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Lauenburg Wie marode sind unsere Sportstätten?
Lokales Lauenburg Wie marode sind unsere Sportstätten?
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22:25 26.05.2018
Immer mehr Sportstätten – wie hier der Fußballplatz in der Gemeinde Horst, Ortsteil Alt-Horst – verkommen. Die Vereine leiden unter Mitgliederschwund, so dass Mannschaften abgemeldet wurden und kaum noch Geld für den Unterhalt der Sportanlagen vorhanden ist. Quelle: Fotos: Strunk
Ratzeburg

Bereits im April hatte die Kreistagsfraktion der SPD zu einer Sportkonferenz nach Schwarzenbek geladen. Es kamen Vertreter des Kreissportverbandes und einiger Sportvereine. Die Teilnehmer arbeiteten einen Forderungskatalog aus, der wohl von den meisten mitleidenden Vereinen oder den ebenfalls unter der Finanznot darbenden Gemeinden so unterschrieben werden könnte.

Die Sportvereine haben einen schweren Stand. Nicht nur, dass die heutige Jugend andere Interessen hat, als Leibesübungen zu treiben und die Mitgliederzahlen ständig schrumpfen. Auch Bestand und Unterhalt der eigenen Anlagen – oftmals marode – leidet unter der Finanznot.

Jens Meyer, alter und designierter neuer Fraktionschef der Kreis-SPD, sagte: „Der Austausch war sehr konstruktiv und machte deutlich, dass der Kreis in den vergangenen Jahren die Sportvereine extrem vernachlässigt hat. Inzwischen sind viele Sportstätten heruntergekommen, es besteht Sanierungsstau und im Allgemeinen haben die Sportvereine ein schweres Los, um künftig bestehen zu können.“ Die sportpolitische Sprecherin der SPD, Gitta Neemann-Güntner, ergänzte: „Für uns als SPD bedeutet Sport im ländlichen Bereich einfach mehr als nur sportliche Betätigung. Vor Ort wird über den Sport das soziale Miteinander gestärkt und gelebt.“ Das sei mindestens genauso wichtig wie die sportliche Aktivität selbst.

Der Vorsitzende des Kreissportverbandes (KSV) mit Sitz in Ratzeburg, Carsten Engelbrecht, bestätigte eine mangelhafte finanzielle Unterstützung des Verbandes. Durch die drastischen Kürzungsmaßnahmen des Kreises generell und im Einzelnen bei Übungsleitervergütungen und der Sportstättenförderung, sei mittlerweile ein „Ende der Fahnenstange“ erreicht.

Auf die konkrete Nachfrage nach maroden Sportstätten konnte Engelbrecht allerdings „adhoc keine benennen“. Da habe man keinen Überblick im Verband. „Das geht viel über die Kommunen und Schulen.“

Nicole Rusch von der Geschäftsstelle des Kreissportverbandes konkretisiert diesbezüglich die besonders betroffenen Vereine: „Das sind in erster Linie diejenigen, die Hallen oder Plätze im Eigentum haben. Die müssen den Unterhalt und die Pflege selbst finanzieren, was vielen aber heutzutage kaum noch möglich ist.“

Bei einer Rundfahrt durch den Nordkreis gibt es – zumindest was Fußball- und Rasenplätze betrifft – eher wenig zu meckern. In Steinhorst liegt die sehr schöne Anlage etwas tief. Da sammelt sich das Regenwasser im Herbst und Winter in großen Pfützen. Der hübsch gelegene Platz des TSV Nusse leidet wahrscheinlich eher unter einer zu geringen Nutzung, weiß ein Insider zu erzählen.

Im Ortsteil Rothenhausen der Gemeinde Groß Schenkenberg werden zwei Felder – das „Stadion“ und der Trainingsplatz – sorgsam gepflegt. Nur für wen? Bürgermeister Bernd Paschen bestätigte: „Der SC Rothenhausen konnte keine Fußballmannschaft mehr aufstellen und hat sich vom Spielbetrieb abgemeldet.“ Allenfalls eine Hobby-Reisetruppe kommt mittwochabends zum Kick vorbei.

Im Amt Berkenthin „sind unsere Plätze top“, erklärt Amtsdirektor Frank Hase stolz. Im Zentralort hat man sogar einen Kunstrasenplatz. In Krummesse wird ein solcher neben den bestehenden Naturrasenflächen geplant.

Auch im Amt Lauenburgische Seen gibt es wenig Grund zur Klage. In Ziethen ist das Spielfeld vielleicht etwas eingeengt in der Wohnumgebung, und die Spieler müssen sich im nahe gelegenen Dorfgemeinschaftshaus umziehen. In Mustin sind die beiden Fußballplätze in Ordnung, nur die Zuwegung ist eine Holperstrecke mit vielen Schlaglöchern und die Umkleide strahlt den Charme der Fußballzeit eines Sepp Herbergers aus.

Schlimmer sieht es nur in manchen Kleinstorten wie Alt-Horst oder Neu-Lankau auf den Bolzplätzen aus. Auf dem ersteren wird der Platz gerade mal noch an Himmelfahrt für ein Hobbyturnier genutzt. In Neu-Lankau hätte sich die Natur ihr von Fußballerkindern missachteten Platz fast zurück geholt. Doch Bürgermeister Olaf Franz hat just reagiert und den Platz gerade wieder aufgefrischt.

Tatsächlich waren Fußballplätze auf der Sportkonferenz der SPD in Schwarzenbek auch ein eher untergeordnetes Thema. Hier wurde vor allem kritisiert, dass ein vernünftiges Hallenbad für die Schwimmausbildung fehle. Auch die Nutzung der Sporthallen sei für viele Vereine aufgrund der von den Trägern erhobenen Gebühren immer schwieriger.

Dennoch bleibt die Frage: Wie marode sind die Sportstätten im Kreis? Sind sie ohne finanzielle Unterstützung von Kreis und Land dem Untergang geweiht? Oder „wurschteln“ sich die Klubs mit ihren tapfer kämpfenden Ehrenamtlern noch eine Weile durch?

Senden Sie, liebe LN-Leser, uns dazu Ihre Erfahrungen und Meinungen per Mail: redaktion.lauenburg@ln-luebeck.de

Ehrwürdiger Club

Der Fechtclub Inselstadt Ratzeburg (FCIR) von 1950 ist der einzige seiner Art im Kreis. 1971 baute sich der Verein an der Mecklenburger Straße in Ratzeburg eine eigene Halle. Eingangsbereich, Ausstattung der Umkleiden und Versammlungsraum sind traditionell, sprich: uralt – Sanierungsstau, Modernisierungszwang. Vor einigen Jahren wurde das Dach modernisiert, zuletzt Duschen und WC. Dringend notwendig ist eine neue Heizungsanlage für die Halle. FCIR-Vorsitzende Angelika Wolf klagt: „Die Vereine sind für Pflege und Unterhaltung selbst zuständig.“ Es gebe zwar Fördermöglichkeiten von bis zu 20 Prozent, doch die sind an Bedingungen geknüpft – etwa an Dämmmaßnahmen, die allerdings die finanziellen Möglichkeiten der Vereine meistens übersteigen. unk

 Joachim Strunk

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