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Lauenburg Wird Schwarzenbeker Brandstifter in Psychiatrie eingewiesen?
Lokales Lauenburg Wird Schwarzenbeker Brandstifter in Psychiatrie eingewiesen?
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16:07 12.02.2019
Günter Höltig zeigte 2017 die Brandspuren in seinem Eßzimmer: Ein brennender Grillanzünder war an der Jalousiekurbel des Fensters im Erdgeschoss hängen geblieben. Quelle: Timo Jann
Schwarzenbek

Nach einer offenbar krassen Fehleinschätzung von Justiz und Psychiatern während eines Gerichtsprozesses im August 2017 soll ein neuer Prozess vor dem Lübecker Landgericht den Anwohnern in der Siedlung an der Rülau endlich zu mehr Sicherheit und weniger Sorgen verhelfen. Am Mittwoch steht ein 24-Jähriger vor Gericht, der wiederholt brennende Grillanzünder durch auf Kipp stehende Fenster in Häuser geworfen hatte. „Die Verhandlung findet vor dem Landgericht statt, weil das Gericht zu prüfen haben wird, ob eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen ist“, erklärt Dr. Ulla Hingst, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Rückblick: Am 21. Juli 2018, einem heißen Tag im vergangenen Sommer, lüften Anwohner am Eichenweg ihr Haus. Das gekippte Fenster entdeckt der 24-Jährige, der in der Nähe wohnt. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft umwickelt er einen Grillanzünder mit Papier einer Küchenrolle, klemmt diesen in den Fensterspalt und zündet ihn an. Dadurch gerät der Fensterrahmen in Brand. Im Anschluss daran soll er einen Nachbarn zum Brandort geführt haben, der die Eigentümer des Hauses informierte, so dass das Feuer gelöscht werden konnte. Der Schaden blieb gering, verletzt wurde niemand. Dennoch wirft die Ermittlungsbehörde dem Schwarzenbeker gefährliche Brandstiftung vor.

Knapp ein Jahr zuvor hatte der jetzt erneut Angeklagte bereits vor dem Schwarzenbeker Schöffengericht gestanden. Damals gab es denselben Tatvorwurf. Ebenfalls am Eichenweg, ausgeführt am 10. September 2015. Drei weitere nahezu identische Fälle aus Herbst 2015 und Frühsommer 2017 wurden dem Mann damals nicht vorgeworfen. Die ersten beiden Fälle nicht, weil er die Bewohner selbst gewarnt hatte, der dritte Fall war ihm nicht nachzuweisen. Der Beschuldigte, das wurde im ersten Prozess öffentlich, leidet unter einer Epilepsie. Der um Rat gebetene psychiatrische Sachverständige bescheinigte ihm zudem eine Intelligenzminderung. „Leichte Schlussfolgerungen kann er ziehen, aber ein ,Was wäre wenn?’ – das überfordert ihn“, erklärte der Sachverständige im Gericht. Mit draußen gefundenem Grillanzünder und einem Feuerzeug, das ihm wohl jemand in die Tasche gesteckt haben musste, habe er die Tat am 10. September 2015 ausgeführt, hatte der junge Mann damals eingeräumt.

Der betroffene Bewohner bemerkte das Feuer, löschte den Brand, schloss das Fenster und sah dabei draußen seinen Nachbarn. Bei den eingestellten Fällen lief es etwas anders: Da warnte der 23-Jährige selbst die Bewohner durch Klingeln an der Haustür. Außerdem rief er noch die Feuerwehr, schickte sie aber an falsche Adressen, um sie während der Anfahrt „heldenhaft“, wie der Strafverteidiger ausgeführt hatte, zur eigentlichen Brandstelle dirigieren zu können.

Eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro war der Preis für Angst und Schrecken, den der Mann in der Siedlung an der Rülau verbreitet hatte. Pyromanen hätten andere Motivationen, meinte der Sachverständige – eine Wiederholungsgefahr sah er nach seiner Beurteilung bei dem Angeklagten nicht. Eigentlich stehen auf schwere Brandstiftung mindestens fünf Jahre. Weil der damals 23-Jährige nicht vorbestraft war, vermindert schuldfähig ist, weil kein hoher Schaden entstanden war und ihm außerdem keine weiteren Taten in den zwei Jahren seit der angeklagten Brandstiftung nachzuweisen waren, fiel das milde Urteil. Es löste noch im Gerichtssaal bei Anwohnern Kopfschütteln aus.

Die Fehleinschätzung des psychiatrischen Gutachters sorgte dafür, dass der junge Mann erneut aktiv werden konnte. Doch damit soll voraussichtlich durch eine Unterbringung in einer Fachklinik nun Schluss sein. „Eine entsprechende Anordnung darf nur das Land-, nicht aber das Amtsgericht treffen“, begründet Ulla Hingst die Verhandlung in Lübeck mit eindeutigem Ziel. Der „Grad der Gefährlichkeit“, den das Amtsgericht 2017 als noch nicht erreicht angesehen hatte, dürfte nun überschritten sein. Eine Einweisung in eine Klinik wäre so zu rechtfertigen.

Die öffentliche Verhandlung beginnt am Mittwoch um 10 Uhr vor der VII. Großen Strafkammer. Eine Fortsetzung ist für den 27. Februar geplant. Das Gericht hat sechs Zeugen und zwei Sachverständige geladen.

Timo Jann

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