Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Wenn Worte wie durch Watte wabern
Lokales Lauenburg Wenn Worte wie durch Watte wabern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:34 17.11.2016

Wie lesen Kinder, die blind sind? Wie komme ich mit dem Rollstuhl durch meine Schule? Wie kann ich die englische Aussprache verbessern, wenn ich das Gesagte kaum höre? Diese Fragen können jetzt im Projektunterricht an den Schulen des Kreises mit Hilfe von „learning by doing“ beantwortet werden. Im Förderzentrum Centa Wulf in Schwarzenbek gibt es nun die vierte „Barri-Station“ des Landes. Lehrer aller Schulen im Kreis können die Materialboxen ausleihen und mit den Schülern ausprobieren. Das Ziel ist, mehr Verständnis der Schüler zu wecken für ihre behinderten Klassenkameraden in den Integrationsklassen.

 

Barbara Sanders-Mowka, Lehrerin am Förderzentrum, mit einem besonderen Hörrohr. Geräusche nimmt man wie durch Watte gesprochen wahr – so kann es schwerhörigen Kindern ergehen. FOTOS: SILKE GEERCKEN
Inken Schnaase, Projektleiterin am IQ.SH, mit Rollstuhl und Kopfhörer, die Geräusche von sich geben. Das Gesagte ist kaum zu verstehen.
Barbara Sanders-Mowka, Lehrerin am Förderzentrum, mit einem besonderen Hörrohr. Geräusche nimmt man wie durch Watte gesprochen wahr – so kann es schwerhörigen Kindern ergehen. FOTOS: SILKE GEERCKEN
Inken Schnaase, Projektleiterin am IQ.SH, mit Rollstuhl und Kopfhörer, die Geräusche von sich geben. Das Gesagte ist kaum zu verstehen.

140 Förderschüler

Das Förderzentrum Centa Wulf in Schwarzenbek ist für 3000 Kinder in zehn Schulen sowie 26 Kitas des Kreises zuständig, 140 von ihnen haben einen sonderpädagogischen Förderstatus. 22 Lehrer kümmern sich, sind Ansprechpartner für Lehrer und Eltern.

Nach Kiel, Pinneberg und Schleswig-Kropp gibt es jetzt auch in Schwarzenbek das Angebot des IQ.SH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holsteins), welches das Projekt „Barrierefreie Schule“ entwickelt hat. Die in Schwarzenbek vorhandenen sechs Barriboxen im Wert von 250 bis 500 Euro enthalten Simulationsbrillen, Blindenstöcke, Lesefibeln mit Blindenschrift, Spiele für Blinde oder Rollstühle. Nun ist auch das Förderzentrum Centa Wulf Ausleihstandort für Lehrkräfte und Multiplikatoren aus der gesamten Region.

„Ich freue mich über den Standort Schwarzenbek. Er ist zentral, und das Förderzentrum ist seit Jahren um Integration bemüht“, sagte Hans-Heinrich Dyballa vom Schulamt des Kreises gestern bei der Übergabe der Barriboxen. Sonderpädagogin Barbara Sanders-Mowka, die für die Ausleihe verantwortlich ist, war vor 30 Jahren die erste Lehrerin mit einer Integrationsklasse an der Schwarzenbeker Compeschule. „Wir möchten Türen öffnen, Berührungsängste nehmen“, erklärte Projektleiterin Inken Schnaase von IQ.SH. In der Tat: Wer die Materialien ausprobiert, bekommt augenblicklich mehr Verständnis für die Situation behinderter Menschen. Die Autismus-Brille zum Beispiel gibt ständig Lichtsignale ab und macht deutlich, welcher Reizüberflutung die betroffenen Kinder ausgesetzt sind.

Oder das „Hörrohr“, ein einfacher Plastikschlauch, der an beide Ohren gehalten wird. Schon hat man das Gefühl, die Worte des Gegenübers kaum zu verstehen, alles klingt wie durch Watte gesprochen.

„Der Weg zu einer gemeinsamen Schule für Kinder mit und ohne Behinderungen beginnt mit dem Verständnis für den Anderen“, so Projektleiterin Schnaase. Über 70 Mal seien die Barriboxen inzwischen von Schulen aus ganz Schleswig-Holstein ausgeliehen worden. Viola Hüfner, Leiterin des Förderzentrums, freut sich über das zusätzlich Lehrmittelangebot für Lehrer. „Wir möchten den Kindern Orientierung geben. Dies ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.“ 2013 wurde das Projekt begonnen. Kooperationspartner sind der Landesverband der Lebenshilfe sowie die schleswig-holsteinischen Sparkassen.

Lehrer, die die Barriboxen ausleihen möchten, erreichen das Förderzentrum Centa Wulf unter Telefon 04151/896051.

 Silke Geercken

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige