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Weltkriegsbunker: Relikte der Angst

Lauenburg Weltkriegsbunker: Relikte der Angst

Lauenburger Heimatbund und Geschichtsverein katalogisierte gutes Dutzend der Fluchtstätten in der Elbestadt.

Lauenburg. Stockfinster ist es in diesem Raum an der Hafenstraße in Lauenburg, kalt, feucht und schmutzig noch dazu. Man zwängt sich durch eine rostige Eingangstür hinein, die Luft riecht muffig. Schnell wird klar: Freiwillig und gern würde man einen solchen Raum eigentlich nicht betreten. Dennoch war er mal eine Art Lebensversicherung, denn es handelt sich um einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Seit Jahren forscht die Lauenburger Ortsgruppe des Heimatbunds und Geschichtsvereins nach erhaltenen, weitgehend zerstörten oder längst verschwundenen Bunkern in der kleinen Stadt an der Elbe. Ein öffentlicher Aufruf des Vorsitzenden Horst Eggert, ihm Bunker oder wenigstens die früheren Standorte zu melden, war durchaus erfolgreich. Ein gutes Dutzend solcher Bauwerke konnte inzwischen dokumentiert und katalogisiert werden.

Die Ergebnisse wurden bei Führungen, einer Ausstellung und Beiträgen für die Zeitschrift „Lauenburgische Heimat“ präsentiert, außerdem beteiligten sich die Bunker-Forscher auch am kreisweiten Heimatbund-Projekt „Unbequeme Denkmäler“.

Unbequem sind Bunker natürlich in doppelter Hinsicht: Der Aufenthalt in ihnen ist alles andere als komfortabel, und sie sind Relikte der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte. In Lauenburg wurden die meisten Bunker zu Kriegsbeginn im Bereich des Hafens gebaut. Dort befanden sich mehrere Werften und andere große Industriebetriebe, so dass wohl mit Luftangriffen auf diese Ziele gerechnet wurde.

Einer der größten Bunker war der „Hafenbunker“, der zur Kriegszeit in den 1853 fertiggestellten Bahndamm eingebaut wurde. Er sollte den am Bahnhof wartenden Reisenden als Schutzraum dienen. Aber auch die Schiffer, die mit ihren Kähnen im Hafen lagen, konnten ihn über einen Eingang am Leinpfad erreichen. „Der Bunker ist heute zugeschüttet, aber noch vollständig erhalten“, sagt Horst Eggert.

Ohnehin gut getarnt, weil in den Elbhang hineingetrieben, ist ein Bunker hinter dem alten Strommeisterhaus. Inzwischen ist er nahezu völlig von Gestrüpp überwuchert, aber er blieb nach dem Krieg weitgehend so, wie man ihn einst gebaut hatte. Eggert hat hier mal eine 70-köpfige Besuchergruppe hineingeführt, und da spürten die Menschen, wie eng es im Ernstfall in dem kuppelartig ausgeführten Betonbauwerk werden konnte. „Hier sollten vor allem Arbeiter aus den umliegenden Gewerbetrieben Schutz finden“, erklärt Eggert. Sanitäre Anlagen gibt es nicht in diesem Bunker, und bei der Vorstellung, ihn im Notfall durch einen engen senkrechten Schacht verlassen zu müssen, wird einem ganz anders. Panik wäre da nicht ausgeblieben.

Ernsthaft gebraucht wurden die Bunker in Lauenburg übrigens nur einmal, unmittelbar am Ende des Zweiten Weltkriegs. Vom 19. bis zum 29. April gab es vom niedersächsischen Elbufer aus einen von Tag zu Tag stärkeren Artilleriebeschuss auf die Stadt. Bevor britische Soldaten dann die Elbe überquerten, boten die Bauten aus Beton vielen Menschen einen willkommenen Schutz. Selbst die an verschiedenen Stellen Lauenburgs errichteten winzigen runden „Einmann-Bunker“ wurden da plötzlich aufgesucht. Aus der Luft bombardiert wurde die Stadt im Krieg dagegen überhaupt nicht. Horst Eggert fand allerdings heraus, dass ein britischer Pilot eine von einem anderen Einsatz übrig gebliebene Bombe über einer Wiese nahe dem damaligen Elektrizitätswerk ausklinkte: „Das war aber kein gezielter Angriff, er richtete auch keinen nennenswerten Schaden an.“

Norbert Dreessen

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