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Lauenburg Wenn das Auto plötzlich weg ist
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21:15 14.03.2018
Alex Weischedel: „Das Keyless-Go-System dürfte für die Täter eine Erleichterung sein.“ FOTOS (2): JENS BURMESTER

Als Britt Röhrs die Zeitung aus dem Briefkasten holen wollte, stand das Auto ihres Mannes nicht mehr vor der Tür. Dort war nur eine große schwarze Fläche zu sehen, ringsherum lag Pulverschnee an diesem Morgen.

Bereits 27 Autos sind seit Jahresbeginn im Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg gestohlen worden – meist hochwertige Wagen. Jetzt sprechen zwei Opfer darüber, was für ein Schock der Verlust war. Und Experten geben Tipps, wie Autos besser geschützt werden können.

Genau dort, wo Martin Röhrs am Abend zuvor sein Auto, einen schwarzen BMW X5 abgestellt hatte, war an diesem Morgen: nichts. Röhrs, von seiner Frau mit dieser Tatsache aufgeschreckt, schüttelte ungläubig den Kopf. Er hatte sein Auto gegen 23 Uhr am Abend dort abgestellt. „Mir war sofort klar, dass das Auto gestohlen worden sein musste“, sagt Röhrs. „Ich habe dann sofort in Mölln bei der Polizei angerufen und das gemeldet. Es hat auch nicht lange gedauert, bis die Polizei hier war und den Diebstahl aufgenommen hat.“

Es konnten maximal zwei Stunden vergangen sein, seit die unbekannten Täter mit dem Auto vom Hof gefahren sind. So deutete Martin Röhrs die Spuren im Schnee, der zwar überall lag, nicht aber auf dem Stellplatz des BMW. Die ganze Nummer sei völlig lautlos vonstatten gegangen.

Niemand hat etwas gemerkt

Sowohl er, seine Frau und beiden Kinder hatten von dem Diebstahl in den frühen Morgenstunden nichts mitbekommen und auch in der Nachbarschaft der Wohnsiedlung in Breitenfelde niemand. Lediglich ein junges Mädchen hatte in den Tagen zuvor einen weißen Kastenwagen gesehen, der immer wieder durch das Wohngebiet gefahren sei. Sie hatte sich sogar das Kennzeichen notiert, aber offenbar ging diese Spur wohl auch ins Leere.

Dieser Diebstahl brachte den ganzen Tagesablauf des Geschäftsmannes durcheinander. „Ich musste das Auto nicht nur als gestohlen melden, ich musste es vor allen Dingen auch schnellstmöglich abmelden.

Somit ist dann der Versicherungsschutz erloschen. Und natürlich muss auch der Leasinggeber umgehend informiert werden.“ Ob denn das Auto keine Alarmanlage gehabt habe, wollen wir von Röhrs wissen.

Doch, das habe es. Aber Autos mit Keyless-go-System (Startvorgang ohne direkten Schlüssel-/Fahrzeugkontakt) würden durch den Benutzer frei- und ihre Alarmanlage abgeschaltet, sagt Röhrs. In seinem neuen Auto wird er defintiv eine zusätzliche Alarmanlage einbauen. Falls er es denn machen darf. Das müsse er zunächst mit dem Leasinggeber besprechen. Und bis ein neues Auto kommt, wird es wohl noch ein wenig dauern. Frühestens vier Wochen nach dem Diebstahl darf Röhrs ein neues Fahrzeug bestellen. Bis es dann geliefert wird, wird es auch noch dauern. Zunächst hat ihm sein Händler aus Kulanz ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt. Doch wie lange er das Auto behalten darf, weiß er noch nicht. Seine Versicherung zumindest zahlt ihm keinen Leihwagen.

Meist teure Marken gestohlen

Bei der Polizeidirektion Ratzeburg sind von Beginn des Jahres bis jetzt 27 Fahrzeugdiebstähle gemeldet worden. Zumeist sind es hochwertige und relativ neue Fahrzeuge der Hersteller BMW und Mercedes gewesen. Aber auch andere Hersteller wie Toyota sind Objekte der Begierde, wie der ehemalige Polizeibeamte Armin Balowski in Ratzeburg kürzlich feststellen musste. „Ich hatte einen Toyota Land Cruiser. Der ist mir auch zu Hause gestohlen worden. Kurz darauf hat ein aufmerksamer Bürger in Groß Grönau in seinem Mülleimer den TÜV-Bericht meines Autos und das Service-Buch gefunden. Mein Auto war schon dreieinhalb Jahre alt, aber es scheint ja auch dafür einen Markt zu geben“, so Balowski. In der Tat zählen Toyota Land Cruiser gerade in Russland zu den ganz begehrten Automarken.

Die gestohlenen Autos waren in den meisten Fällen mit einem Keyless-Go-System ausgestattet. Das aber kann man bei BMW sogar abschalten. Seit einiger Zeit sollen nach LN-Informationen die Werkstätten in der Lage sein, die Codierung des Fahrzeugs für das Schließsystem so umzucodieren, dass es wie eine normale Zentralverriegelung mit Fernbedienung arbeitet. Dann könnten die Täter den Code nicht mehr so ohne weiteres auslesen, der ständig durch die Fernbedienung gesendet wird.

Alex Weischedel, Inhaber der Firma AL-Car in Ratzeburg, sagt: „Das Keyless-Go-System der Autohersteller dürfte eine Erleichterung für die Täter sein. In der Regel sind das schon richtige Profis, die solche Autos knacken und stehlen. Die kommen mit Diagnosegeräten, programmieren die Motorsteuerung um und starten das Auto. Das geht in Windeseile, macht keinen Lärm und genauso schnell, wie sie gekommen sind, sind die Täter auch wieder weg. Wenn der Diebstahl bemerkt wird, sind sie mit den Fahrzeugen oftmals schon über die Grenze.“

Als Schutz sieht Weischedel den Einbau eines zusätzlichen GPS-Ortungssystems, das unabhängig von der Originalsoftware im Fahrzeug arbeitet. Und als weitere Möglichkeit gebe es noch einen Rundumschutz, den er allerdings nicht unbedingt empfehlen würde. Dann müsste man zu den beiden Varianten zuvor auch noch eine zweite Fernbedienung benötigen, wie es bei Wohnmobilen schon häufig gemacht werde. Und das bedeute, dass die Täter möglicherweise auch noch in das Haus oder die Wohnung einbrechen müssten, um an diese Fernbedienung zu gelangen.

Alarm einbauen

Um Keyless-Go-Autos sicherer zu machen, schlägt Alex Weischedel, der Alarmanlagen für Autos verkauft, vor:

„Man sollte eine zusätzliche Alarmanlage aus dem Zubehör einbauen lassen – nicht vom Hersteller, weil es den Tätern dadurch deutlich schwerer gemacht wird. Wenn in einem ruhigen Wohngebiet eine Alarmanlage für richtig Lärm sorgt, dann hauen die Diebe ab und nehmen sich nicht die Zeit, das Auto noch weiter zu bearbeiten.“

Jens Burmester

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