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Lauenburg Wildkatzenplage: Land will Problem an Kreise delegieren
Lokales Lauenburg Wildkatzenplage: Land will Problem an Kreise delegieren
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09:25 19.10.2013
Sie hatten keinen leichten Stand. Emmely Waniorek, Gaston Prüßmann und Birgit Waniorek (v.l.) vom Tierschutz Mölln informierten gestern über Katzenkastration, trafen auf viele desinteressierte Bürger. Quelle: Geercken
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Mölln

Verwilderte Katzen werden verstärkt zum Problem für die Allgemeinheit. Der Möllner Tierschutz, der im vergangenen Jahr allein 150 herrenlose Katzen eingefangen hat und kastrieren ließ, hat gestern auf dem Möllner Bauhof mit einer Infoaktion auf den Missstand hingewiesen. Er fordert schon lange eine gesetzliche Pflicht für Tierhalter zur Katzenkastration. Der Kreisverwaltung ist die Dimension des Themas bewusst. Sie konnte bislang aus Gründen der Beschränkung gesetzlicher Vorgaben jedoch praktisch nichts tun. Das könnte sich bald ändern. Denn das Land zieht offenbar in Erwägung, die Kreise verwaltungstechnisch in die Lage zu versetzen, entsprechende Verordnungen zu erlassen.

Es war eine mühsame Angelegenheit, gestern für den Tierschutz Mölln. An ihrem Stand am Bauhof haben Tierschutzmitglieder den ganzen Tag über die Notwendigkeit von Katzenkastrationen informieren. Aber die meisten Bürger eilten vorbei. „Vielen Menschen fehlt das Bewusstsein für diese Problematik“, sagt Birgit Waniorek. Die seit der Kindheit engagierte Tierschützerin warb gemeinsam mit dem Vorsitzenden Gaston Prüßmann und ihrer Tochter Emmely um Gehör für das wichtige Thema. „Die Katzen haben keine natürlichen Feinde. Deshalb ist Kastration so wichtig. Außerdem geht es kastrierten Katzen besser, und sie sind gesünder“, sagt Birgit Waniorek. Tierfreund Prüßmann nickt zustimmend und liefert Zahlen: „Bundesweit gibt es etwa zwei Millionen Katzen. In zehn Jahren werden es rund 240 Millionen sein.“ Vor allem die verwilderten Katzen machen den Tierschützern Sorgen. Aktuelle Beispiele sind Stellen am Aldi-Parkplatz Mölln Süd oder in der Waldstadt. Der Verein habe seit 2012 für eingefangene und kastrierte Katzen 12 000 Euro bezahlt.

Auch wenn der gestrige Infotag der Tierschützer auf eher verhaltenes Interesse bei Passanten stieß, scheint die Öffentlichkeitsarbeit von Gaston Prüßmann und seinen Mitstreiterinnen allmählich Früchte zu tragen. Bei der Kreisverwaltung müssen die Tierschützer keine Überzeugungsarbeit mehr leisten, betont Kreissprecher Karsten Steffen auf LN-Anfrage. „Die Szenarien des Tierschutzes sind ja so ganz falsch nicht“, räumte Steffen ein und bestätigte, dass auch aus anderen Städten und Gemeinden bereits Anfragen vorlägen, ob der Kreis nicht etwas zur Eindämmung der Katzenplage unternehmen könne. Bislang, so Steffen weiter, sei das verwaltungstechnisch nicht möglich gewesen, unter anderem weil das Tierschutzgesetz eine entsprechende Verordnung zur Katzenkastrationspflicht nicht ermöglicht habe.

Das ist seit der Neufassung des Tierschutzgesetzes offenbar anders. „Das Umweltministerium erwägt, eine so genannte Subdelegationsverordnung zu erlassen“, erklärt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel auf LN-Anfrage. Damit könnten die Kreise durch weitergehende Maßnahmen die Situation verbessern, „und zwar so, wie es die konkreten lokalen Gegebenheiten erfordern“. Im übrigen appelliert das Umweltministerium dringend an Katzenhalter, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Das gehöre zu einer verantwortungsvollen Katzenhaltung dazu. „Um das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Katzenkastration zu schärfen, werden wir demnächst einen Flyer veröffentlichen, der explizit auf die Problematik hinweist“, so Nicola Kabel weiter.

Damit liegt der Ball offenbar wieder im Feld des Kreises. Und der hat das Thema bereits konkret auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Haupt- Innenausschusses am 4. November.

Diese Möglichkeiten bietet das neue Tierschutzgesetz
Tierschutzgesetz § 13b

Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung zum Schutz freilebender Katzen bestimmte Gebiete festzulegen, in denen

1. an diesen Katzen festgestellte erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden auf die hohe Anzahl dieser Tiere in dem jeweiligen Gebiet zurückzuführen sind und

2. durch eine Verminderung der Anzahl dieser Katzen innerhalb des jeweiligen Gebietes deren Schmerzen, Leiden oder Schäden verringert werden können.

In der Rechtsverordnung sind die Gebiete abzugrenzen und die für die Verminderung der Anzahl der freilebenden Katzen erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Insbesondere können in der Rechtsverordnung

1. der unkontrollierte freie Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen in dem jeweiligen Gebiet verboten oder beschränkt sowie

2. eine Kennzeichnung und Registrierung der dort gehaltenen Katzen, die unkontrollierten freien Auslauf haben können, vorgeschrieben werden.

Die Landesregierungen können ihre Ermächtigung durch Rechtsverordnung auf andere Behörden übertragen.

S. Geercken und M. Wiemer

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