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Windkraft spaltet lauenburgische Dörfer

Walksfelde Windkraft spaltet lauenburgische Dörfer

Immer mehr Kritiker formieren sich gegen den Ausbau von Windenergieanlagen – Bürger und Gemeinden beklagen fehlenden Einfluss, denn Ängste und Unmut wachsen.

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Walksfelde. „Wir sind keine Windkraftgegner, aber kritische Bürger, die Fragen zur Umwelt und zum Natur- und Denkmalschutz von unseren Landtagsabgeordneten und politisch Verantwortlichen im Kreis beantwortet haben möchten“, erklärt Horst Soecknick, Bürgermeister der 180-Seelen-Gemeinde Walksfelde im Amt Sandesneben-Nusse.

Er und seine Mitstreiter aus der Gemeindevertretung, die auch in der „Bürgerinitiative für Menschen und Umwelt in Walksfelde“ aktiv sind, haben Fragen. Zum Beispiel: „Wie ist der aktuelle Planungsstand in der unmittelbaren Umgebung?“, „Wo dürfen WKAs gebaut werden?“, „Wie läuft das Genehmigungsverfahren?“ und vor allem: „Welche Einflussmöglichkeiten haben Bürger auf das Genehmigungsverfahren?“ Antworten darauf erhoffen sie sich von einer Podiumsrunde, die morgen in Duvensee stattfindet (siehe Beistück).

Die erneuerbare Energieform Windkraft entwickelt sich mehr und mehr zu einem Spaltpilz in Land und Gesellschaft. Städter gegen Landbevölkerung, Land- oder Energiewirte gegen Dorfbewohner, Öko-Kapitalisten gegen Naturschützer, das sind nur einige der konträren Konstellationen. Die ungewisse Situation über mögliche Windeignungsflächen in Schleswig-Holstein und die dazugehörigen harten und weichen Tabukriterien sowie die noch „weicheren“ Abwägungskriterien lassen derzeit Spekulationen wie Ängste ins Kraut schießen. Geschürt wird diese Situation dadurch, dass sich das Land die Entscheidungshoheit vorbehält, Gemeinden oder Bürgerinitiativen (derzeit) keinerlei Einfluss mehr haben.

Wenn Horst Soecknick von seiner Terrasse gen Osten nach Alt-Mölln schaut, blickt er auf den seit rund 20 Jahren dort stehenden Windpark. Der ist etwa zwei Kilometer entfernt. Die einzelnen „Spargel“

sind 100 Meter hoch. Nun aber ist ein weiterer Windpark im Gespräch, der mit doppelt so hohen Windmühlen bestückt und dann nur noch in 800 Metern Entfernung von der Dorfgrenze aufgestellt werden soll. Das sei nicht nur eine unzumutbare Belastung für die Einwohner, sondern vor allem eine große Gefahr für die seltenen Großvögel Weißstorch, Kranich und den Rotmilan. Zwei Milan-Horste gibt es in relativer Nähe zum geplanten Windpark, der zudem in der bevorzugten Flugrichtung der Kraniche aufgestellt wäre. Für die Mitglieder der Bürgerinitiative, für Umwelt- und Vogelschützer, für verängstigte Dorfbewohner ein Unding.

So wie hier in und um Walksfelde – immerhin sind von diesem Windpark sieben Gemeinden mit rund 3500 Einwohnern betroffen – geht es vielen Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg. In Breitenfelde versuchte die Gemeindevertretung gestern Abend einen Weg zu finden, um den dort geplanten Windpark mindestens 800 Meter vom Ortsteil Neuenlande (statt 400 Meter von „Splittersiedlungen“ im Außenbereich) entfernt zu halten.

In Klinkrade gab es schon zwei Bürgerentscheide gegen WKAs auf eigenem Gelände, jetzt gibt es einen neuen Anlauf der Befürworter – und erneut ein Bürgerbegehren der Kritiker.

Massiver Widerstand formiert sich auch seit Monaten in den Bereichen Dassendorf-Brunstorf, Schulendorf-Witzeeze-Lütau und Krukow-Juliusburg-Krüzen. Den Unmut müssen vor allem die Grünen als Verfechter der Energiewende ausbaden. Aber auch die SPD von Ministerpräsident Torsten Albig kommt bei Kritikern wie Soecknick nicht gut weg. Er glaubt, die Sozialdemokraten vor Ort liegen alle „auf Linie“ der Landes- und Regierungs-SPD, die das Ziel hat, bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energie auf 300 Prozent des eigenen Strombedarfs zu steigern. „Schon in den 1970er Jahren haben wir Alt-68er vor den Gefahren der Atomkraft gewarnt. Diese Gefahr wurde damals wider besseres Wissens missachtet. Und jetzt machen wir möglicherweise mit der Windenergie erneut einen Fehler . .

.“

 Joachim Strunk

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