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„Wir drängen niemanden in die Einsatzschiene“

Das LN-Interview: Jan Frederik Schlie, DLRG-Katastrophenschutzbeauftragter „Wir drängen niemanden in die Einsatzschiene“

Die lauenburgische DLRG möchte offiziell im Katastrophenschutz angesiedelt werden. Der Möllner Jan Frederic Schlie erklärt, warum die Anerkennung und damit die soziale Absicherung der Helfer notwendig ist.

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Lauenburg. Lauenburg — Die DLRG im Lauenburgischen leistete bei den Flutkatastrophen in Lauenburg bereits mehrfach wichtige Hilfe. Offiziell im Katastrophenschutz des Kreises sind die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer allerdings nicht angesiedelt. Mit einem Antrag hat der Verband sich jetzt im Haupt- und Innenausschuss des Kreistags dafür stark gemacht. Der Katastrophenschutzbeauftragte der Organisation auf Kreisebene, Jan Frederik Schlie (Mölln), erklärt im LN-Interview, warum das so wichtig ist.

Lübecker Nachrichten: Konnten Sie den Menschen bei der Flut 2013 gut unter die Arme greifen?

Jan Frederik Schlie: Ja. Wir sind hauptsächlich für die Evakuierung eingesetzt worden. Der Wasserrettungszug aus den Kreisgliederungen war vor allem für die Sicherung der Einsatzkräfte zuständig und hat Treibgut abgefischt.

LN: Wie wichtig waren speziell die Helfer der DLRG?

Schlie: 2002, bei der Jahrhundertflut, gab es die ersten Einsätze der DLRG. Die Gliederung Oberelbe ist im Bereich Sanitätswesen und Logistik bereit innerhalb des Katastrophenschutzes tätig.

Speziell die Wasserrettung ist 2002, 2006, 2011 und 2013 zum Einsatz gekommen. In diesem Jahr sogar mit Unterstützung des Wasserrettungszuges aus dem Kreis Pinneberg.

LN: Wird die Hochwassergefahr im Lauenburgischen tendenziell unterschätzt, oder warum ist die DLRG offiziell kein Bestandteil des Katastrophenschutzes des Kreises?

Schlie: Die untere Katastrophenschutzbehörde, der Kreis, kann Bedarf anmelden und die Wasserrettung als notwendig einstufen. Aber nur die obere Katastrophenschutzbehörde, das Innenministerium des Landes, kann einen Stärkeerlass herausgeben. Darin ist die DLRG offiziell noch nicht integriert. Es gibt lediglich ein Pilotprojekt im Kreis Pinneberg.

LN: Die DLRG hat bei jeder Flut im Lauenburgischen geholfen. Was würde sich denn durch einen Wasserrettungszug noch ändern?

Schlie: Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir benötigt werden. Im Moment opfern die Helfer ihren Urlaub oder nutzen die Großzügigkeit ihrer Arbeitgeber. Wenn wir eine offizielle Anerkennung hätten, dann wäre die Helferabsicherung ein ganz großes Thema: Eine Freistellung oder eine Lohnfortzahlung wäre im Einsatzfall möglich. Das würde der sozialen Absicherung unserer Helfer dienen. Das ist der Hauptpunkt, den wir mit unserem Antrag im Kreistag durchsetzen wollen.

LN: Welches Potenzial steckt noch in der DLRG? Was könnte den Katastrophenschutz bereichern?

Schlie: Unserer Vorteil ist, dass wir flächendeckend in Schleswig-Holstein und im Kreisgebiet vertreten sind. Da wir noch nicht im Katastrophenschutz angegliedert sind, fehlen diese vielen fleißigen Hände noch bei der Flut. Unsere Stärke ist die Wasserrettung. Wir übernehmen jedoch auch logistische Aufgaben oder können das Sanitätswesen gewährleisten.

LN: Sollten sich Rettungsschwimmer nicht eher um den sicheren Badebetrieb kümmern? Haben Sie im Lauenburgischen überhaupt genug Kapazitäten, um im Sommer über Wochen einen Rettungszug zu bestücken?

Schlie: Ja. Wir haben genügend Helferpotenzial. Die Gliederungen an den Badeseen in Mölln und Ratzeburg sind entsprechend groß, so dass sie beide Aufgaben erfüllen können — Badesicherung und Katastrophenhilfe. Auch dieses Jahr haben wir das bewiesen. Das Hochwasser war mitten im Juni. Da steckten wir schon mitten in der Badesaison. Wir konnten den stationären Wachdienst trotzdem besetzen.

