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Lauenburg Wo der Geist mal Urlaub machen kann
Lokales Lauenburg Wo der Geist mal Urlaub machen kann
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22:02 17.11.2017
Das „Haus der Stille in Roseburg“ (links), 1905 erbaut, war Mittelpunkt eines Gutshofs und ist ab 1962 ein Meditationszentrum. Im Meditationssaal (oben) findet sich nicht viel, das die Teilnehmer der Kurse ablenken könnte. Hier wird vor allem geschwiegen. Im Speiseraum (Mitte) essen die Seminarteilnehmer gemeinsam. Geboten wird ihnen vegetarische Vollverpflegung. Das „Haus der Stille“ verfügt über 38 Betten in 20 schlicht eingerichteten Zimmern (rechts).
Roseburg

1905 ließ sich eine Familie, die den Kiesabbau in der Region betrieb, am Ortsrand von Roseburg einen höchst ansehnlichen Gutshof errichten. 1960 wurde dieses Haus samt drei Hektar Land rundum zum Verkauf angeboten. Ein Jahr zuvor hatte die „Buddhistische Gesellschaft Hamburg“ beschlossen, irgendwo auf dem Land ein Haus zu suchen, in dem man Kontakte knüpfen, meditieren, Seminare abhalten oder „einfach nur geistigen Urlaub machen“ könne, wie es damals in einer Veröffentlichung hieß.

Sie haben genug vom Stress und der Hektik des Alltags? Dann ist die Mühlenstraße 20 im Dörfchen Roseburg möglicherweise die richtige Adresse für Sie. Dort steht nämlich das „Haus der Stille“, und der Name ist hier Programm. Das Backsteingebäude mitten in einem großen Park ist seit mehr als 50 Jahren ein buddhistisches Meditationszentrum – das älteste und wohl auch eins der bekanntesten in Deutschland.

Der Name „Haus der Stille“ stand schon fest, bevor man bei der Suche nach einem Quartier in Roseburg fündig wurde.

1961 wurde der Kaufvertrag unterzeichnet, zum Jahresbeginn 1962 erfolgte der Besitzerwechsel. So schön das Haus auch aussah – es befand sich in einem nicht gerade wohnlichen Zustand. Die damalige Hausleiterin Nadine Cornelius beschrieb es einige Jahre später so: „Das einzige beheizbare Zimmer war das jetzige Büro, ich konnte mich nur notdürftig in einer Schüssel mit kaltem Wasser waschen.

Nachts liefen Mäuse im Haus umher. Der alte Ofen qualmte und rußte, es gab keinen Kühlschrank. Trotzdem waren manchmal 30 Gäste und mehr zu versorgen.“

Das hat sich im Laufe von 55 Jahren natürlich grundlegend geändert. Heute ist das „Haus der Stille“ ein weithin bekanntes und beliebtes Tagungs- und Meditationszentrum in Trägerschaft eines Vereins geworden, das im Haupthaus und in einem später errichteten Nebengebäude über 38 Betten in 20 schlicht, aber zweckmäßig eingerichteten Zimmern verfügt. Die Teilnehmer versammeln sich hier für unterschiedlich lange Abschnitte – vom verlängerten Wochenende bis zu 14 Tage. Für vegetarische Vollverpflegung ist ist in dieser Zeit gesorgt.

Begonnen hat man einst mit vier Seminaren pro Jahr, daraus wurden rasch zehn, dann 15. Heute werden knapp 30 Seminare im Jahr angeboten, und die Nachfrage ist groß. „Wir müssen jetzt öfter Wartelisten anlegen“, erklärt Angelika Post, seit nun schon mehr als drei Jahrzehnten Leiterin des Hauses. Besonders erfreulich sei, dass immer mehr junge Menschen Interesse an der buddhistischen Lehre zeigten.

Das Haus in Roseburg, so Angelika Post, sei „durchaus eine Keimzelle für den Buddhismus in Deutschland“ gewesen: „Deshalb kamen alle großen Lehrer hier her, darunter etliche Mönche.“ Zur Teilnahme an einem Seminar ist es allerdings nicht notwendig, sich völlig mit buddhistischen Ideen oder Grundsätzen zu identifizieren. Die Seminarleiter, derzeit etwa 20, sind jedoch ausnahmslos Buddhisten.

Die Teilnehmer reisen aus ganz Deutschland an, einige auch aus dem benachbarten Ausland – und es sind viele Stammgäste darunter, die immer mal wieder in Roseburg „geistigen Urlaub“ machen. Angelika Post: „Wir hatten neulich eine Teilnehmerin hier, die jahrelang nicht da war und die mir erklärt hat, sie fühle sich, als komme sie nach Hause.“

Wer das Seminarhaus nach einigen Tagen wieder verlasse, tue das eigentlich immer „voller Energie und mit leuchtenden Augen“. Ein größeres Kompliment kann man einem Haus und jenen, die dort tätig sind, ja kaum machen.

Lieben und loslassen

Das Seminarprogramm für 2018 im „Haus der Stille“ in Roseburg steht schon fest. Einige der Themen im kommenden Jahr: Lieben und Loslassen, Achtsamkeits-Meditation, Unsere Verletzlichkeit erkennen, Durchatmen und Innehalten, Wenn es eng wird ums Herz oder Drei Tage in Stille - Schweigeseminar.

Nähere Informationen zum Haus und zum Programm gibt es im Internet unter info@hausderstille.org oder unter Telefon 0 41 58/214.

 Norbert Dreessen

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