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Lauenburg Wohin mit den Altmedikamenten?
Lokales Lauenburg Wohin mit den Altmedikamenten?
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22:25 21.02.2017
Ratzeburg

Wohin mit alten Medikamenten? Seit Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne) davor warnte, alte Medikamente in der Toilette zu entsorgen, weil das zu erheblichen Belastungen der Gewässer führe, sind Verbraucher verunsichert. So brachte LN-Leserin Gaby Ramcke aus Schnakenbek neulich ihre gesammelten Medikamentenreste zum Wertstoffhof nach Lauenburg. Doch der Mitarbeiter packte sie nicht in einen Sondermüllbehälter, sondern warf sie „in die Restmülltonne – mit der Bemerkung, das könne ich in Zukunft auch tun“. Im Abfallratgeber der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) seien jedoch Medikamente als Schadstoffe aufgeführt, die gesondert angenommen würden. Gaby Ramcke fragte telefonisch noch einmal in der AWSH-Zentrale in Lanken nach, wo sie die Auskunft erhielt, sie könne Arzneimittelreste zwar auch auf einem Wertstoffhof abgeben, allerdings gehörte dieser Abfall „zum Restmüll, der im Bereich des Herzogtums Lauenburg verbrannt würde“.

Apotheken nehmen Arzneimittelreste nur im Einzelfall an – Lieber direkt entsorgen bei der AWSH.

„Mir wurde gesagt, ich solle alte Medikamente in den Restmüll werfen. Gaby Ramcke,

Leserin aus Schnakenbek

„Der private Dienstleister Remedica hat seinen Service eingestellt. Dennis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein

Im Abfall ABC der AWSH sind die verschiedenen Entsorgungsmöglichkeiten aufgeführt: „Altmedikamente von Privat: Rücknahme durch einige Apotheken, Schadstoffmobil, alle Recyclinghöfe (Annahme in Lauenburg nur montags!). Von Gewerbe: alle Höfe außer Reinbek, Stapelfeld, Trittau. Siehe auch www.awsh.de/privatkunden/abfall-abc“.

Mehr als 150 verschiedene Arzneimittel sind nach Angaben von www.abfallmanager-medizin.de mittlerweile in deutschen Gewässern nachgewiesen. Die Kläranlagen sind bei Entsorgung über die Toilettenspülung überfordert. Laut Umweltbundesamt sind Konzentrationen von 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter für viele Wirkstoffe keine Seltenheit. Werte für den Kreis Herzogtum Lauenburg konnte die Kreisverwaltung gestern nicht vorlegen. Habeck empfahl daher, Arzneimittelreste nur noch im Sonder- oder Hausmüll zu entsorgen.

Wohin genau alte Tabletten, Tropfen, Salben, Säfte oder Zäpfchen gehören, darüber herrscht bei den Verbrauchern allerdings Unsicherheit.

Friederike Uffen-Peters, Inhaberin der Apotheke St. Georg in der Bahnhofsallee in Ratzeburg, verneinte eine Rücknahme: „Wir nehmen schon seit einigen Jahren keine alten Medikamente mehr zurück.“

Dieser Service wurde eingestellt, nachdem die Apotheken selbst für die Entsorgung des „Gewerbemülls“ zahlen sollten.

Von 1995 an hatte der private Dienstleister „Remedica“ für die kostenlose Abholung gesorgt, sagt Dennis Kissel, Geschäftsführer der AWSH. Zu Höchstzeiten beteiligten sich laut der Online-Zeitung „apotheke-adhoc“ rund 19 000 Apotheken in ganz Deutschland. Der Service für die verbliebenen 5070 Häuser wurde jedoch zum Jahresende 2016 eingestellt, weil die finanzielle Unterstützung der Arzneimittelhersteller ausblieb. Nun also sind die Patienten selbst dafür verantwortlich, wie sie Restbestände ordnungs- und rechtsgemäß entsorgen müssen. Dennis Kissel fasst noch einmal zusammen:

1) Altmedikamente können beim Schadstoffmobil und den Gefahrstoffsammelstellen auf den Recyclinghöfen kostenfrei abgegeben werden.

2) Die Entsorgung von Altmedikamenten über den Restabfall ist auch zulässig.

Was kann jeder tun?

Überprüfen Sie vor dem Kauf die Hausapotheke, ob die benötigten Medikamente bereits vorhanden sind.

Bei Selbstmedikation lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker über die Notwendigkeit und Zielsetzung der Medikation beraten.

Kaufen Sie die richtigen Packungsgrößen, um Reste zu vermeiden.

Entsorgen Sie die Restbestände in den Blistern und Fläschchen über den jeweiligen Entsorger.

(Flyer des Landesumweltministeriums „Der richtige Umgang mit

Arzneimitteln für gutes Wasser

in unseren Gewässern“).

 Joachim Strunk

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