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Wenig Licht im Kitakosten-Dschungel

Ratzeburg Wenig Licht im Kitakosten-Dschungel

Die Kitafinanzierung ist komplex – Prozentsatz des Elternanteils sagt kaum etwas über Beitragshöhe aus – Politiker fordern einheitliche Regeln für Betriebskosten – Immer weniger Geld von Land und Kreis pro Kitaplatz.

Ratzeburg. Die Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder ist heute ein wichtiger Standortfaktor und nicht zuletzt durch den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz auch gesetzlich abgesichert. Nachfrage und Angebot wachsen stetig. Die Kosten dafür sorgen immer wieder für Diskussionen. Und die Finanzierung ist ein komplexes Thema.

 

LN-Bild

„Eltern sollten dem Kita-Träger über die Schulter schauen, wenn es wieder einmal um die Anhebung der Beiträge geht. Als Mitglied in verschiedenen Beiräten wundere ich mich des Öfteren, wie kritiklos Eltern Beitragserhöhungen durchwinken.“ Anja Reimann (CDU),

Kreistagsabgeordnete, Möllner Stadtvertreterin und ehemalige

Kita-Elternvertreterin

Die Kosten

Am Beispiel der Schwarzenbeker Kita St. Franziskus erläutert Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig die Kosten. Größter Anteil an den 1,2 Millionen Euro sind mit 77 Prozent die Personalkosten, gefolgt von den Allgemeinkosten (10 Prozent), Abschreibungen für die Gebäude und Mieten (5,5 Prozent) und den Verwaltungskosten (2 Prozent). Die „Sonstigen Kosten“ schlagen mit 5,5 Prozent bei dieser Schwarzenbeker Kindertagesstätte zu Buche. Gerade die Lohnkosten können von Kita zu Kita stark variieren. Denn längst nicht alle Träger sind tarifgebunden. Wo das so ist gilt, je älter und damit berufserfahrener die Mitarbeiter, desto höher ist die Entlohnung. Außerdem hängt diese von der Qualifikation ab. Für den Schwarzenbeker Pastor Andreas Schöer ist eine gute Bezahlung der Mitarbeiter wichtig. „Wir bekommen nur gute Mitarbeiter, wenn wir sie auch gut bezahlen.“ Aber längst nicht überall wird nach Tarif bezahlt. Doch nicht nur die Personalkosten schwanken stark, auch die Betriebskosten. „Die Frage ist immer, welche Betriebskosten mit abgerechnet werden“, sagt Bürgermeisterin Borchers-Seelig. „Früher hatten wir Trägerschaftsverträge, in denen als städtischer Zuschuss ein Anteil von 38 Prozent an den Personalkosten definiert war. Da wussten wir, woran wir sind“, sagt Borchers-Seelig. In den neuen Verträgen seien bestimmte Betriebkostenanteile definiert. „Wir müssen nun aufwändig jeden Beleg überprüfen, ob er auch abrechnungsfähig ist.“ Das sei zeitintensiv und sorge auch bei den Trägern für Ungewissheit. Für die Stadt bedeute das unter Umständen zusätzliche Kosten. „In einem Nachtragshaushalt haben wir gerade erst Mehrkosten im sechsstelligen Bereich einplanen müssen“, so Borchers-Seelig.

Die unterschiedlichen Betriebskosten bezeichnet die Möllner Ratsherrin und Kreistagsabgeordnete Anja Reimann (CDU) als „klaren Systemfehler“. Ein einheitlicher Katalog für ansetzbare Betriebskosten müsse geschaffen werden, so Reimann. „Dann sind die Zahlen auch kreisweit vergleichbar“.

Auch die Verwaltungskosten sind mit den Trägern offenbar verhandelbar. Peter Küpper, bei der der Johanniter Unfall-Hilfe für den Betrieb der Kindertagesstätten zuständig, räumte ein, dass die Johanniter diese bei der Bewerbung um die Trägerschaft der neuen Schwarzenbeker Heuweg-Kita „etwas niedriger“ angesetzt hätten. Die Johanniter hatten sich in einem Interessenbekundungsverfahren für die Trägerschaft der Kita in Schwarzenbek durchgesetzt. Sie betreiben in Schwarzenbek drei Kitas. Die anderen fünf werden vom ASB (3) und der Kirche (2) getragen.

Die Gruppen

Elementargruppen für Kinder ab drei Jahren haben normalerweise 20 Kinder. Die Gruppengröße kann jedoch auch auf 22, mit Sondergenehmigung sogar auf 24 erhöht werden – ohne zusätzliche Betreuer.

