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Lauenburg Wenn „Opa Klaus“ das Rösslein einspannt
Lokales Lauenburg Wenn „Opa Klaus“ das Rösslein einspannt
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20:15 27.04.2016
Was gibt es Besseres, als im milden Frühlingswetter durch die heimische Rapslandschaft zu fahren? Quelle: Fotos: Unk

In der Gemeinde Nusse gilt Klaus Liebnow als Original. Denn er hat mit seinem öffentlich gelebten Hobby, so oft wie möglich seinen Haflinger-Hengst „Billy“ (10) vor den Kutschwagen zu spannen und durch den Ort zu zuckeln, so etwas wie ein unvergleichliches Aushängeschild der Gemeinde geschaffen.

Auch von rückwärts gleich erkennbar: „Opa Klaus“ ist wieder auf Ausfahrt mit seiner kleinen, feinen Pferdekutsche . . .

„Das schöne Nummernschild hat mir mein Enkel geschenkt.“Klaus Liebnow, Hobbykutscher

Niemand regt sich im Dorf auf, wenn er mit dem Auto hinter dem gemächlichen Ein-Pferdestärken- Fahrzeug herschleichen muss. Zaungäste winken dem 77-Jährigen zu, wenn er durch die Straßen fährt.

Hinten an seinem offenen Arbeitswagen prangt ein kleines „Nummernschild“. Doch es handelt sich nicht um die übliche Anordnung von Buchstaben und Zahlen, sondern hier steht Schwarz auf Weiß „Opa Klaus“. „Das Schild hat mir mal mein Enkel geschenkt. Das musste ich dann natürlich auch am Wagen befestigen“, erzählt Liebnow.

Schon von klein auf waren Pferde seine große Leidenschaft. Sein Vater hatte im heimischen Bublitz bei Deutsch Köslin (heute: Koszalin) in Pommern einen kleinen Fuhrbetrieb. Nach der Arbeit auf dem Feld durften die Bauernjungs immer ein Stück mit den Ackerpferden voran reiten. Vaters Betrieb ging mit dem Zweiten Weltkrieg verloren. Die Liebnows mussten wie so viele Ost- und Westpreußen und Pommern fliehen und landeten in Mannhagen im Kreis Herzogtum Lauenburg. Damals, 1945, war Klaus sechs Jahre alt.

In Mannhagen arbeitete Klaus Liebnow nach der Schule zuerst bei einem Landwirt, ehe er 1959 einen Job beim Lübecker Forst in Nusse bekam, wo er dann auch 40 Jahre lang blieb. „Pferde hatte ich schon früh. Irgendwann in den 1960er Jahren las ich in der Zeitung eine Annonce: ,Schafe gegen Pony einzutauschen‘. Das habe ich gemacht und seitdem immer Pferde gehalten.“

Damit „Billy“ nicht vereinsamt, hat „Opa Klaus“ noch die 14-jährige Lotte als „Beistellpferd“ im Stall. Die kleine Dame braucht aber nicht den Arbeits- oder Kutschwagen zu ziehen, darf aber gerne ihren Freund „Billy“ begleiten.

Seine Kutschfahrten unternimmt Liebnow nicht nur zum Vergnügen, sondern er verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. „Da hole ich Holz aus dem Wald nach Haus oder fahre eine Ladung zu meinem Sohn nach Ritzerau. Bei Dorffesten kutschiere ich Kinder, bin auch oft bei Kindergeburtstagen oder fahre Hochzeitspaare zur Kirche und hole sie von dort ab“, erzählt „Opa Klaus“. Obwohl er große Stücke auf „natürliche“ Fortbewegungsmittel hält, hat er auch einen „neumodischen“, motorisierten Fahruntersatz: einen Opel Meriva.

Von Joachim Strunk

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