Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Wieder Feuer in Schwarzenbek
Lokales Lauenburg Wieder Feuer in Schwarzenbek
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:12 21.06.2017

Jetzt wird es richtig gefährlich: Polizei und Feuerwehr mussten nach einer erneuten Brandstiftung an der Hamburger Straße in Schwarzenbek mehrere Bewohner eines direkt an das Brandobjekt angebauten Mehrfamilienhauses retten. Nur 300 Meter von dem im Mai angezündeten ehemaligen China-Restaurant „Jade“ entfernt stand Mittwochmorgen gegen 3.30 Uhr der „A.K Auto-Service“ in Flammen. Wieder wurden unverbrannte Grillanzünder an der Brandstelle sichergestellt – wie bei zahlreichen brennenden Autos in der Stadt in den vergangenen Monaten.

Jetzt brannte eine Autowerkstatt – erstmals Menschen in Gefahr – Anzeichen für Brandstiftung.

„Die Lage scheint

sich zu

verschärfen.Thorsten Bettin

Feuerwehrchef

von Schwarzenbek

„Die Lage scheint sich zu verschärfen“, zog Feuerwehrchef Thorsten Bettin nach Löscharbeiten eine Bilanz. Erst brannten nur Müllbehälter, dann Autos, jetzt zum zweiten Mal auch ein Gebäude. Die Polizei sperrte Straßen, kontrollierte Autos und deren Fahrer, während die Feuerwehr stundenlang löschen musste. Die Ortsdurchfahrt im Verlauf der Bundesstraße 207 war wegen des Einsatzes blockiert.

Wer läuft nachts durch Schwarzenbek, zündet mit Grillanzündern Autos, Häuser und Müllcontainer an und versetzt die Menschen in der Stadt dadurch Angst und Schrecken? Diese Frage beschäftigt die Polizei – und die Schwarzenbeker.

Um 3.31 Uhr hatten die Melder der Feuerwehrleute erstmals gepiept: Die Leitstelle meldete per Kleinalarm nach einem Notruf von einem Anwohner der Danziger Straße ein angeblich brennendes Auto. „Wir sind natürlich zuerst dorthin, hatten aber keine Feststellung“, erklärte Gruppenführer Andreas Böttcher. Allerdings war das Viertel massiv verraucht, von der Gülzower Straße aus konnte dann auch der Feuerschein in Richtung Hamburger Straße ausgemacht werden. Sofort wurde Großalarm ausgelöst, wenig später wurden auch die Wehren aus Kollow, Gülzow, Brunstorf und Lauenburg alarmiert.

„Bei unserem Eintreffen brannte es im rückwärtigen Bereich des Werkstattgebäudes lichterloh. Außerdem waren in der Werkstatt selbst mehrere Brandstellen zu erkennen“, schilderte Bettin die Lage. Von der Hamburger Straße aus und von der parallel verlaufenden Straße Hainholz aus starteten die Feuerwehrleute ihren Löschangriff mit Wasser und Druckluftschaum. Aus dem Wohnhaus wurden mehrere Menschen gerettet, darunter Inge Möller. Sie lebt schon seit Jahrzehnten in dem Haus, jetzt wäre sie beinahe abgebrannt. „Ich hab erst so Explosionen gehört und bin davon aufgewacht. Da war dann schon der ganze Qualm in meinem Schlafzimmer. Als ich aus dem Fenster der Stube geguckt habe, war da das Feuer“, erzählt die 84-Jährige. „Langsam wird es wirklich dramatisch“, beschreibt Bettin die Lage. In einer 3-Zimmer-Wohnung im Haupthaus der angezündeten Autowerkstatt leben eigentlich zehn Bulgaren. Nicht alle waren zur Tatzeit zuhause. „Da wird einem natürlich anders, wenn man hört, wie viele Menschen es hätte treffen können. Schon in dem ehemaligen China-Restaurant hatten wir während der Löscharbeiten Zimmer voller Matratzen gefunden. Nicht auszudenken, wenn bei voller Belegung ein Brand ausgebrochen wäre und wir unerwartet so viele Menschen hätten alle retten müssen“, sagt Bettin.

Durch den Großeinsatz der Feuerwehr mit sechs Strahlrohren wurde verhindert, dass sich die Flammen auf das Haus oder Nachbargebäude ausbreiten konnten. Doch wer setzt in Schwarzenbek anscheinend willkürlich Menschenleben aufs Spiel? Die Polizei hat keine Spur. „Wir ermitteln“, hält sich Polizeisprecher Holger Meier bedeckt, um die Arbeit der Beamten nicht zu gefährden. Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen all den Bränden seit März? Waren es erst ab Mitte März nur Altpapiercontainer und Mülleimer, folgten schnell einige Autos, dann das Gebäude des China-Restaurants, danach wieder mehrere Autos und jetzt die Werkstatt. „Wir fragen uns nachts, wenn der Melder piept, schon immer, was denn jetzt wieder los ist. Zurzeit ist es wirklich geballt, was wir quasi neben dem üblichen Tagesgeschäft zu tun haben“, schildert Bettin die Lage.

Jetzt versucht die Polizei unter Hochdruck, den Brandstiftungen in Schwarzenbek ein Ende zu bereiten. Wie, das verraten die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Christian Pfeiffer: Täter will Beachtung

„Solchen Brandstiftern geht es in den allermeisten Fällen um die Beachtung ihrer Taten“, sagt Professor Christian Pfeiffer (Foto: dpa), der ehemalige Leiter des Kriminologischen Instituts in Hannover. „Wenn man den Täter ermittelt, wird der Spuk sofort aufhören“, ist der Kriminologe überzeugt.

Ob es reicht, wenn die Polizei in Schwarzenbek jetzt endlich einen Täter ermittelt? Das ist unklar. In der Rülau-Siedlung etwa, wo im Jahr 2015 immer wieder Grillanzünder in Häuser geworfen wurden, gab es kürzlich einen neuen Fall. Ein 25-Jähriger wird sich für eine der alten Taten demnächst vor Gericht verantworten müssen.

Weder vom Rhythmus der Brandstiftungen her noch von den Tatorten und der Auswahl der Objekte ist bisher eine Linie zu erkennen. Lediglich eine Tendenz zu Brandstiftungen am Donnerstag und Freitag gibt es in der aktuellen Serie. tja

Timo Jann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Orchester und Orgel eröffnen Sonnabend Musikreigen – Johannisfeuer lodert.

21.06.2017

Im Fall um die im August getötete Rentnerin wurden gestern die Plädoyers gehalten – Urteil soll nächsten Mittwoch gesprochen werden.

21.06.2017

Die Polizeistation Kücknitz ist gestern über den Tod eines Hundes informiert worden, der offenbar einen Giftköder gefressen hatte.

21.06.2017
Anzeige