Krippengruppen haben zehn Plätze, altersgemischte Gruppen fünf Krippen- und zehn Kindergartenplätze.

Die Zuschüsse

Der Kreis fördert Kindertageseinrichtungen grundsätzlich nach einem Punktesystem abhängig vom jeweiligen Angebot der Kita. Dieses orientiert sich an der Gruppenart sowie Leistungspunkten aufgrund von Kriterien und Faktoren wie Öffnungszeiten, Verfügungszeiten, dem Betreuungsumfang, dem Leitungsaufwand, der Öffnungszeit in Wochen im Jahr und den Betreuungsmonaten im Abrechnungszeitraum. Die Angebote einer Kita werden „aus einem Topf“ gefördert, in den die die öffentlichen Fördergelder von Kreis, Land und Bund fließen. Die Einrichtungen erhalten einen Gesamtzuschuss. Es sei somit nicht möglich darzustellen, in welcher Höhe ein acht-Stunden-Elementarplatz in einer bestimmten Einrichtungen gefördert wird. Weiteres Problem: Die Gesamtsumme ist sowohl vom Land als auch vom Kreis gedeckelt. Angesichts des stetigen Ausbaus ist so immer weniger Geld je Kitaplatz übrig.

Die Elternbeiträge

Zuletzt hatte die Anhebung des maximal zulässigen Elteranteils an den Kosten durch den Kreistag für Diskussionen gesorgt. Allerdings sagt dessen prozentuale Höhe nur bedingt etwas über die tatsächliche Höhe der Kitabeiträge aus. So kostet ein Acht-Stunden-Platz in der Kita der Kirchengemeinde Wentorf bei Hamburg trotz eines Elternanteils von 42,13 Prozent nur 230 Euro – Die zeitlich gleiche Betreuung kostet bei einem Elternanteil von nur 26,47 Prozent im Möllner Martin-Luther-Haus laut Gebührensatzung 244 Euro. Auch in anderen Bereichen variieren die Beiträge. Eine zusätzliche Früh- oder Spätbetreuung kostet in Geesthacht 15 Euro je Stunde monatlich, in der Schwarzenbeker Traumland-Kita der Johanniter 16 Euro für nur eine halbe Stunde. Einige Städte versuchen, möglichst einheitliche Beiträge für entsprechende Angebote in allen Kitas der verschiedenen Träger in der Stadt zu regeln. Die ehemalige Kita-Elternvertreterin Reimann fordert Eltern auf, Erhöhungen der Beiträge beim Träger zu hinterfragen. Kita-Beiträge im Einzelnen würden nicht zentral vom Kreis, sondern vor Ort in der Kita vom Träger entschieden. „Als Mitglied in verschiedenen Beiräten wundere ich mich des Öfteren, wie kritiklos Eltern Beitragserhöhungen durchwinken“, sagt Reimann. Doch alle Beitragsvergleiche helfen wenig, wenn ohnehin kein Kitaplatz oder nur in größerer Entfernung zur Verfügung steht.

Der neue Krippenzuschuss

Eltern von Krippenkindern sollen vom kommenden Jahr an 100 Euro monatlich als Zuschuss unabhängig vom Einkommen bekommen. 23 Millionen Euro stellt die Landesregierung dafür zur Verfügung. Doch nicht nur von der Opposition, sondern auch von Verbänden und (parteilosen) Bürgermeistern hagelt es Kritik. „Der Verwaltungsaufwand dafür ist enorm. Für die Abrechnung wird eine ganz neue Behörde aufgebaut“, sagt Schwarzenbeks Bürgermeisterin Borchers-Seelig. Wenn das Geld direkt an die Kita gehen würde, würde viel mehr bei den Kindern ankommen, sagt Borchers-Seelig.

Die gleiche Kritik hatte zuletzt auch der Gemeindetag geäußert.

Kitaplätze im Kreis

127 Kindertagesstätten und elf Spielkreise gibt es derzeit im Lauenburgischen.

1429 Plätze für unter Dreijährige, so genannte Krippenplätze, werden vorgehalten. Zehn Kinder sind in einer Gruppe.

5125 Kindergartenplätze gibt es. Neben diesen Regelgruppen mit normal 20 Kindern gibt es auch gemeinsame Gruppen mit Krippenkindern. Diese altersgemischten Gruppen (15 Plätze) werden auch Familiengruppen genannt.

456 Hortplätze für Schulkinder bis 14 Jahren und 189 Plätze in Spielkreisen gibt es im Kreis.

Holger Marohn

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