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Lauenburg Der Bruder im Geiste von A. Paul Weber
Lokales Lauenburg Der Bruder im Geiste von A. Paul Weber
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18:16 25.09.2018
Der Museumsleiter der Kreismuseen und des A. Paul Weber-Museums in Ratzeburg, Dr. Klaus Dorsch, zur aktuellen Ausstellung mit Federzeichnungen von Werner Luft: "Das ist etwas wirklich Besonderes, was selten zu finden ist." Quelle: Matthias Wiemer
Ratzeburg

Skurril, oft satirisch, und mit einer Nähe zu A. Paul Weber und Kubin muten die handwerklich meisterhaft gefertigten, dichten Federzeichnungen von Dr. Werner Luft an. So schwärmt der Leiter des Kreismuseums und A. Paul Weber-Hauses in Ratzeburg, Dr. Klaus J. Dorsch, über Werner Luft. Dessen Werke aus den 30er und 40er Jahren bilden den Schwerpunkt einer neuen Sonderausstellung im A. Paul Weber-Museum Ratzeburg, die noch bis Ende November zu sehen ist.

Zeichnungen von Werner Luft aus der Bilderreihe „Schelmuffsky“. Quelle: HFR

Es liegt nicht nur an der räumlichen Nähe zu den bekannten Werken von A. Paul Weber, dass dem Betrachter die Arbeiten ähnlich vorkommen. Es gibt auch stilistische und inhaltliche Gemeinsamkeiten. Zwei Künstler, ein Themenbereich: zeitkritische Betrachtungen mit wahrhaft spitzer Feder aufgespießt. Den Menschen den Spiegel vorhaltend, worin sie ihre kleinen, aber auch furchtbar großen Unzulänglichkeiten erkennen. Und noch eine Gemeinsamkeit: die Repressalien unter dem NS-Regime.

Sie kannten sich nicht persönlich

Dabei haben sich die beiden Künstler nicht gekannt, oder kaum. Denn Luft dürfte sicher von Webers Werk gewusst haben, umgekehrt ist es eher unwahrscheinlich. Dennoch zeigt die rund 130 Zeichnungen umfassende Sonderausstellung im Weber-Haus keinen zweiten Weber. Der 1902 in Leipzig geborene und 1978 in Hamburg gestorbene Werner Luft hat ein eigenständiges Werk geschaffen, das er auch sehr selbstkritisch betrachtete, teils radikal damit umging. So zeigt die Sonderschau auch eine Reihe von offensichtlich verworfenen, aber erhaltenen Bildern. Sie sind grob durchgestrichen - warum? Das behielt der Künstler, der als Brotberuf Lehrer und Theaterintendant war und nie von seiner Kunst als Zeichner leben musste oder konnte, für sich.

Eine Werner-Luft-Zeichnung aus dem Totentanz- Alphabet aus den 30er Jahren. Quelle: HFR

Luft studierte in Berlin Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Von 1924-26 wirkte er als Dramaturg am Städtischen Theater Kiel, wo er auch promovierte, arbeitete ab 1927 an Trickfilmen, verfasste eigene Bücher über Kunst („Untergang der Bilderwelt“) und wirkte an mehreren Kunstzeitschriften mit.

Er illustrierte als Autodidakt Bücher wie den Abenteuerroman „Schelmuffsky“ (1696 von Christian Reuter verfasst und dem „Simplicissimus“ von Grimmelshausen ähnlich), „Grimms Märchen“ „Don Quichote“ oder Manzonis „Die Verlobten“ und arbeitete an der Zeitschrift „neue linie“ mit. Viele seiner Bilder sind in der Galerie Gurlitt in Berlin ausgestellt gewesen. Unter dem Nazi-Regime wurden seine Veröffentlichungen und Ausstellungen verboten. Ab 1945 war er als Kunsterzieher am Bismarck-Gymnasium Hamburg tätig.

Nach dem 2. Weltkrieg gab er seine gegenständliche Zeichenweise zugunsten abstrakter Formgebung auf. Auf diesem Weg erreichte er allerdings wesentlich weniger Kunstliebhaber, sodass diese Spätphase als künstlerisch wenig erfolgreich erachtet wird.

Drastisch und einfallsreich

Kernstücke der 130 Werke umfassenden, von Museumsleiter Dr. Dorsch zusammengestellten Ausstellung sind unter anderem ein sehenswertes, ebenso drastisch wie erstaunlich einfallsreiches Totentanz-Alphabet von 1934, welches die mittelalterliche Tradition des Totentanzes der Stände mit erstaunlichen, neuen Motiven in die Moderne fortführt. Weiterhin die humorvoll-derbe Illustrationsfolge zum Schelmenroman „Schelmuffsky“, die 1933 entstandene gesellschaftskritische Folge zu „Rübezahls Wiederkehr“, in der ein verwunderter Rübezahl auf die „Errungenschaften“ der modernen, industrialisierten Welt blickt. Und schließlich Illustrationen zu „Don Quichote“ und eine Reihe von grotesken Figuren aus Shakespeare-Stücken von 1939.

Dr. Klaus Dorsch ist ganz begeistert über diese Ausstellung: „Das ist wirklich etwas Besonderes, was man woanders kaum zu sehen bekommen dürfte.“

Die Ausstellung ist vom 14. September bis zum 28. November jeweils täglich, außer montags, von 10 bis 13 Uhr und 14-17 Uhr geöffnet.

M. Wiemer

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