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Windräder: Grüne in Erklärungsnot

Schwarzenbek Windräder: Grüne in Erklärungsnot

Veranstaltung in Schwarzenbek sollte beruhigen — Doch die Emotionen zum Thema Windenergie kochten hoch.

Detlef Matthießen (v.l.), Gegnerin Dr. Susanne Kirchhoff, Burkhard Peters und Staatssekretärin Dr. Ingrid Nestle diskutierten mit Bürgern.

Schwarzenbek. Bei einem Windgipfel wollten die Kreisgrünen in Schwarzenbek mit Betroffenen offen diskutieren. Doch es wurde alles andere als ein gemütlicher Plausch. Statt wie vorgesehen Verunsicherung abzubauen, gingen am Ende des Abends sowohl Landesvertreter als auch Anwohner eher frustriert nach Hause. Denn, auch wenn sich Grünevertreter und Landesregierung um Transparenz bemühten, stieß gerade das Wort Transparenz immer wieder auf deutliche Kritik. Die rund 100 Gäste machten klar, dass sie nicht gegen Windenergie seien, aber auch nicht von den Windrädern beeinträchtigt werden wollten. Kernpunkt der Kritik sind aus Sicht der Betroffenen zu geringe Abstände zu Wohnhäusern.

 

LN-Bild

Herbert Düssler kritisiert zu geringe Abstände von Windkraftanlagen: „Der Infraschall raubt den Menschen den Schlaf“.

Quelle: Fotos: W. Reichenbächer

„Wir wollen zwei Prozent der Fläche in Schleswig-Holstein für Windenergie nutzen.“ Detlef Matthießen, energiepolitischer Sprecher der

Landtagsfraktion der Grünen

„Es gibt einen Zustand der großen Verunsicherung“, sagte Grünen Landtagsabgeordneter Burkhard Peters aus Mölln mit Hinweis auf das Urteil des Oberverwaltungsgericht, das die Regionalpläne zur Steuerung des Windkraftausbaus gekippt hatte. Mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts sei alles wieder auf Null gestellt. Für die politische Diskussion dazu hatten die Grünen ihren energiepolitischen Sprecher Detlef Matthießen aufgeboten. „Wir wollen zwei Prozent der Fläche in Schleswig-Holstein für Windenergie nutzen“, so Matthießen. Damit soll das Ziel erreicht werden, 300 Prozent Strom mit erneuerbaren Energien zu erzeugen. 100 Prozent sollen für Schleswig-Holstein genutzt werden, die restlichen 200 exportiert werden. „Ein Milliarden-Geschäft“, so Matthießen.

Ein genanntes Ziel, das Staatssekretärin Dr. Ingrid Nestle mit 300 Prozent sogar noch für zu niedrig hält. Der Strombedarf durch beispielsweise E-Fahrzeuge werde eher noch zunehmen, so Nestle. Auch wenn viele Zuhörer deutlich machten, dass sie für die Energiewende seien, wolle man aber nicht vor der Haustür eine Windkraftanlage stehen haben, damit auch die Bayern noch Strom hätten, ohne selber aktiv werden zu müssen.

Großer Streitpunkt ist der Abstand der Windkraftanlagen zur Wohnbebauung. Der Mindestabstand beträgt derzeit 800 Meter, im Außenbereich 400 Meter. Matthießen erklärte, dass für die Berechnung eine Höhe der Windräder von 150 Meter zugrunde gelegt worden sei. Auf das Argument der Zuhörer, dass die Räder mittlerweile 200 Meter und Höher seien, wollte Nestle beruhigen, indem die aufführte, dass dann die „3 H Regelung“ eintrete. Also der dreifache Abstand im Verhältnis zur Höhe einzuhalten sei. Dies wären dann bei 200 Meter hohen Windrädern allerdings statt 800 Meter nur 600 Meter. Das konnte die Gemüter nicht unbedingt beruhigen. Gefordert werde ein zehnfacher Abstand, also zwei Kilometer bei 200 Meter hohen Anlagen. Doch dies sei gesetzlich nicht möglich, erläuterte Nestle. Es habe zwar bis Ende 2015 für die Länder die Möglichkeit gegeben, die Vorgaben an die des Bundes anzupassen. Aber Schleswig-Holstein habe im Gegensatz zu einigen anderen davon keinen Gebrauch gemacht.

Ob nun Windräder in Sichtweite schädlich sind oder nicht, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Für Dr. Susanne Kirchhoff, Vorsitzende des Landesverbandes Gegenwind SH, ist klar: Die verwendeten Messmethoden seien nicht zuverlässig und gerade der tieffrequente Infraschall wird auch über den Körper wahrgenommen. Dies sah die Staatssekretärin anders. „Der Infraschall liegt weit unter der Wahrnehmungsschwelle“, so Nestle. Es sollen aber noch weitere Messreihen folgen. Ab dem Sommer soll die Möglichkeit eingerichtet werden, im Internet zu den geplanten Windenergieflächen Bemerkungen einzutragen.

Erkenntnis des Abends — soweit bei den Grünen auf Landesebene nicht ohnehin schon gereift — war, dass der weitere Ausbau der Windenergie nicht überall auf große Gegenliebe stößt. Die Betroffenen mussten feststellen, dass sich wohl weder Grüne noch die Landesregierung bewegen werden, gerade in Sachen zu den Wohnhäusern.

Von Wolfgang Reichenbächer

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