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Lauenburg Wölfe erobern Lauenburg
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In Lauenburg gibt es immer mehr Wölfe. Quelle: LN
Schmilau

Kathrin Andresen dreht mit ihrem Labrador-Mischling gerade ihre Abendrunde, als sie dem Tier begegnet. Plötzlich steht es da, beleuchtet vom Schein der Laterne. „Es war zu groß für einen Hund und hatte diese besondere Gangart. Mir war sofort klar, dass es sich um einen Wolf handelt“, erzählt die 34-Jährige später. Immer wieder berichten Menschen im Lauenburgischen von Wolfssichtungen. Die Landesregierung plant laut Wolfsbeauftragten Dirk Hadenfeldt, Schutzmaßnahmen zu fördern. Zwar hat sich in Schleswig-Holstein noch kein festes Rudel angesiedelt. Aber im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern wächst die Population. Durch seine geografische Lage wird das Lauenburgische zum Einfallstor.

Gleich zweimal musste der Kreis-Wolfsbeauftragte Hadenfeldt in der vergangenen Woche nach Schmilau ausrücken. Kathrin Andresen informierte den Experten sofort nach ihrer Sichtung. Für Jack Russell Terrier „Körby“ verlief seine nächtliche Begegnung um einiges unangenehmer. „Plötzlich hörte wir so ein ganz jämmerliches Winseln“, erzählt Gudrun Henicke. Ihr Sohn Ben verscheuchte mit der Taschenlampe „ein recht großes, dunkles Tier“. Der Terrier hatte danach tiefe Bissspuren am Hals. Vermutlich wollte das Tier ihn in den Wald ziehen.

„Ein Fuchs würde einen Hund auf keinen Fall so angreifen. Das passt überhaupt nicht zu der Beschreibung. Eher zum Wolf“, erklärt Hadenfeldt. Eindeutig aufklären konnte er den Vorfall jedoch nicht.

„Die Wölfe vermehren sich. Das nächst gelegene Rudel lebt bei Ludwigslust“, sagt der Experte. Da der Wolf unter Artenschutz stehe, dürfe er nicht gejagt werden.„Vor 15 Jahren sichtete man die erste Tiere in der Lausitz. Seitdem steigt die Population stetig an“, erklärt Hadenfeldt. Die Jäger würden diese Entwicklung kritisch sehen „Was passiert, wenn der sich immer weiter vermehrt?“

Die Leiterin der Wildparkschule Eekholt, Ute Kröger, sieht das wesentlich entspannter. „Das Bundesamt für Naturschutz hat berechnet, dass in Deutschland Platz für 440 Rudel wäre. Bisher leben 35 hier“, erklärt die Wolfsbetreuerin. In Mecklenburg-Vorpommern würde zurzeit ein Wolfspaar und ein Rudel mit Nachwuchs leben. „Wir achten darauf, dass es einen Nachweis für die Sichtung gibt“, erklärt sie. In Schleswig-Holstein habe sich noch kein Wolf fest angesiedelt.

Hadenfeldt vermutet: „Dass es in Schmilau so kurz hintereinander zwei Vorfälle gab, deutet darauf hin, dass er hier bleiben könnte.“ Als Rissgutachter beurteilt er auch, ob ein Wolf ein Nutztier gerissen hat. Deren Besitzer sind dem grauen Jäger nicht nur feindlich gesonnen. „Das spricht für unseren Hof. Man könnte sagen, der Wolf mag Bio-Fleisch“, scherzte Detlef Hack als der graue Jäger vergangenen März eines seiner Lämmer erbeutete. Hadenfeldt weiß, dass bei der Landesregierung im Gespräch ist, das Lauenburgische zum Wolfsstreifgebiet zu erklären. „Das ist für Nutztierhalter wichtig. Die können dann Förderung für Zäune oder Schutzhunde beantragen“, erklärt er. Hundehaltern empfiehlt er, die Tiere an der Leine zu halten, wenn bekannt ist, dass ein Wolf in der Nähe sein könnte.

Wolfsexperten
Wer einen Wolf sieht, kann sich beim Wolfsbeauftragten Dirk Hadenfeldt unter Telefon 04541898710 melden. Weitere Infos kann das Wolfsinformationszentrum des Wildparks Eekholt unter Telefon 04327 / 99230 oder www.wolfsbetreuer.de geben.
VIER FRAGEN AN . . .

1 Wie ist die richtige Verhaltensweise bei einer Begegnung mit einem Wolf?
Also die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn der Wolf ist mit ausgeprägten Sinnesorganen ausgestattet und meidet Menschen. Wie bei anderen Wildtieren sollte man sich bemerkbar machen. Es ist nicht nötig, Angst zu haben. Wölfe greifen Menschen nicht an.

2 Wer haftet bei einem Schaden, der durch einen Wolf verursacht wurde?
Wenn Nutztiere gerissen wurden, haftet das Land, wenn ein Wolf durch einen Rissgutachter als Täter festgestellt wurde.
3 Und wenn durch einen Wolf aufgeschreckte Tiere beispielsweise einen Verkehrsunfall verursachen?
Da gibt es noch keine Regelungen. Es wird gerade geprüft, ob man das über eine Versicherung regeln kann. Generell gilt die Sorgfaltspflicht für Nutztierhalter. Sie müssen ihre Tiere ausreichend schützen.

4 Wie schütze ich meine Nutztiere vor Angriffen?
Zum einen müssen die Tiere richtig eingezäunt werden. Ein Wassergraben reicht da nicht aus. Oft werden Euronetze, also Elektrozäune verwendet. Die müssen mindestens 90 Zentimeter hoch sein, besser ist 1, 10 Meter. Und unten abgeschlossen, damit der Wolf nicht darunter durchkriechen kann. ar

Alessandra Röder

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