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Lauenburg Wieder ein Wal in Groß Pampau entdeckt
Lokales Lauenburg Wieder ein Wal in Groß Pampau entdeckt
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20:20 17.08.2016
Kleinarbeit mit Spaten, Schaufel und Bürsten: Uwe Havekost, Wolfgang Höpfner, Andreas Malchow, Svenja Warnke, Martin Kupsch und Gerhard Höpfner (von links) beim Freilegen des elften fossilen Wales in der Groß Pampauer Tongrube. Quelle: Fotos: Timo Jann

Es klingt etwas dumpf, als Wolfgang Höpfner den feinen Stahlstab in den schwarzen Glimmerton drückt. Sofort weiß er mit geschultem Ohr, dass da etwas verborgen ist, was sonst nicht unbedingt im Ton zu finden ist. Vorsichtig legt er die Stelle mit einem kleinen Spachtel frei – ein Knochen kommt zum Vorschein. Mit dem Stahlstab und einem Pinsel wird das Fundstück ganz vorsichtig vom umgebenden Ton entfernt. „Nicht so kratzen“, ruft Andreas Malchow von hinten. Mehr im Scherz, denn Wolfgang Höpfner weiß, was er tut: Gerade hat er einen weiteren Wal in der Groß Pampauer Kiesgrube der Firma Ohle & Lau entdeckt. Es ist der elfte Fund in Groß Pampau seit 1984.

Erfolgreiche Spurensuche in der Kiesgrube – Vor elf Millionen Jahren tummelten sich hier in der Ur-Nordsee Riesenfische und Robben.

„Das ist hier einfach einmalig, so einen Ort gibt es in Deutschland nicht noch einmal und selbst auf der Welt muss man schon sehr genau hinsehen, um etwas Vergleichbares zu finden“, erklärt Grabungsleiter Gerhard Höpfner. Mit einigen Mitstreitern – darunter seinem Bruder Wolfgang Höpfner aus Hamburg, Uwe Havekost aus Bremen sowie Svenja Warnke und Martin Kupsch aus Uetersen – ist der Lübecker Lehrer seit Jahren auf Spurensuche in Groß Pampau. Spuren aus der Zeit vor elf Millionen Jahren, als hier noch die Ur-Nordsee war. Havekost hatte erst im Januar die Knochen einer Robbe entdeckt, die mittlerweile fast vollständig freigelegt werden konnte. 2013 wurde der mit 15 Meter bisher größte Bartenwal geborgen. Noch fehlt von dem Tier der Schädel. „Das ist hier im wahrsten Sinne des Wortes eine Fund-

Grube“, berichtet Gerhard Höpfner. Der geologischen Struktur ist diese Häufung zu verdanken. Ein Salzstock drückt die Bodenschichten nach oben. So können die Skelette oberflächennah entdeckt werden.

Außerdem sind Grubenbesitzer Wolfgang Ohle und seine Partner begeisterte Fans der Maßnahme. Wenn – wie jetzt ausgerechnet unter einer provisorischen Fahrbahn – neue Knochen gefunden werden, wird zunächst anderenorts weiter Ton abgebaut. „Das Grabungsteam ist herzlich willkommen, aber Leute, die hier einfach nur einem Hobby nachgehen, begeben sich in große Gefahr, deshalb dürfen die nicht mehr auf das Gelände“, berichtet Ohle. Wer in der Tongrube abrutscht und in eines der durch Regen entstandenen Wasserlöcher fällt, bleibt dort stecken.

Die Höpfner-Brüder und ihre Mitstreiter kennen die Grube unterdessen schon seit Jahren, wissen um die Gefahr. Und um das, was sich im Glimmerton verbirgt und woher es kommt. Vor elf Millionen Jahren bedeckte die Ur-Nordsee weite Teile Norddeutschlands, in Groß Pampau – heute immerhin fast 140 Kilometer von der Küste entfernt – stand das Wasser etwa 40 Meter hoch. „Eine Schicht von einem Meter Sedimenten am Boden ist innerhalb von tausenden Jahren entstanden“, sagt Gerhard Höpfner. So wurden verendete und auf den Meeresgrund gesunkene Meerestiere nach und nach bedeckt. Wie nirgendwo sonst werden sie jetzt behutsam wieder freigelegt. „Groß Pampau kommt aus den Schlagzeilen zurzeit ja kaum heraus“, sagt der Grabungsleiter. So oft wie zuletzt waren die Paläontologen, wie die Experten heißen, noch nie erfolgreich. Höpfner: „Wir können wohl davon ausgehen, dass das hier nicht der letzte Fund ist.“ Ohle schätzt, dass der Abbau von etwa 1,9 Millionen Tonnen Glimmerton etwa 15 Jahre dauern wird.

„Der Baggerfahrer ist sehr sensibilisiert, er hat uns manchmal schon wichtige Hinweise gegeben, wenn er etwas Knochenartiges entdeckt hat“, berichtet Malchow. So fand der Architekt 2013 einen Knochensplitter auf der Fahrspur des Baggers – die Basis für den Fund des 15-Meter-Wals.

Im kommenden Jahr treffen sich Paläontologen aus der ganzen Welt zu einem Kongress in Berlin. Eine Exkursion wird die Fachleute dann auch nach Groß Pampau führen.

In Lübeck ausgestellt

Die freigelegten und präparierten Knochen und Skelette der Wale werden im Lübecker Museum für Natur und Umwelt ausgestellt. Am 27. August (Beginn: 18 Uhr) lädt auch dieses Museum zur langen Nacht der Museen in der Hansestadt ein.

Ein Besuch in Sachen Heimatkunde lohnt sich. Der normale Eintritt ins Museum beträgt für Erwachsene sechs, für Kinder zwei Euro. Die Museumsnacht in der ganzen Stadt gibt es für zehn Euro, Kinder bis sieben Jahre zahlen keinen, Jugendliche nur fünf Euro Eintritt.

Timo Jann

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