Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg „Wir können Naturschutz“
Lokales Lauenburg „Wir können Naturschutz“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:28 13.08.2018
Georg Wieschendorf (l.) aus Duvensee und Axel Funck, Altbürgermeister von Lüchow, haben mehr als 50 Nistkästen gebaut, die im Moor aufgehängt wurden. Die beiden präsentierten Kästen sind Sonderanfertigungen für Fledermäuse.
Duvensee

Habeck ging daraufhin den „Duvenseer Kompromiss“ ein und gewährte den Einwohnern vor Ort ein Jahr Zeit, um ihre Behauptung zu belegen. Am Donnerstag, 16. August, kehrt der grüne Landesminister nun zurück, um sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen. Es wird übrigens einer seiner letzten Termine als Landesumweltminister sein, da er zum 1. September als Bundesvorsitzender seiner Partei nach Berlin wechselt.

In diesen Tagen jährt sich der „Duvenseer Kompromiss“. Im Juli 2017 kam der Kieler Umweltminister Robert Habeck nach Duvensee, wo ihm zahlreiche Einwohner erklärten, das Duvenseer Moor müsse nicht zum Naturschutzgebiet erklärt werden. Mit einem Verein ließe sich der Schutz besser und schneller gestalten.

„Wir können schnell, un- bürokratisch und effektiv tätig werden. Gerd Vogler,

Vereinsvorsitzender

Und wie sieht es nun in und um Duvensee aus? Was hat sich getan in diesem Jahr? Wie sieht das Engagement im Moor und in den umliegenden Dörfern aus? Was wurde erreicht? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, haben sich die Lübecker Nachrichten vor Ort umgeschaut.

Die Aktivitäten sind mittlerweile in einem eingetragenen Verein „Duvenseer Moor e.V.“ gebündelt. Gründungstag war der 26. September 2017. Vorsitzender ist der Duvenseer Landwirt Gerd Vogler, seine Stellvertreter heißen Ulrich Hardtke und Wieland Grot. Im Vorstand sitzen neben den Bürgermeistern der vier „Moorgemeinden“ Duvensee (Hans-Peter Grell), Lüchow (Tilman Hack), Labenz (Ulrich Hardtke) und Klinkrade (Paul Musolf) auch noch Klaus Schlie als Vertreter der Stiftung Herzogtum Lauenburg sowie Frank Lübbers, Detlef Meyer, Dr. Alfred Petersen und Jörg Stenzel.

In regelmäßigen Abständen informiert Vogler die mittlerweile 217 Mitglieder des Vereins (davon elf Gemeinden) per E-Mail und Info-Flugblatt über Neuigkeiten aus der Umweltarbeit des Vereins, seiner Mitglieder, aber auch von interessanten Terminen zum Thema Umwelt und Naturschutz sowie über Aktivitäten von Menschen in den Dörfern, die sich durch den Verein zu eigenen Aktionen anregen ließen. Wie etwa die Nachbarn von Vogler, Heiko und Anja Wallbaum, die einen Teil ihres Gartens in eine prallbunte Sommerblumenwiese umgestaltet haben.

Dieses Beispiel ist „abgeguckt“ von der Umwandlung von insgesamt 7,2 Hektar Acker- und Weideland im Moorgebiet in Blühwiesen. Neben zahlreichen Randstreifen wurde auch eine 2,9 Hektar große Fläche mit der Blumensaatmischung „Bunte Biene“ bestückt. Letztere wurde vom Labenzer Landwirt Carsten Wilke zur Verfügung gestellt, die Aussaat hatte Frank Lübbers übernommen.

Neben dieser Wildblumenpracht wurde auch eine große Pflanzaktion von 400 Bäumen und Sträuchern im Moorgebiet abgeschlossen. Vogler: „Was jetzt viel Arbeit macht, ist das regelmäßige Bewässern, damit uns die Pflanzen nicht eingehen.“

Zwei Ruheständler haben in mehrtägiger Arbeit über 50 Vogelnistkästen gebastelt: Der gelernte Zimmermann Georg Wieschendorf (80) hat Werkzeug und Maschinen gewissermaßen „vorrätig“, ihm zur Hand ging Axel Funck (68), ehemaliger Bürgermeister von Lüchow. Die Kästen, darunter auch Sonderanfertigungen für den Eisvogel, wurden hauptsächlich an den Wegen und Knicks angebracht.

Über eine fünfköpfige Brut „ihres“ Turmfalkenpärchens freuen sich zudem Marlene und Ernst Michelis aus Duvensee. Vor zwei Wochen wurden die Jungen flügge und verließen den Nistkasten im Giebel des Bauernhauses, das bislang immer von Schleiereulen oder Waldkäuzen bewohnt war.

Neben diesen kleinen und größeren Ereignissen berichtet Alfred Petersen zudem vom Projekt der Aussichtsplattform. „Wir haben einen Standort am Anfang des ,Nietewegs’ in Duvensee gefunden. Hier wollen wir in zwei Metern Fußhöhe eine Plattform auf einer Eichenkrone errichten.“ Von der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde habe der Verein das Okay erhalten, die Finanzierung ist ebenfalls weitgehend gesichert.

Voran geschritten im wahrsten Sinne des Wortes ist auch der geplante Wanderweg durchs Moor. Genehmigung und Geld liegen vor, nur die Nutzungserlaubnis auf einzelnen Teilflächen steht noch aus. Alles in allem, so Vogler und Petersen, zeige: „Wir können Naturschutz – und da wir vor Ort sind, können wir meist schnell, unbürokratisch und effektiv tätig werden“. Insofern scheinen die Voraussetzungen erfüllt, Umweltminister Robert Habeck kann kommen und sich selbst überzeugen.

Der Termin mit Robert Habeck um

17 Uhr im Duvenseer Dorfgemeinschaftshaus ist öffentlich.

Seen aus der Eiszeit

Die Duvenseeniederung und das östlich gelegene Manauer Moor sind durch die nacheiszeitliche Verlandung und Vermoorung zweier Seen entstanden. Reste beider Seen sind sogar noch auf historischen Karten aus dem 18. Jahrhundert verzeichnet. Die endgültige Trockenlegung des Moores erfolgte um 1850. Danach wurde es abgetorft und das Gebiet großflächig als Grünland genutzt.

Heute wird die Niederung als grünlandgeprägte Offenlandschaft genutzt. Mit ihren feucht-nassen Standorten und Bereichen mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung stellt sie einen wichtigen Lebensraum für ein landesweit bedeutsames und teils gefährdetes Arteninventar dar.

Zudem weist das Gebiet Reste von seltenen, moortypischen Vegetationsbeständen und Tierarten auf, die nicht nur nach Maßgabe des Umweltministeriums geschützt werden sollten.

Außerdem hat das Gebiet durch die Fundstätten mittelsteinzeitlicher Siedlungsplätze eine große Bedeutung für die Archäologie. Diesbezüglich plant der Verein Duvenseer Moor am Donnerstag, 23. August, ab 16 Uhr ein „Moorfest“. Erst berichtet ein Team vom Schloss Gottorf (Landesarchäologen) von ihrer Arbeit und den Funden im Moor, anschließend wird in der Schmiede gefeiert. unk

Joachim Strunk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!