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Wohnen mit Aussicht in der Möllner Wassermühle

Mölln Wohnen mit Aussicht in der Möllner Wassermühle

Mühlen hatten für die Stadt Mölln schon immer eine große Bedeutung. Man muss sich nur das Stadtwappen anschauen, das aus gerade mal zwei Symbolen besteht: einem Mühlrad und einem Mühleisen.

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Ihnen gehört die Möllner Stadtmühle, und sie wohnen hier auch: Dr. Matthias Esche und seine Frau Doris. An Stützbalken in allen Räumen mangelt es nicht. Die Mühle wurde in den 1990er Jahren mit Millionenaufwand saniert.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Mölln. Mühlen hatten für die Stadt Mölln schon immer eine große Bedeutung. Man muss sich nur das Stadtwappen anschauen, das aus gerade mal zwei Symbolen besteht: einem Mühlrad und einem Mühleisen. Eine stattliche Mühle, nämlich die 1864 zwischen Hauptstraße und Schulsee errichtete Wassermühle, gehört denn auch heute noch neben Rathaus und Nikolaikirche zu den prägenden Gebäuden der Altstadt.

LN-Bild

Mühlen hatten für die Stadt Mölln schon immer eine große Bedeutung. Man muss sich nur das Stadtwappen anschauen, das aus gerade mal zwei Symbolen besteht: einem Mühlrad und einem Mühleisen.

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Anno 1278 soll es die erste Wassermühle in Mölln gegeben haben, im Mittelalter war die Stadt Standort gleich mehrerer Mühlen. Wahrscheinlich falsch ist aber die Ansicht, der Name Mölln habe auch etwas mit Mühlen zu tun. Sprachforscher führen den Namen eher auf einen slawischen Begriff zurück, das einen „Ort am trüben Wasser“ bezeichnet.

Die jetzige Stadtmühle, die sich über viele Jahrzehnte hinweg wirklich im Besitz der Stadt befand, wurde bis 1958 im ursprünglichen Sinne genutzt. Dann packte der letzte Müller von Mölln ein, die gesamte Technik einschließlich Mühlrad wurde entfernt, statt dessen wurden hier Lagerräume geschaffen.

Ab 1975 stand das große Haus — seit 1965 wieder im städtischen Besitz — sechs Jahre lang leer und verfiel zusehends. Verschiedene Pläne, die Mühle für kommunale Einrichtungen oder als Hotel zu nutzen, scheiterten. Sogar an einen Abriss wurde gedacht — doch der war der Stadt Mölln zu teuer. Vorübergehend wurde ab 1981 der Wohnteil der Mühle als städtisches Jugendheim genutzt, im selben Jahr wurde das markante Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

1992 gelang es der Stadt endlich, einen Käufer zu finden — genauer gesagt zwei. Der Film- und Fernsehproduzent Dr. Matthias Esche und der Architekt Thomas Schröder erwarben die Wassermühle für 550 000 Mark. Das klingt angesichts der Größe des Bauwerks mit rund 1000 Quadratmetern Nutzfläche nach einem Schnäppchen, „aber das hier war damals eine echte Ruine“, erzählt Esche, der heute noch in der Mühle wohnt. Mehr als das Sechsfache der Kaufsumme investierten die neuen Besitzer in ihr Backstein-Domizil.

Schröder baute die Mühle innen so um, dass im Erdgeschoss und unter dem Dach Büros geschaffen werden konnten, im ersten und zweiten Stock Wohnungen. Zunächst zog auch noch ein italienisches Restaurant in das Gebäude ein, nach einigen Jahren aber wieder aus. Heute arbeiten in der Mühle die Firma Agrosom, die Kunden aus der Landwirtschaft Lösungen für eine effektive Tierernährung anbietet, und die Lübecker Nachrichten. Die Vertriebs- und Anzeigenabteilung für den Kreis Herzogtum Lauenburg befindet sich auf Höhe des Mühlenplatzes, die lauenburgische LN-Redaktion (in der übrigens auch dieser Artikel entstand), im dritten Stock.

Dazwischen wohnt Matthias Esche, seit Jahren alleiniger Mühlenbesitzer, mit seiner Frau Doris, zwei Töchtern und einem Hund. Und es gibt wohl kaum eine andere Wohnung in dieser Stadt, die solche Ausblicke auf die ehrwürdige Nicolaikirche, den Schulsee, den Kurpark und die Gassen der Altstadt bietet. „Wir haben hier einen echten Logenplatz“, sagt Doris Esche.

Große Änderungen an dem Haus dürfen allerdings nicht vorgenommen werden. Pläne, per Wasserkraft Strom zu erzeugen, wurden bisher abgelehnt, weil durch die wechselnden Wasserstände des vor mehr als 150 Jahren unter das Gebäude verlegten Mühlengrabens Lurche und andere Amphibien gestört werden könnten. Und der Vorschlag, außen an der Mühle einen gläsernen Fahrstuhl anzubauen, scheiterte an der Denkmalschutzbehörde. So müssen Besucher zumindest der oberen Stockwerke nach wie vor die zwar feuerfeste, aber auch recht hohe Treppe (50 Stufen) erklimmen.

„Es gab eine Toilette im Erdgeschoss, aber kein Bad“

In der Stadtmühle zu Mölln lebte etliche Jahre Dr. Kurt Langenheim, ab 1950 Kreisarchivar und zugleich Leiter des Amtes für kulturelle Angelegenheiten und Leiter des Kreismuseums.

Er schilderte 1990 in einem Aufsatz für die „Lauenburgische Heimat“, wie er das Haus als Junge erlebte: „Ich war sieben Jahre alt, als wir 1936 in die Mühle zogen. Heute bewundere ich den Mut, mit dem sich meine wenig begüterten Eltern über das obere Stockwerk dieser einst herrschaftlichen, jetzt aber ganz und gar renovierungsbedürftigen Wohnung hermachten. Für alle Wohnungen gab es eine Toilette im Erdgeschoss, aber kein Bad.“

Ein schönes Gebäude war die Mühle nie, schreibt Langenheim. Aber es war „schon ein auffallendes Haus. Ein 13 mal 20 Meter großer Klotz so zu sagen, ohne Rücksicht auf die ihn umgebenden kleinen Fachwerkhäuser und Katen frei auf den Mühlenplatz gesetzt. Ein drastischer architektonischer Stilbruch, sehr wahrscheinlich als solcher beabsichtigt, um klarzumachen, dass auch in Mölln das technische Zeitalter angebrochen war.“ Der Keller habe unter dem Wohnteil gelegen und schien in einen Sumpf hineingebaut worden zu sein.

Von Norbert Dreessen

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