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Lauenburg Von Kunstgenuss und Identitätsbegriff
Lokales Lauenburg Von Kunstgenuss und Identitätsbegriff
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10:23 01.10.2018
Sabine Egelhaafs Idee war, mit den Bambushütten ungezwungene Begegnungen zu fördern und den Garten des Museums so zu einem lebendigen Ort der Vielfalt zu machen. „Gestern habe ich beobachtet, wie hier drei Kinder dringesessen haben und ganz glücklich waren“, erzählt sie. Auch so geht also das Stiften von Identität. Quelle: Dorothea Baumm
Ratzeburg

Wie das geht: Dass Kunst verbindet, zum identitätsstiftenden Element wird, das durften 14 Menschen gestern in Ratzeburg erleben. Sie hatten sich am Kreismuseum eingefunden, um an der Führung durch die Ausstellung „Identität“ teilzunehmen. Annette Leyener, Professorin an der Wismarer Hochschule, Fakultät Gestaltung, hatte selbst sichtlich Spaß an den vielschichtigen Arbeiten.

Hier sehen Sie weitere Bilder zur Kunstausstellung „Identität“ im Ratzeburger Kreismuseum

„Gucken Sie mal von hier“, „schauen Sie mal genau hin“, „achten Sie mal drauf, wie sich hier schon das Material verändert“ oder gar „stellen Sie sich unbedingt mal alle hier hinein“: Die Dozentin wurde nicht müde, ihre Zuhörer vom bloßen Schauen ins aktive Erleben zu motivieren. Die nahmen jede Anregung gern an.

Mit von der Partie waren auch das Mustiner Künstlerehepaar Sabine und Christian Egelhaaf, die das Ausstellungsprojekt für den Lauenburgischen Kunstverein und das Forum für Kultur und Umwelt im Kreis Herzogtum Lauenburg organisiert haben, und – ganz privat – Ratzeburgs Bürgermeister. Rainer Voß, der „zu meinem großen Bedauern“ an der Eröffnungsfeier nicht teilnehmen konnte, genoss nun die sachkundige Führung. Und beschloss, mit seiner Enkeltochter zurückzukehren, um ihr einiges zu zeigen, vor allem natürlich die Egelhaafschen Kugelbahnen.

Kunstführung: eine perfekte Gelegenheit, alle Scheu über Bord zu werfen. So, wie Annette Leyener versiert, aber auch engagiert alle Register ihres didaktischen Könnens zog, so begeistert waren auch die Teilnehmenden bei der Sache. Eben noch hatte Leyener, die übrigens seit 20 Jahren als Professorin lehrt und seit 42 Jahren als Künstlerin tätig ist, Christian Egelhaafs Arbeit „Verschränkte Identität“ erklärt, da regte sich auch schon Widerspruch. Erst hatte der Herr nur skeptisch geguckt, auf Aufforderung der Wismarerin sagte er dann, er sähe das ganz anders.

Jeder sieht, was er will

Schon war eine Diskussion in Gange. „Herrlich“ fand Leyener das, und sie sagte, „es spielt überhaupt keine Rolle, was tatsächlich abgebildet ist.“ Sabine Egelhaafs Einwurf, jeder sähe nun einmal das, was er wolle, quittiert sie mit einem enthusiastischen: „Genau! Sonst gäbe die ganze Kunst keinen Sinn.“

Immer wieder kamen Leyener und ihre Kunst-Gefolgschaft von der Führungssituation weg zum direkten, fröhlichen und engagierten Austausch. 18 Stationen zeigt der Ausstellungsflyer zur „Kunst im Park“ auf, und die Dozentin ging auf jede Arbeit ein. Die Freude über die aufgeschlossenen Ratzeburger und deren Anmerkungen war ihr deutlich anzumerken.

Der Empörungsfaktor der Kunst ist weg

Die Wichtigkeit und die Akzeptanz von Kunst in der Bevölkerung habe sich sehr geändert, sagte Leyener. „Vor 40 Jahren konnten Künstler mit Positionen noch Proteste auslösen“, erklärte sie, „heute ist der Empörungsfaktor woanders hingerückt, in die Politik.“

Termine

Die Ausstellung „29 Jahre nach der friedlichen Revolution – Identität“ ist noch bis zum 9. November im und am Kreismuseum Ratzeburg, Am Domhof 12, zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, die Gartenanlage ist jederzeit zugänglich.

Am 6. Oktober findet im Schlagsdorfer Museum Grenzhus das Seminar „Gibt es eine regionale Identität in der Schaalseeregion?“ statt. Von 10 bis 16 Uhr wird das Thema mit Fachleuten von allen Seiten beleuchtet und diskutiert. Anmeldungen: Grenzhus Schlagsdorf, Telefon 038875/20326 oder eMail info@grenzhus.de. Die Teilnahme kostet 5 Euro.

Am Mittwoch, 24. Oktober, wird in der ehemaligen Raiffeisen Hauptgenossenschaft in Mustin, Schweriner Straße 8, ein Vortrag angeboten. „Die Agrarwende selber machen“ von der Regionalwert aG Hamburg beginnt um 19.30 Uhr.

Am Dienstag, 6. November, zeigt der Lauenburgische Kunstverein im Filmclub Burgtheater Ratzeburg „Die Slow Food Story“. Der Dokumentarfilm aus Italien von Stefano Sardo läuft 73 Minuten.

Dr. William Boehart referiert am 9. November zum Thema „9. November – Der ,Heimliche-Unheimliche’ Nationalfeiertag der Deutschen“. Der Vortrag im Kreismuseum Ratzeburg beginnt um 19 Uhr.

Am 10. und 11. November veranstalten der Lauenburgische Kunstverein und das Lauenburgische Kreismuseum zum ersten Mal einen Regional- und Designmarkt. Mehr als 20 Aussteller präsentieren eigene Erzeugnisse aus den Bereichen Handwerk, Produkt- und Modedesign (Schmuck, Holz, Metall, Leder, Keramik, Glas und Textiles) sowie Essen und Trinken. Geöffnet ist jeweils von 10 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei.

Einig waren sich Leyener und das Künstler-Ehepaar Egelhaaf, dass „wieder mehr für die Grundlagen getan werden muss“. Die Polarisierung, betonte Leyener, finde überall statt. „Entweder ist alles exquisit oder auf ein kümmerliches Niveau zurückgesunken.“ Da wollen der Lauenburgische Kunstverein und das Kreismuseum gemeinsam gegensteuern: mit dem Regio- und Designmarkt am 10. und 11. November. Bis dahin hoffen sie auf viele Besucher der Ausstellung „Identität“, die noch bis zum 9. November im Kreismuseum Ratzeburg zu sehen ist.

Hier lesen Sie mehr über die Ausstellung

Dorothea Baumm

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