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Lauenburg Wenn Laien Leben retten — Hilfe für Ersthelfer
Lokales Lauenburg Wenn Laien Leben retten — Hilfe für Ersthelfer
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18:13 09.04.2016

Kinder, wie die Zeit vergeht! Eben noch warst Du 18, hast Deinen Führerschein gemacht. Den Lappen frisch in der Hand, hattest Du gerade auch einen Kursus in Erster Hilfe absolviert. Das ist in Deutschland Pflicht für alle, die motorisiert am Straßenverkehr teilnehmen wollen.

Und nun? Plötzlich sind Jahre vergangen. Das Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV, wo unter anderem geprüft wird, ob ein aktuell bestückter Verbandskasten an Bord ist. Für uns interessiert sich, man entschuldige die Wortwahl, kein Schwein. Ein Verkehrsunfall. Ein Handwerker, der sich bei der Arbeit verletzt. Ein Nachbar, der von der Leiter gestürzt ist. Ein Kind, das Putzmittel getrunken hat.

Die Wahrscheinlichkeit, das jemand von jetzt auf sofort unsere Hilfe braucht, ist groß. Hand aufs Herz: Wie fit sind Sie?

18 Leute sitzen beim DRK Ratzeburg im Schulungsraum. Klaus Jacobsen ist in seinem Element. Adrett in Rot-Kreuz-Grau gekleidet, die Augen blitzen vergnügt — der 73-Jährige weiß, wie Ersthelferausbildung geht. Müssen Sie helfen? Machen Sie sich strafbar, wenn Sie nicht helfen? Was genau müssen Sie tun? Und was nicht?

Na, der will es aber genau wissen. 18 Leute, die alle eine Fahrerlaubnis besitzen — manche schon viele, viele Jahre, bei anderen ist es noch nicht ganz so lange her — diese 18 Leute geraten ins Schwitzen. Und diskutieren. Eigentlich sind sie sich einig: Ist jemand in Not, ist Gefahr im Verzug, muss ich helfen.

So weit, so richtig: Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar. Wer in Not geratenen oder hilflosen Menschen nicht beisteht, muss in Deutschland mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr rechnen. Aber: Ich muss mich nicht selbst in Gefahr bringen. Nichtschwimmer müssen nicht ins Wasser springen, um einen Ertrinkenden zu retten, niemand soll in ein brennendes Haus laufen.

Jacobsen hat seine Truppe im Griff. Er hakt gewissenhaft alle Punkte ab, die auf der Erste-Hilfe-Tagesordnung stehen. Wie ein Notruf abgesetzt wird. Wie die stabile Seitenlage funktioniert. Wie Verbände angelegt werden. Und wenn es so richtig spritzt, das Blut — 18 Leute kommen in Fahrt, immer wieder fällt das Stichwort „abbinden“. Nein, liebe Leute, das wird heute nicht mehr gemacht.

Jacobsen punktet mit Anekdoten und witzigen Formulierungen. „Früher hat man mit Kabelbinder und einer Kombizange gedrückt, bis nichts mehr kleckert.“ 18 Leute lachen. Kurz nur, denn Jacobsen spricht von schweren Gewebeschäden, und das ist nun nicht mehr witzig.

Immer wieder fordert er seine Kursteilnehmer auf, selbst zu üben. 18 Leute, deren Verbandskasten penibel gecheckt wird, deren Wissen aber nach dem ersten Erste-Hilfe-Kursus nie wieder überprüft wird.

Ein ganzer Trupp von der Zimmerei Detlef Bluhm aus Duvensee nimmt teil, aus Lauenburg und sogar aus dem benachbarten Nordwestmecklenburg sind zwei Paare dabei. Einem bewusstlosen Motorradfahrer den Helm abnehmen wird geübt, einen Verband über einem Gelenk anlegen, ein Pflaster für die Fingerkuppe zurechtschneiden, einen Menschen mit Schock oder Atembeschwerden lagern.

Am Ende des Tages bekommen 18 Menschen eine Bescheinigung, dass sie fit sind in Erster Hilfe. Und sie steigen mit einem guten Gewissen in ihre Autos. 18 Ersthelfer, die der TÜV-Prüfer jetzt gern testen dürfte. Danke, Klaus Jacobsen.

Von Dorothea Baumm

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