jene arbeiten meist allein, bieten keinerlei Zusatzservice an, gelten als Kleinstbetriebe und sind somit von der 19-prozentigen Umsatzsteuer befreit. Dadurch gestalten sie – zum Nachteil der etablierten Konkurrenz – ihre Dumping-Preise.

Keine gerechte Bezahlung

„Das können wir gar nicht leisten!“, schimpft die 44-Jährige. Schließlich orientieren sich ihre Preise an den verschiedenen Produkten der Friseur- und Kosmetik-Industrie, mit denen sie arbeitet. Und diese würden regelmäßig angehoben.

„Aber wenn wir die Preise für unser Handwerk erhöhen, beschweren sich die Leute massiv“, versteht Steinkrügers Angestellte Grit Berlan (45) die Welt nicht mehr. Vor allem, dass ihr Handwerk schon immer so gering geachtet und entlohnt wird wie etwa Tischler, Dachdecker oder Fleischer. Ihre Kollegin Gitta Gebauer (47) ergänzt: „Ich habe in meinem ersten Lehrjahr 150 D-Mark bekommen!“

Das hat sich unwesentlich gebessert in den vergangenen Jahren. Jetzt bekommen Azubis im ersten Jahr je nach Bundesland, Region oder auch Arbeitgeber um die 400, im zweiten rund 500 und im dritten knapp über 600 Euro. Das Brutto-Gehalt eines ausgelernten Friseurs lag vor Einführung des Mindestlohns gern mal unter 1000 Euro, heute wird je nach Region und Arbeitgeber bis zu 1800 Euro brutto ausgezahlt.

„Highlife“ im Salon

Bei Claudia und ihren Kolleginnen ist zurzeit „Highlife“. Alle 20 bis 30 Minuten klingelt das Türglöckchen, kommt und geht ein Kunde oder eine Kundin. Alle wollen noch den letzten Schnitt vor Weihnachten haben.

„Einen guten Friseursalon erkennt man daran, wie voll der Terminkalender ist“, erklärt Claudia. Dementsprechend ist die Grönauerin mit ihren Mitarbeiterinnen Spitzenklasse. Da gibt es keinen Leerlauf.

„Für Färben und Schneiden brauchen wir schon Zeit“, erklärt Claudia. So muss für Foliensträhnen, Einwirkzeit, Auswaschen, Schneiden und Föhnen je nach Haarlänge und -beschaffenheit zwischen zweieinhalb und vier Stunden angesetzt werden. Der Preis für eine solche Prozedur liegt dann zwischen 70 und 120 Euro.

Kein Traumberuf mehr?

Das niedrige Gehaltsniveau zieht immer weniger interessierte junge Leute in die Branche – obwohl Friseur früher ein Traumberuf war. Claudia Steinkrüger sucht schon seit Monaten Verstärkung, ein Plakat hängt an der Eingangstür.

Doch die Chancen stehen schlecht. Es gibt zu viel Konkurrenz und zu wenig Fachkräfte. Eigentlich müsste sie selbst ihren Nachwuchs ausbilden. Aber dafür habe sie bei dem Terminstress im Moment einfach keine Zeit.

Kreative und Magier

Wenn eine Kraft gebunden sei für das Anlernen des Azubis, falle diese wiederum aus der Produktivität. Wenn alles gut läuft, wird auch verdient. Claudia will ihren Mitarbeiterinnen einen adäquaten Lohn zahlen. Und sie übernimmt auch stets die Kosten für regelmäßige Weiterbildungen – „damit alle immer auf höchstem Niveau sind“.

Um das große Geld und Karriere geht es ihnen nicht: „Wir machen unseren Job gern. Wir fühlen uns als leidenschaftliche Kreative, als Geheimnishüter, manchmal Therapeuten oder auch Magier. Für uns ist es wichtig, dass die Kunden zufrieden sind. Ein Kompliment für unsere Arbeit ist das Schönste, was es gibt!“

Welchen Wunsch hat Claudia zu Weihnachten? „Dass unsere Kunden manchmal etwas mehr Verständnis haben, wenn wir bei vollem Kalender nicht auf jeden Wunsch flexibel reagieren können.“

Joachim Strunk

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