LN: Der Einsatz bei einer Flut ist wesentlich gefährlicher, als an einem Badesee? Sind sie dieser Herausforderung genauso gewachsen, wie das THW oder die Feuerwehr?

Schlie: Sicher. Es gibt spezielle Ausbildungsbereiche bei uns. Die Aufsicht am Badesee und die sogenannten SEG-Strukturen, also den mobilen Rettungsdienst. Bei letzterem ist das Einsatztauchen ein Alleinstellungsmerkmal der DLRG. Auch Bootsführer werden speziell geschult. Wir bilden Katastrophenschutzhelfer aus — Sprechfunker, Zugführer, Gruppenführer und alles, was sonst noch dazugehört.

LN: Welche Rolle spielt das Geld bei Ihrem aktuellen Antrag?

Schlie: Geld spielt erst einmal eine Nebenrolle. Klar gibt es die Aussicht auf eine Förderung. Standardisierungen sind im Katastrophenschutz ein großes Thema. Doch die meisten Gliederungen sind rein ehrenamtlich tätig. Wenn überhaupt, bekommen sie minimale Zuschüsse vom Kreis oder den Gemeinden. Wir finanzieren uns über Mitgliedsbeiträge. Für uns ist in erster Linie wichtig, dass wir die Anerkennung vom Kreis in Sachen Katastrophenschutz bekommen.

LN: Welche Vorbehalte gegen die Eingliederung der DLRG in den Katastrophenschutz des Kreises bestehen?

Schlie: Der Kreis steht dem Thema sehr positiv gegenüber. Das habe ich vor allem bei Gesprächen mit Kreisverwaltungsdirektorin Dörte Kröpelin und Landrat Gerd Krämer bemerkt. Das Land ist natürlich zurückhaltend. In Kiel sieht man nur einen großen Geldtopf für den Katastrophenschutz. Wenn neue Einheiten dazukommen, müssen aus Sicht des Landes finanzielle Mittel bei anderen Einheiten abgezogen werden. Ich jedoch denke, dass man genau hinsehen muss, was im gesamten Katastrophenschutz wirklich noch notwendig ist und was nicht. Langfristig muss eine neue Bedarfsanalyse her.

LN: Wie könnte ein Rettungszug konkret aussehen?

Schlie: Material und Personal für den Katastrophenschutz sind jetzt schon in den Gliederungen vorhanden. Die Grundstruktur steht. Land und Kreis müssen dafür kaum etwas investieren. Wir rechnen derzeit mit 64 Helfern. Das sind 32 Helfer in Doppelbesatzung, damit es auch Ablösemöglichkeiten der Helferteams gibt. Wir haben neun Fahrzeuge und sieben Boote dafür vorgesehen. Sie alle waren bei der Flut in Lauenburg im Einsatz.

LN: Was reizt Sie persönlich daran, Menschen in der Not zu helfen?

Schlie: Ich bin in der DLRG groß geworden und habe von Kindesbeinen an dort gelernt. Auch beruflich habe ich mich in diese Richtung orientiert, bin Rettungsdienste gefahren und mache das auch heute noch nebenberuflich. Mir macht es einfach Spaß, Menschen in Notsituationen zu helfen. Man muss jedoch auch ganz klar sagen, dass diese Hilfe auch eine persönliche Belastung mit sich bringt.

Aber die starke Gemeinschaft ist ein großer, positiver Punkt für mich.

LN: Vereine haben zunehmend Nachwuchssorgen. Was können Sie einem jungen Menschen versprechen, wenn er sich für die DLRG ehrenamtlich engagiert?

Schlie: Wir sind sehr vielfältig. Das ist das Positive an der DLRG. Wir machen viel im Bereich der Jugendarbeit. Wer bei uns Schwimmunterricht geben will, ist immer herzlich willkommen.

Jeder, der zu uns kommt, kann sich aussuchen, was er machen möchte. Wir drängen niemanden in die Einsatzschiene.

Interview: Florian Grombein

Zur Person
Jan Frederik Schlie (24) wurde in Mölln geboren. Er machte Abitur und absolvierte eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. Schlie studiert in Hamburg Rettungsingenieurswesen im sechsten Semester und ist kurz vor dem Bachelor. Derzeit absolviert er eine praktische Phase innerhalb des Studiums im Landesamt für Katastrophenschutz in Schwerin. Bei der DLRG Mölln ist er stellvertretender Technischer Leiter des Wachdienstes im Luisenbad. Er ist außerdem DLRG-Katastrophenschutzbeauftragter im Kreis. Auf Landesebene ist er bei der DLRG zuständig für Rettungsschulungen.

LN

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